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„Ohne Homeoffice wäre ich im Burn-out gelandet“

Die Homeoffice-Pflicht für Unternehmen wurde aufgehoben. Viele Arbeitgeber*innen wollen, dass ihre Beschäftigten ins Büro zurückkommen. Aber wollen die wirklich zurückkehren? Das sind eure Erfahrungen im Homeoffice – gute und schlechte.

Keine Staus, Mittagessen vor dem Fernseher, Teammeetings in Jogginghose, nervende Nachbarn, laute Kinder, keine Kolleg*innen für eine gemeinsame Pause, aber auch: Schutz vor dem Corona-Virus in den eigenen vier Wänden – all das könnte jetzt vorbei sein. Am 1. Juli endete die Homeoffice-Pflicht für Unternehmen. Lange Zeit sträubten sich Unternehmen gegen die Verpflichtung zum Homeoffice. Ihre Mitarbeiter*innen vom Büro aus arbeiten zu lassen, bedeutet für viele von ihnen vor allem eins: größtmögliche Kontrolle. Dank dem Homeoffice lag die Kontrolle über das eigene Arbeiten nun auch verstärkt bei den Arbeitnehmer*innen: sie konnten Pausen so einteilen, wie es für sie am besten war, länger schlafen, weil Arbeitswege entfielen, sie konnten in der Mittagspause Sport machen oder ein Nickerchen auf der eigenen Couch machen.

Während einige diese Freiheit genossen, fehlte anderen die Trennung von Beruf und Privatleben, sie vereinsamten oder konnten im Homeoffice überhaupt nicht arbeiten, weil sie neben der Erwerbsarbeit auch Care-Arbeit leisten und zum Beispiel parallel Kinder beschulen mussten. 50 Prozent der Berufstätigen in Deutschland arbeiten in Bürojobs und standen damit vor der Wahl von zu Hause aus zu arbeiten – Homeoffice ist, wie jedes Privileg, unfair. Doch in der Pandemie galt lange: Bleiben die einen zu Hause, schützen sie damit auch die anderen.

Homeoffice: Fluch oder Segen?

Mit steigenden Impfraten und sinkenden Inzidenzen wurde die Verpflichtung für Arbeitgeber*innen, Homeoffice zu ermöglichen, aufgehoben. Viele Chef*innen erwarten nun, dass Beschäftigte wieder ins Büro kommen.

Aber wollen die wirklich zurückkehren?

Genau das hat das Umfrageinstitut YouGov in einer repräsentativen Erhebung Ende Juni 1.731 Menschen gefragt. Das Ergebnis: So einige Menschen haben Gefallen am Homeoffice gefunden, nur 34 Prozent der deutschen Angestellten wollen wieder zurück ins Büro. Wir haben euch nach euren Erfahrungen im Homeoffice gefragt – und ihr habt gute und schlechte geteilt. Das Homeoffice ist für euch:

„Ein Segen, weil es mir ermöglicht, den Spagat zwischen Job und kleinen Kindern besser zu gestalten.“

„Eine Zeitersparnis, die ich für mich, meine Familie, Freund*innen und ausreichend Schlaf nutzen kann.“ 

„Das Homeoffice hat für mich als Rollinutzerin den Vorteil, dass es barrierefrei ist – und ich kann meist mehr kleine Pausen einlegen.“

„Ein Wunschtraum, denn als Office Managerin ist Homeoffice bei meinem Arbeitgeber nicht erwünscht.“ 

„Unterrichten in Bluse und Pyjamahose, Wäsche waschen in den Pausen, Fernsehen beim Mittag. Aber auch: Mich schlecht fühlen an Tagen, an denen ich dringend Menschen um mich herum bräuchte.”

