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Als Teilzeitkraft werde ich außen vor gelassen – dabei gehöre ich genauso zum Team!

Als Teilzeitkraft werde ich oft „vergessen“. Das nervt nicht nur, sondern kostet auch Zeit. Ein Appell an all die Vollzeitkolleg*innen und Vorgesetzten, uns in Prozesse mehr einzubeziehen und uns endlich als vollwertiges Mitglied des Teams zu akzeptieren.

 

Hey Vollzeitkräfte, nehmt uns in euer „Rudel” auf 

Aufgrund meines Studiums bin ich seit kurzem auf Teilzeitbasis beschäftigt. Man muss ja schließlich auch Geld verdienen, um sich das Studium und einen gewissen Lebensstil zu finanzieren. Und soll ich euch etwas sagen? Der Job-Alltag würde sich besser anfühlen, wenn ich mich nicht oft ausgeschlossen oder „vergessen” fühlen würde. Tatsächlich wurde ich seit meiner Einstellung im Frühling nie wirklich willkommen geheißen, sondern stets nur von der Seite betrachtet.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich durchaus kein Opfer von Mobbing bin. Vielmehr belächeln mich meine Kolleg*innen aufgrund meiner geringen Stundenanzahl (zehn pro Woche), die ich im Büro verbringe. Sie haben mich seit Beginn an nicht als „voll” akzeptiert. Meist bin ich einfach nur „die Studentin, die sich etwas dazu verdient und Berufserfahrung sammeln möchte”. Ich bin die, die ein- bis zweimal pro Woche „vorbeischneit” und „ihren Kram erledigt”. Und da ich ohnehin kaum da bin, hält man es obendrein auch nicht für nötig, mir wichtige Änderungen oder Informationen im Tagesgeschäft, in irgendeiner Weise mitzuteilen. 

Ja, es stimmt, ich bin Studentin, allerdings habe ich mich dazu nach mehreren Jahren im Job entschlossen. Und gerade, weil ich schon einige Jahre Berufserfahrung hinter mir habe und durchaus Kompetenzen mitbringe, schmerzt es umso mehr, nicht vollständig in „das Rudel” aufgenommen zu werden. 

Lasst uns nicht hängen! 

Zugegeben: In Sachen Informationsbeschaffung hinke ich im Tagesgeschäft immer etwas hinterher. Aber das liegt nicht immer an mir. Als Vollzeitangestellte*r, der täglich im Büro ist, schnappt man doch hier und da in der Mittagspause und beim Vorbeigehen News auf, oder wird mal eben so zu einem spontanen Team-Meeting gebeten, wenn „die Hütte brennt”. Dieses Szenario gibt es bei mir nicht. Ich gehe so schnell wieder, wie ich gekommen bin. Nach ein paar Stunden. Und in dieser Zeit bietet sich eben keine Gelegenheit dazu, viel Zeit damit zu verschwenden, mit Kolleg*innen zu Quatschen oder „mal eben etwas aufzuschnappen”. Vielmehr muss ich zusehen, dass ich Liegengebliebenes aufhole und in den wenigen Stunden, die ich anwesend bin, all meine Aufgaben erledige. 

Doch genau hier liegt oft das Problem. Meinen Beitrag gut und zur Zufriedenheit der Vorgesetzten zu leisten. Eben dafür zu arbeiten, wofür ich eingestellt wurde. Stattdessen verbringe ich immer öfter meinen Bürotag vor allem damit, meiner Kollegin alle notwendigen Informationen aus der Nase zu ziehen, die ich für die Erledigung meiner Aufgaben brauche. Und das raubt nicht nur mir meine wertvolle Zeit, sondern nervt auch die Kollegin gegenüber, die schon längst die Pakete versandt haben sollte. 

An dieser Stelle sei vorsichtshalber erwähnt: Nein, ich bin durchaus dazu in der Lage, E-Mails mit wichtigen Informationen zu lesen und sie entsprechend zu deuten. Doch wo keinen E-Mails sind, kann ich ergo keine lesen, oder? Und gerade im Projektgeschäft ist es unabdingbar auf dem neuesten Stand gehalten zu werden. Lasst es euch gesagt sein: Den*die Kund*in wegen einer Mahnung anzurufen, obwohl gestern mit einer Kollegin schon alles besprochen wurde, hinterlässt tendenziell keinen guten Eindruck. Und genau solche Kleinigkeiten sind es. Ein kurzer Vermerk, dass gestern Abend noch eben die Mahnung abgeklärt wurde, eine kurze Notiz oder eine E-Mail würden schon ausreichen, um uns das Leben zu erleichtern – und nebenbei auch noch einen professionellen Ablauf zu garantieren.

Haltet uns auf dem Laufenden

Wir sind nun einmal Teil des Teams, auch wenn bei Kolleg*innen oft das Trugbild entsteht, dass die Vollzeitkräfte es sind, die den Laden so richtig am Laufen halten. Wir sind es doch, die Teilzeit oder geringfügigen Kräfte, die in den meisten Fällen dazu eingestellt wurden, um unsere Kolleg*innen und Vorgesetzten mit diesen paar Stunden zu unterstützen. Wir sind es, die ermöglichen, dass das Produktionslevel konstant gehalten werden kann und sollten daher auch zum großen Ganzen gezählt werden. Und eben nicht „vergessen” werden, sowohl menschlich als auch auf beruflicher Ebene. Das finde ich einfach nicht fair. Zumal man sich zudem einfach nur unwohl fühlt, wenn man morgens ins Büro kommt. 

Mein Appell an alle Kolleg*innen und Vorgesetzten: Sagt uns einfach kurz Bescheid. Wir würden unsere Stunden noch effizienter abarbeiten können, wenn wir selektierte und wichtige Informationen (ggf. schon vorab) erhalten würden, und nicht mühselig den Kolleg*innen alles aus der Nase ziehen müssten. Mal ehrlich, das ist nicht nur für uns sehr nervig, sondern auch für die anderen. Leitet uns E-Mails weiter, macht wöchentlich Team-Meetings, legt uns einen Zettel auf den Tisch. Eröffnet meinetwegen einen Whats-App-Chat – egal was, aber haltet uns auf dem Laufenden und seht uns als vollwertiges Mitglied des Teams an. Ich sage ja nicht, dass ihr uns ein Foto des gestrigen Geburtstagskuchens schicken müsst, aber zumindest einige selektierte Infos würden uns nicht nur den Tag erleichtern, sondern wir, die Teilzeitkräfte würden uns auch auf persönlicher Ebene wohler fühlen.

Auch, wenn wir für viele diejenigen sind, die als Mitläufer*innen angesehen werden – ja, auch wir sind Teil des Teams. Teil des großen Ganzen. Vergesst das nicht! Auch, wenn unser Einsatz vergleichsweise gering ist – wir leisten unseren Beitrag genauso wie ihr.


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