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Wieso wir uns viel öfter trauen sollten, einfach mal nachzufragen

Manchmal kommen wir alleine einfach nicht weiter. Die einfache und banale Lösung: Jemanden um Hilfe bitten. Warum tun wir uns damit so schwer? Unsere Community-Autorin Marie-Theres ist ein richtiger Frageprofi und hat wertvolle Tipps.

 

Ein Aufruf an alle Frauen

Traut Euch und fragt: Nach Hilfe, Info, einem Date oder was Ihr sonst noch so braucht. Niemand wird Euch den Kopf abreißen. Ganz im Gegenteil. Ich selbst habe bisher richtig gute Erfahrungen damit gemacht und möchte Euch motivieren und inspirieren, lieber einmal zu viel die Hand zu heben als einmal zu wenig.

Dazu ein kleiner Schwenk aus meinem Leben:

Vor ein paar Jahren schrieb ich meine Doktorarbeit über eine Rechtsprechung im französischen Arbeitsrecht. Das war ziemlich herausfordernd, weil ich bald merkte, dass französische Literatur zu meinem Thema in Deutschland mühsam aufzutreiben war. Relativ schnell fand ich aber einen deutschsprachigen Aufsatz im Internet. Den Aufsatz hatte eine Anwältin verfasst, die in einer Kanzlei in Paris arbeitete. Ich war begeistert und schrieb die Anwältin an. Ich schilderte ihr meine Situation und bat sie, mir einige Quellen zu nennen, die mir weiterhelfen könnten. Ihre Antwort war prompt und alles andere als erwartet. Sie lud mich nicht nur kurzerhand in ihre Kanzlei ein, in der ich alle französischen Datenbanken nutzen und auf ihre mehrere Aktenordner umfassende Stoffsammlung für den Aufsatz zugreifen konnte. Sie stellte mir auch noch einen Kontakt zu dem französischen Richter am höchsten Arbeitsgerichtshof her, der die Rechtsprechung, über die ich schrieb, maßgeblich geprägt hatte. So weit so gut. 

Bereits zu diesem Zeitpunkt konnte ich mein „Glück“ kaum fassen und machte mich kurze Zeit später munter daran, in der Pariser Kanzlei zu recherchieren und die vorhandenen Quellen zu sichten.

Fragen bringt dich weiter 

Aber damit nicht genug. Nachdem ich wieder zurück nach Deutschland gekommen war, kontaktierte ich den französischen Richter. Wie bereits zuvor, schrieb ich in kurzen Worten, worum es in meiner Arbeit gehen wird und fragte keck nach einem Interview mit ihm, um Genaueres zu meinem Thema zu erfahren. Zugegebenermaßen erwartete ich diesmal keine Antwort – auf einen Versuch wollte ich es aber allemal ankommen lassen. Deshalb war ich ein weiteres Mal ganz baff, als mir der Richter ein paar Wochen später einen Interviewtermin vor Ort am Kassationsgerichtshof, also dem höchsten Arbeitsgericht in Frankreich, vorschlug. Einige Monate später war ich wieder in Paris und führte mit ihm ein Interview. Und nicht nur das – anschließend erhielt ich auch noch eine kurze Führung durch die Räumlichkeiten des Kassationsgerichtshofs. Ein tolles Erlebnis.

Elf Monate nach meiner ersten E-Mail an die französische Anwältin konnte ich meine Doktorarbeit einreichen – unmöglich, wenn ich mühsam Literatur aus Frankreich hätte auftreiben müssen. Bis heute kann ich es nicht glauben, was diese eine E-Mail damals angestoßen hat. Immer noch pflege ich Kontakt zu meinen beiden Unterstützern, die mir ohne Gegenleistung einfach geholfen haben. Und das nur, weil ich gefragt habe.

Fragen kostet nichts 

Diese Erlebnisse haben mich sehr geprägt. Sie haben mir gezeigt, wieviel zurückkommen kann, wenn man sich traut mutig auf Leute zuzugehen. Natürlich habe ich in der Vergangenheit häufig auch die Erfahrung gemacht, dass ich auf meine Anfragen keine oder eine negative Reaktion erhalten habe. Die Regel war das aber nicht. Deshalb: Fragen und um Hilfe bitten kostet nichts, vielleicht auch deshalb, weil niemand alles wissen und sich immer selbst helfen kann. Deshalb springt über euren Schatten und traut euch– es öffnen sich mehr Türen durch mutiges Fragen als Ihr denkt!


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