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Wie Unternehmen junge Mitarbeiterinnen endlich glücklich machen

Weibliche Young Professionals sind wahnsinnig gut ausgebildet, kreativ und motiviert. Es wird Zeit, dass Unternehmen das erkennen und ihre Strukturen daran anpassen. Was junge Frauen wirklich wollen, zeigt eine neue Studie.

 

Was wollen Young-Professional-Frauen wirklich?

Seit dem Abitur – und damit gelte ich unter karrierebewussten Millennials schon fast als Spätzünder – beschäftigt mich die Frage nach dem perfekten Lebenslauf: Was und wo soll ich studieren? Wo mache ich am sinnvollsten mein Auslandssemester? Reichen drei Praktika während des Bachelorstudiums? Sollte ich ein Blog schreiben, oder doch lieber noch eine Fremdsprache lernen? 

So wie mir geht es fast allen meinen Freundinnen. Immer wieder diskutieren wir, was wir noch tun können, um unseren CV zu optimieren. Mit jeder Entscheidung buhlen wir um die Gunst des späteren potenziellen Arbeitgebers. Was wir dabei oft vergessen: Nicht nur wir ringen um das Interesse der Unternehmen, sondern diese auch um uns. Wir sind jung, weiblich, durch unsere privilegierte Stellung wahnsinnig gut ausgebildet, kreativ, kommunikativ und engagiert. Nicht nur wir brauchen die Unternehmen, die Unternehmen brauchen auch uns. Deshalb ist es an der Zeit, dass in Firmen endlich die Frage gestellt wird: Wie wollen junge Frauen arbeiten?

Wir haben nämlich klare Vorstellungen – und, wenn diese nicht erfüllt werden, schauen wir uns schnell nach etwas anderen um. Das belegt eine aktuelle Studie des europäischen Forschungsinstituts für Employer Branding, Personalmarketing und Recruitung, Trendence. Laut einer Umfrage unter 10.000 Young Professionals aus allen Branchen und Fachrichtungen, die im Schnitt 28,1 Jahre alt waren und bis zu zehn Jahren Berufserfahrung hatten.
Neun von zehn der Befragten 3.600 weiblichen Young Professionals, waren offen für einen neuen Job, jede vierte war sogar aktiv auf der Suche. Warum ist das so? Die Trendence-Daten bieten einige interessante Ansätze. Die wichtigsten haben wir deshalb hier zusammengefasst. 

Was ist weiblichen Young Professionals wichtig?

Die befragten Frauen gaben an, ihren Arbeitgeber vor allem wegen der Möglichkeit zu attraktiven Arbeitsaufgaben (20,5 Prozent), einer guten Work-Life-Balance (19,9 Prozent) und persönlicher Entwicklung (12,2 Prozent), auszuwählen. Außerdem finden es 72,8 Prozent der jungen berufstätigen Frauen richtig, wenn ihr Arbeitgeber die Karriere von Frauen besonders fördert – das sahen übrigens nur 30,4 Prozent der befragten Männer genauso.

Was macht weibliche Young Professionals unglücklich?

Laut der Studie bemängeln 42,3 Prozent der befragten Frauen vor allem den Führungsstil ihrer Vorgesetzten. Damit ist dies der mit Abstand wichtigste Grund für Unzufriedenheit unter jungen Frauen im Job. 26,3 Prozent geben ein nicht angemessenes Gehalt und 25,3 Prozent mangelnde Wertschätzung als Hauptgrund ihres Unmuts an. Aber auch mangelnde Karriereperspektiven (16,8 Prozent) und eine schlechte Work-Life-Balance (15,0 Prozent) sind wichtige Gründe.

Warum wechseln weibliche Young Professionals den Job?

Die ausschlaggebenden Gründe für einen Jobwechsel bei den befragten Frauen waren der Wunsch nach einem Karriereschub und neuen Perspektiven (23,9 Prozent) und mehr Erfüllung (18,1 Prozent). Hier spielt das Gehalt eine untergeordnete Rolle.
Uns weiblichen – und auch vielen männlichen – Young Professionals (zumindest denjenigen, die es sich erlauben können, dass das Gehalt nicht der ausschlaggebende Grund ist) geht es also vor allem, um eine sinnhafte Arbeit, bei der wir uns entwickeln können und unsere Vorgesetzten unsere Arbeit angemessen wertschätzen. Eigentlich gar nicht so schwer, oder?

Die Realität ist im Ungleichgewicht 

Trotzdem gibt es noch großen Nachholbedarf seitens der Unternehmen, auch das zeigt die Untersuchung. So existiert der Gender-Pay-Gap auch zwischen Young Professionals. Im Durchschnitt verdienen Männer 19,4 Prozent mehr als ihre weiblichen Kolleginnen.

Positiv heraus sticht beim Thema Gehalt überraschender Weise das Ingenieurswesen mit „nur” 6,8 Prozent Unterschied. Negatives Extrem ist die Branche der Konsumgüter mit einem Gender-Pay-Gap von 32,4 Prozent. Wenn man bedenkt, dass keiner der Befragten seit mehr als zehn Jahren im Berufsleben steht, lässt sich erkennen, wie weit der Weg zu einer gleichberechtigten Bezahlung immer noch ist.
Negativ auffällig an den Ergebnissen der Studie ist, dass die jungen Frauen deutlich seltener Jobangebote erhalten als ihre männlichen Kollegen. Nur 58,5 Prozent von ihnen wurde in den letzten zwölf Monaten ein Job angeboten, gegenüber stehen ihnen 67,4 Prozent der Männer.
Wenn jungen Frauen eine neue Arbeitsstelle offeriert wird, dann meistens von Headhuntern und Personalvermittlungen, gefolgt von den Personalverantwortlichen des abwerbenden Unternehmens und den Mitarbeitern des abwerbenden Unternehmens.
Woran liegt das? Sind junge Männer auf  Jobportalen wie Xing oder LinkedIn etwa einfach präsenter? Oder suchen Unternehmen immer noch häufiger gezielt nach neuen männlichen Mitarbeitern? Wenn neun von zehn der befragten Frauen offen für einen neuen Job sind, warum werden sie dann immer noch so viel seltener von suchenden Unternehmen wahrgenommen? Auch das ist eine wichtige Frage, die die Daten der Studie aufwerfen.  
Die Ergebnisse der Studie zeigen: Junge Frauen wünschen sich vor allem gute und kompetente Führungskräfte, die Chance zur Weiterentwicklung und ein gesundes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit – wichtige Werte, die für jeden Mitarbeiter positive Auswirkungen haben. Unternehmen die darauf reagieren können also eigentlich nur gewinnen. 
Wenn sie sich diesen Wünschen allerdings verweigern, sollten junge Frauen den Mut haben, den Arbeitsplatz zu wechseln. Wir sind enorm gut ausgebildet, äußerst kompetent und oft wahnsinnig motiviert, unsere Bedürfnisse sollten  unserem Arbeitgeber wichtig sein. 

Und, wie wohl fühlt ihr euch in eurem Unternehmen?

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