Foto: makerist

So gelingt die Zusammenarbeit zwischen Gründerin und Investorin

Wie arbeiten Gründer und Investoren wirklich zusammen? Amber Riedl von Makerist und Romy Schnelle vom High-Tech Gründerfonds haben uns erzählt, wie sie zueinander gefunden haben.

 

Gründerin und Investorin als Team

Wie finden Investoren und Startups zusammen? Und wie merkt man eigentlich, dass man gut zusammen passt? Und den richtigen Investor gefunden hat?

High-Tech Gründerfonds Investorin Romy Schnelle und Makerist-Gründerin Amber Riedl haben auf den ersten Blick einen sehr unterschiedlichen Background und doch arbeiten sie für die Entwicklung von Makerist, einem Berliner Startup, das sich als Online-Handarbeitsschule bezeichnet, eng zusammen.

Amber Riedl ist gebürtige Kanadierin und kam 2004 nach ihrem Politik-Studium nach Berlin. Nach vier Jahren bei der NGO Transparency International, gründete sie 2008 ihr erstes Startup „1001 Hochzeiten“, aus dem später Foreverly entstand. Im Frühling 2013 lernte Amber Axel Heinz kennen, mit dem sie noch im gleichen Jahr Makerist gründete.

Romy Schnelle ist Investment Director beim High-Tech Gründerfonds und investiert in Startups aus den Bereichen Software und Digital Media. Die Medienwissenschaftlerin startete 2003 ihre Karriere als Business Development Managerin beim Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie. Gemeinsam mit Prof. Brandenburg, dem Erfinder des MP3-Players, gründete sie das Fraunhofer Spin-Off Iosono, in dem sie seit 2005 als Leiterin für Vertrieb und Operations tätig war, bevor Sie zum High-Tech-Gründerfonds wechselte. Mit ihren Erfahrungen im Business Development und Unternehmensaufbau unterstützt sie seit 2013 das Team von Makerist.

Wir haben mit den beiden über ihre Zusammenarbeit, das Kennenlernen und unterschiedliche Perspektiven gesprochen.

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Amber Riedl: „Der Klassiker: Axel und ich landeten 2013 für einen Pitch beim High-Tech Gründerfonds, bei dem Romy als Investment Director tätig ist. Wir waren sehr aufgeregt, aber erfolgreich.“

Romy Schnelle: „Genau, das war unser erstes Zusammentreffen. Aber viel wichtiger für eine wirkliche Einschätzung von Makerist und den beiden Gründern Amber und Axel waren die darauffolgenden persönlichen Gespräche und Diskussionen.“

Was war der ausschlaggebende Punkt, der euch überzeugte: Das sind die richtigen Kandidaten für mich?

Amber: „Bei dem Pitch hatten wir intern vereinbart, dass ich keine klassischen Arbeitszeiten haben würde. Ich war noch stark in mein vorheriges Startup Foreverly eingebunden und meine Kinder waren noch sehr klein. Ich wusste, dass es bei mir ein bisschen dauern würde, bis ich richtig eingespielt wäre. Mein Commitment zu Makerist habe ich aber von Beginn an stark betont. Und auch wenn sich schnell alles geregelt hat, war dieses Vertrauen von Romy nicht selbstverständlich.“

Romy: „Für uns ist volles Commitment des Gründerteams sehr wichtig. Nur ist eben nicht alles schwarz-weiß, sondern man muss verstehen, in welcher Gesamtsituation die Gründer stecken. So habe ich mit Amber und Axel einen Fahrplan mit Maßnahmen besprochen, wie und wann Amber voll einsteigen kann und wie sich das Gründerteam die Führungsverantwortung und die Aufgaben teilt. Damit haben wir es mit dem Zeitpunkt unseres Investments geschafft, dass Amber voll für das Unternehmen arbeiten kann.“

Ihr habt auf den ersten Blick einen sehr unterschiedlichen Background. Was ist euer gemeinsamer Nenner?

