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Was verdient man im Startup wirklich? Die überraschenden Ergebnisse des Berliner Gehaltsreports

Die Arbeit in Startups sieht von außen verlockend aus: flache Hierarchien, Kickerturniere und hippe Büros. Doch wie viel verdient man dort eigentlich? Mit dieser Frage hat sich der große Berliner Startup-Gehaltsreport beschäftigt.

 

Die Welt der Startups 

Mein halber Freundeskreis arbeitet mittlerweile in einem Startup. Wir sprechen viel über eingefahrene Strukturen in klassischen Unternehmen, die Freiheiten, die ein Startup mit sich bringt und vor allem die Erfüllung, die man verspürt, wenn man für ein Unternehmen arbeitet in dem die Hierarchien flach, der Kaffee gut und das Team international ist. Doch wie sieht die Realität in den Startups eigentlich aus? Wer arbeitet in Startups? Wer verdient wie viel? Und wie glücklich macht das Ganze?

Dieser Frage sind Jobspotting, BerlinStartupJobs.com und die Hochschule Aalen in einer repräsentativen Studie seit April 2013 nachgegangen. Insgesamt wurden 3388 Teilnehmer befragt, von denen 30 Prozent weiblich waren.  

Was dabei heraus kam

Das erste Ergebnis der Studie ist erst mal eine gute Nachricht für alle Berliner: Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie, die in der Hauptstadt arbeiteten, verdienten mehr als in anderen Startup-Metropolen und waren zufriedener. 

Für Startup-Mitarbeiter sind außerdem zufriedener als Angestellte größerer Unternehmen, obwohl sie schlechter verdienen als Mitarbeiter in größeren Unternehmen. Das ist ihnen, so zeigt die Studie, durchaus bewusst. Sie glauben, dass ihr Gehalt deutlich unter ihrem Marktwert liegt, scheinen aber trotzdem genug Anreize zu haben, um an ihrer Arbeitsstelle zu bleiben.

Befragte in Berlin arbeiteten deutlich häufiger in Startups und hatten gleichzeitig weitaus weniger Berufserfahrung vorzuweisen. Ein möglicher Rückschluss: Startups bieten den leichteren Berufseinstieg. Allerdings zeigt die Studie auch, dass Erfahrung einer der stärksten Motoren für ein höheres Gehalt darstellt. Startups ermöglichen also vielleicht den Jobeinstieg, aber keinen besonders lukrativen. Wer hingegen schon einige Jahre in anderen Firmen gearbeitet hat, kann in Startups besser verdienen.

Lets talk about money

Ein spannendes Ergebnis der Studie ist die genaue Gehaltsanalyse, die konkrete Zahlen nennt. Nicht besonders überraschend: Softwareentwickler (durchschnittliches Einstiegsgehalt von 2.900 Euro) und Manager (2.500 Euro) verdienen am meisten. Sales- und Marketingjobs sind am schlechtesten bezahlt. 

Die durchschnittlichen Gehälter für Berufseinsteiger liegen bei etwa 2.300 Euro und bei Menschen mit drei bis fünf Jahren Berufserfahrung bei etwa 3.000 Euro.

Und für die Praktikanten unter den Studienteilnehmern scheint die Einführung des Mindestlohns kaum etwas gebracht zu haben. Dafür bietet das Gesetz dazu genügend Schlupflöcher – für Unternehmen genauso wie für Startups.

Frauen verdienen sehr viel schlechter

Besonders prekär sind die Ergebnisse der Studie in Bezug auf Gleichberechtigung. Obwohl Startups oft als progressiv und inklusiv gelten, verdienen Frauen in Startups in Berlin bei einer Vollzeitstelle mit einem Durchschnittsgehalt von 2.500 Euro 25 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen (3.333 Euro).

Studienabbrecher verdienen gut

Wirklich überraschend aber auch ein guter Trend: die Studienabbrecher unter den Befragten – die lediglich einen Anteil von sechs Prozent ausmachten, verdienen mehr als ihre Kolleginnen und Kollegen mit Uniabschluss. Eine mögliche Erklärung: Sie haben einen vielseitigen Lebenslauf, viel Berufserfahrung und passen besonders gut in die Unternehmenskultur eines Startups.

Die Studienmacher räumen selber ein, dass die Gehaltsstudie in Puncto Aussagekraft sicherlich an ihre Grenzen stoße. Nichtsdestotrotz bietet die Untersuchung einige interessante Einblicke in die Struktur der Startupszene und kann als Orientierungshilfe in Gehaltsverhandlungen dienen, wenn ihr demnächst bei einem Jobinterview in einem Startup sitzt.

Eines ist den Machern der Studie dabei besonders wichtig: Sie wollen mit ihren Ergebnissen dazu anregen, dass Mitarbeiter noch stärker das Gehalt einfordern, dass ihnen nach ihren Qualifikationen zusteht. Diesen Appell sollten vor allem wir Frauen sehr ernst nehmen, denn einen Gehaltsunterschied von 25 Prozent sollten wir nicht hinnehmen.


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