Foto: Milada Vigerova – Unsplash

Her mit den tollen Tinder-Männern!

Ist Online-Dating wirklich so schlimm? Unsere Community-Autorin schreibt über ihre Erfahrungen mit Männern auf Tinder.

 

Online-Dating im Test

Auf Tinder tolle Männer kennenlernen? Ich war da auch sehr skeptisch. Aber nachdem auf „analogem“ Weg so gar nichts passierte, beschlossen zwei Freundinnen und ich im letzten Sommer das ganze Mal zu testen. Am Anfang war es vor allem ein Riesenspaß und es hatte teilweise etwas von einer Freakshow, wie EDITION F-Redakteurin Teresa hier beschrieben hat. Wir schickten uns die besten (also schlimmsten) Bilder und Texte und verbrachten ganze Tage nebeneinander, während wir Männer weg „wischten“.

Dann matchte ich mit O. 

O war so alt wie ich, wohnte sogar noch um die Ecke, war klug, lustig und ich verliebte mich sofort in seine Nachrichten. Ohne Tinder hätten wir uns wahrscheinlich nie getroffen. Da er im Krankenhaus arbeitete, fuhr er morgens um sieben Uhr zur Arbeit und kam um vier Uhr nachmittags wieder nach Hause. Ich fange frühstens um neun an zu arbeiten, bin dann aber auch selten
vor 19 Uhr wieder fertig. Kurzum: Für knappe drei Monate waren wir
zusammen, glücklich und der Dating-App sehr dankbar. Aber langsam fing es dann an, O. wollte keinen Sex mehr, redete nicht über seine Gefühle und wurde immer verschlossener. Telefonierte dafür drei Mal am Tag mit seiner Mutter und legte andere Verhaltensweisen an den Tag, die ich einfach nur sonderbar fand. Beziehungsunfähig? Oder einfach nicht genug Gefühle für mich?

Beziehungsfähig … ja, aber nur für ein paar Wochen

Interessanter Weise machten meine Freundinnen ähnliche Erfahrungen. Steffi traf sich mit jemandem, der ihr bei Treffen Nr. 3 seine Liebe gestand, nach drei Wochen dann aber feststellte, dass es wohl doch nicht passte. 

Bei Nina lief es ähnlich, ihr Tinder-Match schickte ihr die tollsten Nachrichten und Gedichte, nachdem sie dann nach einigen Wochen aber gerne mal etwas verbindlicher die Treffen mit ihm planen wollte als immer nur spontane Begegnungen auf Zuruf, brach der Kontakt von heute auf morgen ab.

Klar, sowas kann einem im normalen Leben auch passieren, aber ich glaube schon dass sich auf Tinder (und ähnlichen Portalen) besonders viele Kandidaten tummeln, die nicht wissen, wie Beziehung eigentlich funktioniert, was sie wollen oder sich immer noch eine Alternative offen halten wollen. Ist ja auch so einfach.

Eine Dating-Option unter vielen

Nachdem die O-Sache beendet war, wischte ich auch wieder. Mehr aus Langeweile und zum Ablenken, aber es ist tatsächlich ein guter Zeitvertreib. Und ich lernte auch interessante Männer kennen. Einen aus Jersey, der sich
auch nicht so festlegen mag, einen Musiker und zwei oder drei andere, denen ich so auf der Straße wahrscheinlich nicht begegnet oder mit ihnen ins Gespräch gekommen wäre. Danach machte ich eine Pause von der App.

Nach ein paar Wochen installierte ich sie wieder, rein aus Neugier. Als erstes ploppte O. auf, dann auch einige andere bekannte Gesichter aus meinem ersten Versuch letztes Jahr. Bezeichnend? Aber ich bin ja auch wieder dabei. 

Mit Tinder ist es wahrscheinlich nicht anders als in der Bar oder im Büro. Man kann tolle Männer kennenlernen, solange man durch die ganze Auswahl und die Freude am Spiel nicht den Blick fürs Wesentliche verliert. Und das gilt für das Gegenüber natürlich genauso.

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