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Wie hält man gute Mitarbeiter? Diese Führungsskills helfen

Engagierte und gute Mitarbeiter sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Unternehmenszukunft. Wenn man sie gewinnen will, braucht man diese Führungsskills.

 

Mitarbeitergewinnung und -bindung: so populär wie nie

Märkte, Kunden und das Wettbewerbsumfeld ändern sich stetig.
Neue Technologien verändern das Arbeiten in allen Branchen. Zeitgleich
berichten Medien von Fachkräftemangel, Schulungsbedarf, einer
höheren Fluktuation in Unternehmen, neuen Bedingungen für die
Mitarbeitergewinnung durch ein neues Selbstbewusstsein der begehrten Generation Y

Ich bin keine Human-Ressources-Spezialistin, keine Sozialwissenschaftlerin und auch keine Führungs- und Managementexpertin. Oder was es noch so gibt, um mich objektiv für dieses Thema zu qualifizieren. Ich bin Arbeitnehmerin (gewesen). Ich war zehn Jahre in einem großen Familienunternehmen angestellt. Als junge, engagierte Mitarbeiterin habe ich letztes Jahr beschlossen, dass ich in diesem Unternehmen meine beruflichen Ziele nicht erreichen kann und dass ich meine Fähigkeiten lieber anders einsetzen möchte. Dort wo sie Ihren Wert entfalten können. Doch das muss nicht passieren. Ich bin mir sicher, diejenige (oder derjenige), die seine Führungsaufgaben gewissenhaft ausführt und ernst nimmt, wird mit treuen und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern belohnt. 

Was hätte mich gehalten? 

Warum also habe ich die Entscheidung getroffen, mein Unternehmen zu verlassen? Was hätte dazu führen können, dass ich bleibe? Was ist mir an einem Arbeitgeber wichtig? Und welche Informationen bräuchte ich im Vorhinein, damit mich ein potentieller Arbeitgeber zu einer Bewerbung animiert? Diese Fragen habe ich mir gestellt und daraus einige hilfreiche Tipps für Arbeitgeber abgeleitet. 

1. Nimm den Entwicklungswunsch deines Mitarbeiters ernst und sieh‘ es als Chance, dein Unternehmen weiterzuentwickeln

Ich habe bei meinem ehemaligen und ersten Arbeitgeber versucht, an der Optimierung einiger Abstimmungsprozesse im Unternehmen zu arbeiten. Bis auf den Zuspruch, dass meine Vorschläge und Ideen wirklich gut sind, habe ich aber keinerlei Unterstützung erfahren. Was dazu führte, dass beim Versuch der Umsetzung die Arbeitsbelastung exponentiell stark anstieg, sodass ich sie nicht ausreichend bewältigen konnte, um den Plan wirklich umsetzen zu können. Durch die fehlende Unterstützung fühlte ich mich gebremst, teils ausgenutzt und nicht wertgeschätzt. Frust kam auf und der Wunsch mein Engagement woanders einzusetzen.

Was heißt das für dich? 

Ich bin der festen Überzeugung: gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen sich entwickeln. Wenn sie sich deinem Unternehmen zugehörig fühlen, versuchen sie das, indem sie nach Potenzial in deinem Unternehmen suchen. Entschuldige, aber wie genial ist das denn bitte? Da kann dein Unternehmen doch nur von profitieren. Um diese Vorteile zu nutzen, solltest du diesen Entwicklungsmöglichkeiten Raum geben und sie unterstützen. 

Tust du es nicht, verlierst du die besten Talente. Und das kann für dein Unternehmen unangenehme Folgen haben. Denn eine Neubesetzung ist auch wieder mit Zeit- und Geldressourcen verknüpft. Führung, Wertschätzung und Unterstützung sind hier die geforderten Maßnahmen deinerseits. Schätze deine Mitarbeiter wert, indem du ihre Ideen ernst nimmst, sie anhörst und ihnen ehrliches Feedback gibst. Führe sie, indem du ihnen klar machst, auf welche Parameter sie achten sollen.

