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Natürlich können Frauen im MINT-Bereich Karriere machen – hier kommen wertvolle Tipps

Der MINT-Bereich ist nichts für Frauen? Rosa Meckseper beweist das Gegenteil – und hat einen wertvollen Tipp, wie man Karriere macht.

 

Frauen können alles

Rosa Meckseper, 39, hat in einer vermeintlichen Männerdomäne Karriere gemacht: erst in einer Unternehmensberatung mit dem Spezialgebiet Automobilindustrie – danach wechselte die studierte Bauingenieurin zum Technologie- und Dienstleistungsunternehmen Bosch. Dort ist Meckseper mit ihrem Team für das weltweite Marketing und die Strategie des Geschäftsbereichs Chassis Systems Control verantwortlich. Wir haben mit ihr über ihren Werdegang, Frauenkarrieren in technischen Berufen und ihre Erfahrungen als Alumna der Femtec, einem Netzwerk für MINT-Frauen, gesprochen. Meckseper sieht in Netzwerken einen wichtigen Türöffner für die berufliche Weiterentwicklung von Frauen in Führungspositionen.

Frau Meckseper, Sie arbeiten bei Bosch, davor waren Sie zehn Jahre bei einer Unternehmensberatung tätig. Wie hat sich Ihr Berufsweg ergeben – hatten Sie einen gezielten Plan oder sind Sie einfach „drauf los“?

„Ich hatte schon einen festen Plan: In die Unternehmensberatung wollte ich schon immer, weil ich einen Job haben wollte, der ein breites Spektrum an Themen abdeckt und gute Karriereperspektiven bietet. Als ich in der Beratung angefangen habe, habe ich mir gedacht, ich würde das jetzt zwei oder drei Jahre lang machen und dann in die Wirtschaft gehen. Aber dadurch, dass ich mich ständig weiterentwickeln konnte und mir das internationale Arbeiten Spaß gemacht hat, bin ich am Ende do zehn Jahre geblieben.”

Wie kam der Wechsel zu einem Unternehmen? 

„Der Auslöser war die Geburt unseres zweiten Kindes. In meinem Job als Unternehmensberaterin bin ich viel gereist und war oft lange weg. Also habe ich eine neue Herausforderung gesucht, die es mir ermöglicht, regelmäßig Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Dann bin ich auf das Unternehmen aufmerksam geworden, in dem ich exzellente Perspektiven entdeckte, Beruf und Privates gut zu kombinieren. Ich habe hier die Möglichkeit, an spannenden Automobilthemen mitzuarbeiten. Drei Megatrends – Elektrifizierung, Automatisierung, Vernetzung – finden im Auto statt.”

Wie kam der Kontakt zu Ihrem derzeitigen Unternehmen zustande? Welche Rolle spielte die Femtec?

„Wie für Berufserfahrene eher üblich, spielt bei mir mein Netzwerk eine entscheidende Rolle. Mir wurde die Tür im Grunde durch die Femtec geöffnet, ein Netzwerk, dem ich schon zu Studienzeiten beigetreten bin und das auch mein Unternehmen unterstützt. Von dieser Kooperation habe ich sehr stark profitiert, zunächst vom Careerbuilding-Programm, das ich durchlaufen habe, und in dem man auf Herz und Nieren auf den späteren Berufsweg vorbereitet wird. Später dann von der Vernetzung mit anderen berufstätige Frauen Femtec. Ein solches Netzwerk ist ein Türöffner, den man gezielt nutzen sollte. Darüber hatte sich dann auch der Kontakt zu meinem derzeitigen Unternehmen für mich ergeben.”

Gibt es für Frauen aus dem MINT-Bereich einen größeren Bedarf für gute Netzwerke als anderswo? 

„Ich persönlich bin der Ansicht, dass ein Netzwerk hilft, wenn man karriereorientiert ist – egal, ob man ein Mann oder eine Frau ist. Mich zum Beispiel hat in diesem Netzwerk zunächst das Careerbuilding-Programm gereizt, in dem man einfach sehr viel lernt. Meine Erwartungen wurden dann weit übertroffen: Mit den Frauen, mit denen ich da für zwei Jahre ganz intensiv zusammen war, habe ich zum Teil heute noch viel Kontakt. Man ist dort sehr offen und persönlich, obwohl man sich noch nicht lange kennt. Im MINT-Bereich sind Netzwerke und berufliche Kontakte unerlässlich, aber ich denke auch überall sonst. Deshalb engagiere ich mich zum Beispiel auch als Mentorin für junge Frauen, die in eine Führungsaufgabe streben.”