Amber: „Ganz klar: unsere Überzeugung, mit der Idee von den Nerv der weiblichen Zielgruppe zu treffen. Und damit die Fähigkeit, das Potenzial in ungewöhnlichen Themen zu entdecken. Ich hatte in meinem vorherigen Startup rund ums Thema Hochzeit schon lange gespürt, dass Selbermachen wahnsinnig an Relevanz gewinnt. Romy, du hattest keine direkten Berührungspunkte mit dem Thema Handarbeit – trotzdem hast du uns eine Chance gegeben.“

Romy: „Ich sag mal so: ich habe meine kreative Seite noch nicht entdeckt. Ich wäre aber auch kein guter Investment Professional, wenn ich von mir auf andere schließen würde. Amber und ihr Gründungspartner Axel bringen sehr relevante Erfahrungen mit, hatten eine klare Strategie und bereits auf verschiedenen Ebenen sichtbare Erfolge für Makerist zu verzeichnen. Ich habe mich im Markt umgehört, internationale Player unter die Lupe genommen und die Positionierung analysiert. In den Diskussionen konnte ich mich von der gemeinsamen Vision und der Umsetzungskompetenz beider Gründer überzeugen. Das hat zunächst mich und letztlich den HTGF für ein Investment überzeugt.“

Und worin unterscheidet ihr euch besonders?

Amber: „Ich habe einen sehr persönlichen Bezug zu unserem Metier. Nicht umsonst verantworte ich das Produktionsteam für die Video-Kurse und hauche dem Unternehmen Charakter ein.

Romy: „Aufgrund meiner Rolle habe ich eher die strategische Brille auf und die Wertentwicklung im Auge.“

Gründer schweigen sich oft aus, wenn es um die Beziehung zu ihren Investoren geht, dabei ist das eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Wie kann man die Beziehung zwischen Gründerin und Investorin vertrauensvoll gestalten?

Amber: „Nehmt euch Zeit für einen guten Businessplan, bleibt transparent und aufgeschlossen. Investoren liefern Geld, aber können euch auch mit wertvollen Tipps und Kontakten unterstützen. Ein reger Austausch ist deshalb nur von Vorteil.“

Romy: „Ich selbst habe zusammen mit Fraunhofer und dem MP3-Erfinder Prof. Dr. Brandenburg ein Unternehmen gegründet, kenne also die Herausforderungen des Unternehmensaufbaus aus eigener Erfahrung und interessiere mich dafür. Wahrscheinlich dadurch finden wir immer wieder schnell die gemeinsame Basis zur wertstiftenden Diskussion. Eine offene und professionelle Beziehung zwischen Gründern und Investoren ist ein Erfolgsfaktor für den Unternehmensaufbau, eine gute geschäftliche Entwicklung und damit auch die Basis für einen erfolgreichen Exit.“

Habt ihr Unterschiede in eurer Zusammenarbeit und der Arbeit mit männlichen Kollegen wahrgenommen?

Amber: „Ganz ehrlich nicht wirklich. Ich freue mich allerdings, nicht als einzige Frau am Tisch zu sitzen. Und Romy ist ein gutes Role Model, denn es gibt noch deutlich weniger weibliche Investoren als Gründerinnen.“

Romy: „Darüber mache ich mir keine wirklichen Gedanken. Am Ende des Tages werden Entscheidungen faktenbasiert getroffen, unabhängig davon, mit wem man zusammenarbeitet. Natürlich ist es eine Tatsache, dass es sehr wenige Unternehmerinnen im Startup-Umfeld gibt. Unsere Erfahrungen mit Unternehmerinnen – auch in gemischten Gründerteams – sind durchweg positiv. Ich persönlich freue mich, wenn Frauen den Mut haben zu gründen und für ihre Idee einstehen.“

Was macht eure gemeinsame Arbeit für euch besonders wertvoll?

Amber: „Romy macht ihre Arbeit super, weil sie uns seit 2013 nie vom Radar verloren hat. Sie interessiert sich für das große Ganze, kann dank ihrer Erfahrung im Business Development und bei den typischen Wachstumsherausforderungen von Startups auf vielen Ebenen Input geben.“

Romy: „Vielen Dank für die Blumen, Amber. In erster Linie bringe ich Amber und Axel Vertrauen entgegen. Basis dieses Vertrauens ist die gute geschäftliche Entwicklung und die offene und transparente Kommunikation in beide Richtungen.“


Mehr bei EDITION F

Jennifer Browarczyk: „Man hat als junges Unternehmen ein halbes Jahr Zeit, sich zu beweisen“. Weiterlesen

Warum wir mehr weibliche Investoren brauchen. Weiterlesen

Essi und Rasa: Handwerkerinnen der Zukunft. Weiterlesen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

About Zeen

Power your creative ideas with pixel-perfect design and cutting-edge technology. Create your beautiful website with Zeen now.

Weitere Beiträge
Die Bauchtänzerin, von Safeta Obhodjas