Hast du gerade keine Mittel, für weitere personelle Unterstützung? Gibt es momentan keine zeitlichen Ressourcen, um Veränderungen sofort anzugehen? Kannst Du gerade nicht in neue Software investieren? Dann gib deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ehrliches Feedback. Ermutige und unterstütze sie, Lösungen im Team zu finden, Alternativen zu suchen, oder Geduld aufzubringen. Und stärke Ihnen dabei den Rücken. Sei ehrlich und halte sie nicht hin. Die meisten Mitarbeiter werden Verständnis zeigen und dankbar für deine Ehrlichkeit sein. 

2. Schätze die Arbeit und die Person wert und gib Feedback

Eng verwoben mit der Unterstützung deiner Mitarbeiter ist auch deine Wertschätzung und dein Feedback ihnen gegenüber. Engagierte Mitarbeiter arbeiten für deinen Unternehmenserfolg. Das sollte dir bewusst sein. Sie möchten sicher sein, dass du ihren Beitrag siehst und ihnen auch zielgerichtet Feedback geben kannst. Sowohl, wenn ein Problem auftaucht, als auch, wenn Erfolge erzielt wurden oder ein Projekt abgeschlossen wurde.

Wenn sie das Gefühl haben, dass dich nicht interessiert, was sie tun, du gar nicht darüber Bescheid weißt, dann verlieren sie das Vertrauen in deine Aussagen und in deine Bewertungskompetenz. Außerdem fühlen sie sich dadurch weniger als Teil des Ganzen und weniger wertgeschätzt.

Gute Mitarbeiter werden diesen Zustand nicht akzeptieren. Die Frage ist dann nicht, ob sie sich von deinem Unternehmen trennen, sondern nur noch wann. Hinzukommt, dass Mitarbeiter, die das Zugehörigkeitsgefühl zu ihrem Arbeitsplatz verloren haben, auch ihre Leistungsbereitschaft einbüßen. Dienst nach Vorschrift ist die Folge.

3. Interessiere dich für deine Mitarbeiter und zeige Ihnen, dass dir bewusst ist, was sie für dein Unternehmen leisten

Klar kannst du auch mal eine stressige Zeit haben, in der du dich weniger mit ihnen auseinandersetzen kannst. Aber wenn du von Grund auf ein wertschätzender und interessierter Chef bist, werden deine Mitarbeiter für solche Zeiten Verständnis haben und dich sogar noch entlasten.

Warum spreche ich dieses Thema an? An meiner Stelle konzentrierte sich ein Konflikt. Mein Vorgesetzter und die Führungskräfte eines anderen Bereiches definierten meine Aufgaben unterschiedlich. Deshalb ging ich zu meinem Vorgesetzten und bat ihn um eine Einschätzung. War die Arbeit, die ich machte überhaupt zielführend? Übersah ich etwas? Was konnte ich tun, um die andere Seite davon zu überzeugen, dass ich grundsätzlich nur arbeite, um das Unternehmen voran zu bringen und dass ich niemandem etwas wegnehmen will? 

Seine Antwort lautete zusammengefasst: „Ich kann ihnen das nicht beantworten, da ich so tief in ihren Aufgaben nicht drinstecke. Und ich möchte mich mit den Details auch nicht beschäftigen. Lösen sie bitte endlich den Konflikt. Das geht mir langsam richtig auf die Nerven.“

Diese Aussagen spiegelten die grundsätzliche Haltung meines Chefs wider. Und dieses Erlebnis führte bei mir zu einem enormen Vertrauensverlust sowie zu dem Gefühl, dieser schlechten Situation ohnmächtig ausgesetzt zu sein. Als motivierte und gut ausgebildete Expertin konnte ich diesen Zustand nicht akzeptieren und zog für mich die Konsequenz, gehen zu müssen.

Was heißt das für dich?

Interessiere dich für deine Mitarbeiter. Sei bereit zuzuhören und sie zu unterstützen. Und gebe zielführendes Feedback. Ein Mitarbeiter, der dieses nicht annehmen kann, ist womöglich auch nicht der Richtige. Also keine Angst vor Feedbackgesprächen. Schließlich können beide Seiten daraus lernen.

