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Katharina: „Flexible Arbeitsmodelle erhöhen die Produktivität, die Kreativität und die Motivation“

Flexible Arbeitsmodelle erscheinen häufig als Luxus. Dabei schaffen sie eine Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer – aber nur, wenn man es richtig macht. Was es hier für Möglichkeiten gibt und wie sie sich auswirken, hat uns Katharina Schiederig erzählt.

 

Flexible Arbeitsmodelle bringen die Gleichberechtigung voran!

Work-Life-Balance – wir alle haben uns mit diesem Thema schon mehrfach auseinandergesetzt, erfahren es im Alltag und versuchen immer wieder aufs Neue, die perfekte Balance zwischen Privatleben und Arbeitsplatz zu finden. Wie viel Arbeit darf ich mit nach Hause nehmen, wie viel zu Hause mit zur Arbeit? Sogenannte softe Faktoren werden bei der Arbeitgeberwahl immer wichtiger, genauso wie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dr. Katharina Schiederig ist Expertin für flexible Arbeitsmodelle, sie arbeitet bei der EAF Berlin und forscht zum Thema ‚Flexship: Flexible Arbeitsmodelle für Führungskräfte‘  und hat uns im Interview ein paar Fragen dazu beantwortet.

Was bedeutet „flexibel arbeiten” – welche verschiedenen Modelle gibt es?

„Flexibel Arbeiten kann heißen, dass man entweder die Zeit oder den Ort der Arbeit flexibilisiert. Arbeit kann also nicht nur am festen Schreibtisch im Büro stattfinden, sondern auch als Telearbeit im Home Office, im Café, im Coworking Space oder auf Dienstreisen. In Bezug auf flexible Arbeitszeiten lässt sich nochmal die Flexibilisierung ihrer Lage und ihres Umfangs unterscheiden. Modelle sind z.B. reduzierte Vollzeit, Jobsharing, Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit, ROWE oder Sabbaticals.“

Warum ist das gerade heute so wichtig für Arbeitnehmer und Unternehmen? Wo liegen die Vorteile und wo die Herausforderungen?

„Mit der Digitalisierung und Globalisierung verändert sich unsere Arbeitswelt rasend schnell. Die technische Vernetzung macht flexibles und mobiles Arbeiten heute natürlich viel einfacher möglich und auch notwendig. Wir haben herausgefunden, dass flexible Arbeitsmodelle die Produktivität, Kreativität und Motivation von Beschäftigten erhöhen. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter/innen steigt, wenn die Work-Life-Balance ausgeglichen ist und neben der Arbeit noch Raum für Anderes ist. Damit wird ein Arbeitgeber attraktiv, gerade für die jüngere Generation Y, für die ‚softe‘ Faktoren bei der Arbeitgeberwahl immer wichtiger werden. Das sind natürlich gute Gründe für Unternehmen, auf die Nachfrage nach Teilzeit, Jobsharing oder Homeoffice auch einzugehen. Mal davon abgesehen, dass diese Maßnahmen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und damit die Gleichberechtigung von Frauen und Männern verbessern. Ein großes Problem ist allerdings, dass insbesondere eine Reduzierung der Arbeitszeit oft negative Effekte auf die Karrierechancen hat.“

Könnte sich jeder solche Modelle zu nutzen machen oder gibt es einen bestimmten Punkt in einer Karriere, an dem man darüber besonders nachdenken sollte?

„Grundsätzlich ist flexibles Arbeiten für alle Frauen und auch Männer relevant! Je nach Lebensphase haben vielleicht bestimmte Freizeitaktivitäten einen hohen Stellenwert, ein ehrenamtliches oder politisches Engagement oder ich merke, dass ich Zeit für mich brauche, um nicht in den Burnout zu rutschen. Klassische Momente sind natürlich die Rückkehr nach der Elternzeit oder pflegebedürftige Angehörige. Flexible Arbeitsmodelle bieten eine Chance für partnerschaftliche Teilung der Kinderbetreuung, wenn z.B. beide Elternteile auf 30 Wochenstunden reduzieren. Wir haben in unserer Studie Frauen und Männer in unterschiedlichen Lebensphasen befragt, die flexibel arbeiten, und wenn die Rahmenbedingungen stimmen, empfehlen die meisten ihr Modell unbedingt weiter!“

Wie bist du mit dem Thema in Berührung gekommen – gab es dafür einen ausschlaggebenden Punkt in deinem Leben oder deiner Karriere?

„Ich beschäftige mich seit meinem Studium und vor allem der Doktorarbeit intensiv mit Fragen von Arbeitsbedingungen, Personalpolitik und den Auswirkungen auf die Chancen von unterschiedlichen Personengruppen, insofern fand ich Arbeitszeitgestaltung immer schon spannend, weil sie starke Auswirkungen auf unsere Lebensqualität hat. Persönlich wichtig wurde es für mich ganz klassisch nach der Geburt meiner zwei Kinder, als ich merkte, dass wir viel Flexibilität brauchen, um genügend Zeit für die Bedürfnisse aller Familienmitglieder zu haben und auch für Unvorhergesehenes, wie Kinderkrankheiten.

Daher war es für mich besonders spannend, als ich für die EAF Berlin im letzten Jahr das Forschungsprojekt ‚Flexship: Flexible Arbeitsmodelle für Führungskräfte‘ durchführen konnte – aufbauend auf meinen persönlichen und fachlichen Erfahrungen.“

Nach welchen Arbeitsmodellen arbeitest du persönlich und warum funktioniert das für dich so gut?

„Ich arbeite seit fast fünf Jahren für das Beratung- und Forschungsinstitut EAF Berlin – Diversity in Leadership. Mein Modell ist ein Kombi-Modell: ich arbeite in 30-Stunden-Gleitzeit mit einem festen Home Office-Tag pro Woche. Man muss dazu sagen, dass ich damit bei der EAF in guter Gesellschaft bin, hier arbeiten fast alle Kolleg/innen in flexiblen Modellen. Durch die reduzierte Arbeitszeit bin ich nachmittags flexibel, um häufig meine Kinder von der Kita abzuholen. Die Tätigkeit im Home Office ermöglicht es, konzentriert an einem bestimmten Projekt zu arbeiten. Es ist so, dass wir durch unsere Beratungen und Trainings einige Dienstreisen haben und die Arbeitszeit gleichen wir dann an anderer Stelle wieder aus. Das, was wir in der EAF anderen Organisationen empfehlen, leben wir auch selber!“

Gibt es etwas, das dich dabei überrascht hat? Etwas, womit du nicht gerechnet hast?

„Ich bin eigentlich jedes Mal wieder überrascht, wie produktiv ich im Home Office bin. Da arbeite ich einfach viel schneller und konzentrierter. Gerade die Mischung macht’s: die konzentrierte Arbeit zu Hause, der Austausch im Team und die fokussierte Präsenz beim Kunden – diese Flexibilität ist für mich ideal.“

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