Foto: Razvan Chisu | Unsplash

Frauenanteil in Vorständen sinkt erstmals seit 2017

Während die Vorstände in anderen westlichen Ländern im vergangenen Jahr deutlich weiblicher wurden, verkleinerten deutsche Börsenunternehmen ihr Top-Management – und setzen dabei auf Männer.

In der Corona-Krise schrumpfte nicht nur die Wirtschaftsleistung, sondern auch die Vorstände deutscher Börsenunternehmen, die nach und nach Mitglieder verabschiedeten. Dabei sind 2020 wesentlich mehr Frauen ausgeschieden als in den Jahren zuvor. Das zeigt ein neuer Bericht der Allbright-Stiftung. So ist der Frauenanteil in den Vorständen der 30 DAX-Unternehmen nicht wie in den Vorjahren weiter gestiegen, sondern hat sich rückwärts auf den Stand von 2017 bewegt. Der Anteil Frauen im Top-Management liegt somit nur noch bei 12,8 Prozent.

Im internationalen Vergleich bildet Deutschland damit das Schlusslicht. In den USA, Schweden und Großbritannien ist der Frauenanteil im Top-Management mehr als doppelt so hoch. Während in Ländern wie Frankreich, Schweden, Großbritannien und der USA Vorstände mit mindestens zwei Frauen längst die Norm sind, ist das in Deutschland weiterhin die absolute Ausnahme: Es gibt lediglich vier DAX­-Unternehmen mit mehr als einer Frau im Vorstand.

Diverse Teams sucht man in Deutschland vergeblich  

Nicht nur stehen viele deutsche Unternehmen noch immer ganz ohne Frau im Top­-Management da, bei jedem dritten deutschen Börsenunternehmen ist „Null Frauen im Vorstand“ auch die explizite Zielgröße für die absehbare Zukunft. In den USA, Großbritannien, Schweden, Frankreich und auch Polen hingegen wurden während der Krise laufend vielfältigere Führungsetagen aufgebaut. Im Wissen darum, dass diverse Teams komplexen Herausforderungen besser gewachsen sind, mutmaßt die Allbright-Stiftung im neuen Bericht. In deutschen Unternehmen wird diese Erkenntnis anscheinend ignoriert.

Thomas befördert weiterhin Thomas

Es ist nicht so, dass es in Deutschland keine Frauen gibt, die den Job machen wollen. Die erste Generation der Vorständinnen waren häufig Pionierinnen aus dem Ausland, die nun nach und nach Platz machen für Nachfolgerinnen aus Deutschland. „Die ,Pipeline‘ an Führungs­frauen in den deutschen Unternehmen ist besser gefüllt als je zuvor“, schreibt Wiebke Ankersen, die Geschäftsführerin der Allbright-Stiftung im neuen Bericht. Das Problem ist, dass bei der Rekrutierung neuer Vorstandsmitglieder anscheinend weiterhin die „Thomasschablone“ aufgelegt wird: Jede weiße, männliche, westdeutsche, Mitte fünfzigjährige Führungskraft – die im besten Fall noch Thomas heißt – hat gute Chancen. Für alle, die hingegen nicht diesem Muster entsprechen, stehen die Chancen offenbar schlecht.

„In der Krise auf vertraute Männer zu setzen, ist ein kurzsichtiger Reflex, der sich über kurz oder lang rächen wird.“

Wiebke Ankersen

„In der Krise auf vertraute Männer zu setzen, ist ein kurzsichtiger Reflex, der sich über kurz oder lang rächen wird“, kommentiert Wiebke Ankersen die Ergebnisse. Das Gesamtfazit der Studie ist entmutigend: Nur zwei der 160 an der Frank­furter Börse notierten Unternehmen haben mindestens 40 Prozent Frauen im Vorstand. Keines der 30 DAX Unternehmen erreicht ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis im Vorstand. Mit dem aktuellen Tempo dauert das – gemäß der Allbright-Stiftung – noch 100 weitere Jahre.

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