Foto: Frederike von Mirbach

Friederike von Mirbach: „So kalt habe ich mir die Welt der Wirtschaft gar nicht vorgestellt“

Mut zum Neuanfang: Wie Friederike Freifrau von Mirbach ihren Schauspielerberuf an den Nagel hängte, um in die Wirtschaft zu wechseln. Heute ist sie als Berufscoach für Führungskräfte erfolgreich.

 

Warum nicht einfach mal… den Neuanfang wagen?

Friederike Freifrau von Mirbach ist nach jahrelangem Erfolg auf Bühnen und im Fernsehen, in die Welt der Wirtschaft gewechselt. Heute ist sie Elite-Coach für Kommunikation und Auftritt mit Wirkung. „Das war ein sehr schwieriger Weg für mich, aber ich bin ungemein froh, dass ich ihn gegangen bin“, sagt sie: „Im Nachhinein bin ich für alles sehr dankbar.“

Den Start in ihr zweites Berufsleben hat die zweifache Mutter im Jahr 2010 mit der Ausbildung zum Business Coach begonnen. Heute berät sie Vorstände, Unternehmer, Führungskräfte und High-Potentials namhafter deutscher und internationaler Unternehmen, wie etwa die Bahn AG, Schaeffler AG, Capgemini zählen heute zu ihren Kunden. Darunter auch immer mehr Frauen, deren Anteil in Führungspositionen kontinuierlich zunimmt.

Mit Angelika Gruber hat sie darüber gesprochen, wie man am besten vorgeht, wenn man seinem Leben noch einmal eine neue Richtung geben möchte und welche Hürden sie mit ihren Klienten überwinden muss.

Frau von Mirbach, warum haben Sie von der Schauspielerei in die Wirtschaft gewechselt?

„Ich habe die Zeit als Schauspielerin auf der Bühne und im Fernsehen sehr genossen. Aber als Mutter von zwei kleinen Kindern und einem Mann, der in einer neuen Stadt am Theater arbeitet, war das für mich mit dem Familienleben nicht mehr zu vereinbaren. In dieser Zeit habe ich mich daher beruflich neu orientiert. Mit dem Coaching hat sich für mich eine perfekte Möglichkeit ergeben, wie ich von meiner wissenschaftlichen Ausbildung ebenso profitieren kann wie von meinen Erfahrungen als Schauspielerin. Ich bin damals oft an meine persönlichen Grenzen gestoßen und habe etliche Male gedacht, ich schaffe das jetzt alles nicht mehr: Familie, Kinder, Schule, Umzug und zugleich meine neue berufliche Herausforderung, der Aufbau eines Unternehmens. Aber ich bin für alles ich im Nachhinein wahnsinnig dankbar. So konnte ich Stück für Stück über meine Grenzen hinauswachsen.“

Was hat der Wechsel noch bewirkt?

„In den letzten Jahren habe ich sehr viel über mich gelernt und lerne auch heute noch ständig dazu. Das ist mir persönlich besonders wichtig – ich bin offen für Veränderungen und will mich auch weiterentwickeln.
Was ich dabei lernen musste: Nicht immer die Frage zu stellen, ob ich die neue Herausforderung überhaupt schaffen, sondern wie ich das Problem am besten lösen kann. Mit der richtigen Einstellung gibt es aus meiner Sicht immer eine Lösung! Dazu gehört Hilfe und Unterstützung von außen anzunehmen.“

Was war für Sie die größte Herausforderung in Ihrem neuen Job?

„Ich bin ein absoluter Gefühlsmensch und bin es gewohnt, meine Gefühle auch zum Ausdruck zu bringen. Als Coach und Kommunikationstrainer von Führungskräften in großen Konzernen blicke ich ja

hinter die Kulissen. Die emotionale Seite wird in der Wirtschaft sehr stark vernachlässigt, Gefühle werden meistens versteckt, Kommunikation und Führung auf persönlicher Ebene kommen oft zu kurz.
Besonders Frauen haben es da schwer. Sie passen sich oft den Männern an und verbiegen sich, um Anerkennung zu bekommen. Aber kompetent zu sein allein, reicht bei Weitem nicht aus, um erfolgreich zu sein.“

Was würden sie diesen Frauen denn mitgeben?

„Ich möchte den Frauen Mut machen, wieder auf ihre weibliche Intuition zu vertrauen, Druck und Stress als etwas Positives zu empfinden und mutig zu sein, neue Dinge zu wagen – jenseits der persönlichen Komfort-Zone. Dabei müssen oft persönliche ‚Handbremsen’, alte Denkmuster und Glaubenssätze gelöst werden. Ich zum Beispiel habe immer noch Sätze meiner Mutter im Ohr wie: ‚Sei ein braves und bescheidenes Mädchen, sonst mag dich niemand’ oder ‚Wie du aussiehst, wenn du schreist?’ – dabei habe ich gar nicht geschrien, sondern nur meine Meinung gesagt. In meinen Trainings übe ich mit den Frauen über ihren Schatten zu springen, wieder authentisch und selbstbewusst aufzutreten. Oft sind die Frauen selbst überrascht, wie das nach ein paar Übungen in einem geschützten Rahmen, mit ein paar einfachen Tipps sofort viel besser klappt und ihre Ausstrahlung gleich eine ganz andere ist.“

Und wie gehen Sie mit dem Spagat zwischen Beruf und Familie um?

„Ich kenne die dreifache Herausforderung als engagierte Frau im Job: fachliche Kompetenz beweisen, dabei ‚meine Frau’ neben zahlreichen Männern zu stehen und obendrein noch das Familienleben zu meistern. Das ist ein enormer Druck. Deswegen kann ich die Situation vieler Frauen sehr gut nachvollziehen. Auch ich muss immer wieder mutig sein und über mich hinaus wachsen.“

Was ist Ihr Erfolgsrezept für einen überzeugenden Auftritt?

„Es gibt nicht das eine Erfolgsrezept, sondern für jeden das eigene. Es sind viele individuelle Zutaten, die je nach Typ und je nach Situation des Auftritts gemischt werden. Wichtig ist in jedem Fall: eine gründliche Vorbereitung, die Präsenz der Stimme, der Einsatz des Körpers und das Vertrauen in die eigenen Stärken. So schaffen sie Begeisterung und Überzeugung.“

Was macht Ihnen in Ihrem neuen Beruf am meisten Spaß?

„Ich liebe es mit Menschen zu arbeiten und sie voranzubringen. Beim Schauspiel wie in der Wirtschaft geht es darum: Wie will ich wirken, was will ich bewirken? Der gezielte Einsatz von Emotionalität heißt die Kombination von Zielorientierung und Emotion. Wie jeder und jede seine persönliche Wirkung auf andere steuern kann, steht auch in meinem neuen Job im Mittelpunkt. Die Themen sind wahnsinnig abwechslungsreich und sehr unterschiedlich – ähnlich wie in meinem Schauspiel-Leben. Und ich kann mich dabei weiterhin ständig fachlich und persönlich weiterentwickeln. Ich bin sehr dankbar, immer wieder mit neuem Mut aus meiner Komfortzone heraus Neues wagen zu dürfen. Gleichzeitig bin ich froh, meine Termine selbst zu steuern und so mehr wertvolle Zeit mit meiner Familie zu verbringen.“

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