4. Sorge für ein kooperatives Miteinander und lebe es auch vor

Der oben beschriebene Konflikt war eher vom Wettbewerbsdenken angetrieben, als vom Gedanken an ein kooperatives Miteinander. Aus meiner Sicht, schafft ein kooperatives Miteinander aber eine Umgebung, in der sich jeder entfalten kann und sich traut, einzubringen. Was kann einem Unternehmen verloren gehen, weil sich Menschen in einer gegeneinander arbeitenden Umgebung nicht einbringen, weil sie sich nicht wohl fühlen? Gute Mitarbeiter mit tollen Ideen. Was geht alles unter, wenn Mitarbeiter ihre Ideen nicht kundtun, weil sie Angst haben, jemand könnte ihnen etwas wegnehmen? Eine ganze Menge. 

Ich war so oft in Meetings, in denen über andere gesprochen wurde, indem sich darüber empört wurde, warum sie dieses oder jenes machen. Ob das denn ihre Aufgabe wäre, wurde sich gefragt und ob wir dann nur noch die Mülleimer für die übrig bleibenden Aufgaben wären. Keine Aufgabe, kein Prozess, kein Output oder sonst etwas wurde in diesen Meetings vorangebracht.

Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass Projekte am besten laufen, wenn ich Vertrauen in meine Kollegen und ihre Expertise habe, wenn ich sie entscheiden lasse. Selbst, wenn ich die verantwortliche Projektleiterin bin. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie oftmals sehr gut für mich mitgedacht haben, dass sie Entscheidungen gut vorbereitet haben und dass sie eigenständig auf mich zugekommen sind und mir nicht willentlich wichtige Informationen vorenthalten haben. Solche Teammitglieder sind toll und eine richtig gute Unterstützung. Ich denke, wenn ich sie anders behandelt hätte, hätten sie sich auch anders verhalten. Mir wären richtig gute Ergebnisse verloren gegangen.

Was kannst Du tun, damit dir so etwas nicht passiert? 

Ich glaube, da wo Menschen arbeiten, wird es immer Wettbewerbsdenken geben. Es kommen immer wieder Konflikte auf, die sich negativ auf das Arbeitsergebnis auswirken. Das ist normal. Aber ich glaube auch, in einer Teamkultur, die von Vertrauen und Miteinander geprägt ist, passiert das deutlich weniger. Daher: Vertraue deinen Mitarbeitern, kommuniziere fair, bevorzuge möglichst niemanden, ermutige sie, im Team zu arbeiten. Lebe es einfach vor. Belohne kein egoistisches Verhalten. So gut es dir eben möglich ist.

Deine Mitarbeiter werden sich in ihrem Team wohler fühlen und das macht einen riesigen Teil ihrer Loyalität zu deinem Unternehmen, ihrer Zufriedenheit und ihrer Leistungsbereitschaft aus.

Leistungsbereite und treue Mitarbeiter sind das Fundament 

Gerade in der heutigen Zeit ist es enorm wichtig, sich auch durch seine Mitarbeiter auf die sich verändernde Zukunft vorzubereiten. Und mit den richtigen Mitstreitern macht das sogar Spaß. Und dabei ist es gar nicht entscheidend, dass du die Mitarbeiter gewinnst, die die Zukunftsskills schon perfekt beherrschen. Wichtiger ist es, die passenden Mitarbeiter zu finden. Diejenigen, die sich in deinem Unternehmen wohlfühlen werden und die bereit sind, sich mit dir gemeinsam zu entwickeln. Diejenigen, die bleiben und auf die du dich verlassen kannst, auch wenn es mal schwierigere Zeiten zu bewältigen gibt.

Diese Mitarbeiter werden von sich aus nach Wegen und Möglichkeiten suchen, die dein Unternehmen langfristig voran treiben. Verantwortungsvolle Führung und die Einzigartigkeit deines Unternehmens sind hierbei der Schlüssel.

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