„Safer Space und Ruheoase.“ 

„Gamechanger für ein zufriedeneres Leben.“

„Nicht existent! Und daher fühle ich mich in dieser Bubble oft nicht ,abgeholt‘.“

„Als stillende Mama ein Segen. Mein Mann und ich arbeiten beide 75 Prozent in Elternzeit. Dank Homeoffice.“

„Eine Möglichkeit mehr Stunden zu arbeiten und so als Alleinerziehende mehr Geld zu veridenen.“

„Der Druck fällt ab. Ich arbeite viel entspannter zu Hause als im Büro.“

„Der einklappbare Schreibtisch war eine Offenbarung. Seitdem klappt es mit der Abgrenzung.“ 

„Normalität. Ich arbeite selbstständig.“

„Nur mit extra Raum und ohne Kinder machbar.“

„Freiheit. Ich liebe es.“

„Mehr Zeit für die Familie. Aber weniger soziale Interaktion mit den Kolleg*innen.“

„Eine Möglichkeit trotz der Corona-Pandemie beruflich weiterzukommen (Pflichtpraktika etc.).“

„Ich liebe es über alles und will nie wieder ins Office zurück.“

„Ein Fluch. Alle meine Lebensbereiche verschwimmen. Work-Life-Balance scheint unmöglich.“

„Rückenschmerzen und fehlende Kolleg*innen – und gleichzeitig mehr Flexibilität.“

„Absolute Vereinsamung und eine mentale Abwärtsspirale.“

„Das Homeoffice ist für mich in der Pandemie ein sicherer Ort gewesen. Allerdings auch einer, der die Kommunikationsfähigkeit unseres Teams hart auf die Probe gestellt hat.“

„Soziale Isolation.“

„Als Introvertierte super, aber nur, wen ich zu Hause auch wirklich allein bin.“

„Einsamkeit und Frust.“

„Ein Fremdwort. In meinem Beruf nicht möglich.“

„Die Möglichkeit neben dem Studium ein Praktikum in einer anderen Stadt zu machen.“

„Ein echter Segen in der Frühschwangerschaft, gerade mit Übelkeit und Müdigkeit.“

„Als behinderter Mensch eine Möglichkeit mehr zu schaffen.“

„Was nicht durch Zoom und Co. zu erreichen ist: Präsenzlehre. Es so wichtig einen persönlichen Bezug zu den Studierenden zu bekommen und sich in einem ,echten‘ Raum zu sehen, über Ideen zu diskutieren und daran zu arbeiten.“

„Wir plädieren für eine Mischung aus Homeoffice, Büro und lokalem Coworking Space – vor allem für Pendler*innen. Und im Sinne der Nachhaltigkeit.“

„Homeoffice war und ist für mich ein Gamechanger. Ohne Homeoffice wäre ich früher oder später im Burnout gelandet.“

„Ich bin deutlich produktiver im Homeoffice und nehme mir bewusster Pausen. Im Büro fällt mir das viel schwerer, weil ich mich dort mehr unter Druck gesetzt fühle.“

„Als extrovertierter Mensch vermisse ich im Homeoffice den persönlichen Austausch, die kleinen Gespräche zwischendurch. Im Homeoffice bin ich zwar konzentrierter, vergesse aber die Pausen.“

„Homeoffice plus geschlossene Schulen & Kitas = Home-Nervenzusammenbruch.“

„Ich spare jeweils eine halbe Stunde für den Arbeitsweg, das ist Zeit, die ich für andere Dinge nutzen kann und nicht schon wieder hetzen muss, um meine Tochter aus der Kita abzuholen. Leider will mir mein Arbeitgeber es ab sofort nicht weiter ermöglichen, alle Mitarbeiter*innen müssen ins Büro zurückkehren.“

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Carmen Maiwald hat Bekleidungstechnik an der HAW in Hamburg studiert, um dort zu merken, dass sie neben der Kleidung vor allem die Geschichten dahinter interessieren. Bis Januar 2020 war sie Schülerin an der Deutschen Journalistenschule. Aktuell unterstützt sie die Redaktion von Edition F als freie Redakteurin.

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