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Chinesische Unternehmen stellen „attraktive Frauen“ ein, die Programmierer motivieren sollen

Um ihren Mitarbeitern Unterhaltung zu bieten, suchen Unternehmen in China nach attraktiven Frauen. Von Gleichberechtigung kann keine Rede sein.

Stereotype bestimmen Arbeitsmarkt in China

Es klingt wie ein schlechter Scherz. Unternehmen aus der IT- und Technikbranche in China stellen Jobausschreibungen ins Netz, die das Frauenbild im Land in Zeiten der #MeToo-Debatte fragwürdig erscheinen lassen. Denn nur hübsche Frauen mit einer Mindestgröße haben Aussichten auf eine Postion, die eine Mischung aus Animateurin, Masseurin und psychologischem Beistand ist. Ein Beispiel für so eine Stellenanzeige, stellt Christiane Imdahl von unserem Partner Business Insider vor.  

Wie die „New York Times“ berichtet, gibt es mehrere Firmen, die junge Frauen einstellen, um die hauseigenen Programmierer bei Laune zu halten — und das, obwohl China die meisten weiblichen Milliardäre hervorgebracht hat, die sich ihr Geld und den Erfolg selbst hart erarbeitet haben. Frauen besetzen auch viele hohe Position bei Start-ups. Aber die Gegensätze im Land scheinen riesig zu sein.

Allein die Tatsache, dass Firmen hübsche Frauen einstellen wollen, damit sie
sich mit den Programmierern unterhalten, unterstützt das stereotype Bild des „Computer-Nerds“, der keinen sozialen Umgang pflegt, weil er in seinem dunklen Keller alleine am Rechner sitzt. Die in New York ansässige Einrichtung Human Rights Watch hat Jobausschreibungen der chinesischen Firmen Baidu, Alibaba und Tencent bemängelt. Baidu habe in einer Anzeige explizit Männer bevorzugt, da die Position zum Beispiel Reisen einschließt. Alibaba suchte nach Frauen zwischen 28 und 35 Jahren mit gutem Aussehen und Klasse. Die Firmen haben die Anzeigen später aus dem Netz genommen und beteuern, dass ihre Geschäftsrichtlinien eine Gleichberechtigung von Männern und Frauen vorsehen.

China hat noch einen weiten Weg vor sich

Aber nicht alle sehen in den Stellenanzeigen ein Problem. Die 25-jährige Shen Yue erzählt der „New York Times“, wie ihr Alltag als Bespaßerin der Mitarbeiter aussieht. Sie arbeitet bei chainfin.com, einer chinesischen Finanzfirma. Dort kümmert sie sich ausschließlich um das Wohlbefinden der Anderen. Sie sagt: „Sie brauchen einfach jemanden, mit dem sie ab und zu reden können, der Aktivitäten für sie organisiert und ihnen hilft, den Stress abzubauen.“

Das klingt zum Teil wie das Aufgabengebiet einer Assistentin oder Sekretärin — mit einem großen Unterschied: Shen Yue gibt den männlichen Kollegen gerne auch mal eine Nacken-und Schultermassage. Einem überarbeitetem Kollegen erzählt sie: „Die Firma möchte gerne, dass ich dir eine Massage gebe, auch wenn meine Technik wohl nicht die Beste ist.“ Die männlichen Kollegen bei chainfin.com begrüßen die weibliche Aufmerksamkeit und freuen sich, dass Shen Yue auch mal Spiele wie Sackhüpfen zur Auflockerung organisiert.

Ohne ansteckendes Lachen gibt’s keinen Job

Eine Mitarbeiterin aus der Personalabteilung sagte der „New York Times“
sogar, dass die Bewerberinnen fünf äußerliche Merkmale erfüllen müssen. Neben einem ansteckendem Lachen, müssen sie Make-up tragen und größer
als 1,58 Meter sein. Dass Bewerberin Shen Yue eigentlich einen Abschluss als Bauingenieurin hat, interessiert hier niemanden.

Chinas Arbeitswelt scheint geteilter Meinung zu sein, was dem Umgang mit
Stereotypen und der Gleichheit der Geschlechter angeht. Frauen sind zwar auf dem Vormarsch, aber alte Gewohnheiten lassen sich wohl nicht so schnell aufbrechen. Während eine Firma in der westlichen Welt wohl mit einem riesigen Shitstorm oder sogar einer Klage rechnen müsste, wenn es solche Jobausschreibungen veröffentlicht, ist es in China noch ein weiter Weg bis dahin.

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