Was ist in Ihren Augen der Grund dafür, dass sich immer noch sehr wenige Frauen für die sogenannten MINT-Studiengänge interessieren?

„Ich denke, dass hier sehr viele unterschiedliche Gründe zusammenspielen. Die Erziehung, die Sozialisierung, aber auch einfach Unwissen. Ich wusste als Schülerin nicht, was ein Ingenieur oder ein Jurist ist. Bei mir war es das Interesse für Mathematik, das den Ausschlag gegeben hat. Mathematik war mein Leistungskurs im Abitur und auch meine erste Idee bei der Studienfachwahl. Aber meine Eltern, beide Architekten, haben von dem Studium abgeraten. So ist es dann Bauingenieurwesen geworden, quasi als Kompromiss zwischen Mathematik und Architektur. Ich denke, wenn man die Schülerinnen für die naturwissenschaftlichen und technischen Fächer begeistern will, muss man in die Schulen gehen und „Aufklärungsarbeit“ leisten. Mein Unternehmen ist in diesem Feld zum Beispiel ein Vorreiter, engagiert sich bereits in mehr als 300 Bildungskooperationen der Wissensfabrik mit Schulen und Kindergärten in Deutschland.”

Und wie kam dann der Schritt wiederum weg von der Technik hin zur Unternehmensberatung? 

„Während des Studiums habe ich insgesamt 36 Wochen Fachpraktika auf der Baustelle gemacht. Aber ich habe auch nach links und rechts geschaut, was es noch Interessantes gibt. So kam ich in die IT und zur U-Bahn in Tokyo, zur LKW-Produktion in Brasilien. Ich fand alles total spannend. Das Consulting bietet einen Einblick in viele Industrien: Ich war im Kernkraftwerk bei Rückbauprojekten, ich war auch bei einem Tourismus-Dienstleister. Um diese Vielfalt zu erhalten, wollte ich dann auch lange Unternehmensberaterin bleiben.”

Ihr Mann macht Karriere als Banker in Frankfurt, Sie bei Bosch. Sie haben zwei gemeinsame Kinder. Wie geht das?

„Bei uns geht das, weil wir ein funktionierendes Netzwerk für die Kinderbetreuung und den Haushalt haben. Das ist wie bei vielen berufstätigen Eltern. Wenn beide voll arbeiten, müssen sich beide auch Haushalt und Kinder teilen. Mein Mann hat momentan eben die Möglichkeit, dass er morgens und abends die Kinder sieht, ich dafür mehr am Wochenende. Für dieses Modell haben wir uns entschieden.”

Kam es damals für Sie in der Beratung in Frage, Teilzeit zu arbeiten?

„Grundsätzlich konnte ich es mir vorstellen. Jedoch bot es sich nicht für jede Aufgabe an. Ich war jedes Mal nach der Elternzeit in Teilzeit zurückgekommen, aber in meinen damaligen Jobs als Unternehmensberaterin musste ich für Kunden jederzeit erreichbar und verfügbar sein. Und deshalb bin ich auch jedes Mal sehr schnell wieder in ein Vollzeit-Modell gewechselt. Bei meinem heutigen Arbeitgeber ist das anders: Hier werden berufliches und privates Engagement gleichermaßen geschätzt, Teilzeit und flexible Arbeitsmodelle sind selbstverständlich – auch für Führungskräfte.”

Gibt es etwas, was sie Frauen, die gerade ihr Studium abschließen, auf jeden Fall raten würden?

„Es ist immer die Frage, wo die Prioritäten liegen. Aus meinem alten Femtec-Netzwerk zum Beispiel machen ja auch viele einen eher geregelten Job, manche promovieren an einer Hochschule, sind in Projekte eingebunden, in Startups eingestiegen oder den direkten Weg ins Großunternehmen gegangen. Für mich war die Unternehmensberatung der erhoffte Karrierekatalysator. Man lernt dort, welche Möglichkeiten man hat, aber man muss das natürlich auch wollen. Wenn man gezielt Karriere machen möchte, helfen internationale Erfahrung im CV, gute Referenzen, gute Netzwerke und man sollte Lust haben, früh Verantwortung zu übernehmen.” 

Rosa Meckseper: Ingenieurin, Consultant, Vice President, Mutter und Ehefrau. (Quelle: privat)

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