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Schüchternheit überwinden: Wie du deine Ideen sichtbar machst und mit ihnen überzeugst

Wie organisiert man ein Brainstorming, bei dem sich alle beteiligen? Was hält Menschen davon ab, ihre Ideen einzubringen? Ingrid Gerstbach erklärt, wie es gelingt, kreative Potenziale besser zu entfalten.

 

Deine Ideen sind wertvoller, als du glaubst …

… also steh zu ihnen! Wie das geht? Wie du Angst oder Schüchternheit in Meetings überwinden kannst? Wieso du Kritik als Geschenk sehen solltest? Das verrate ich dir aus der Praxis meiner Innovationsworkshops, in denen ich mit meinem Kund*innen systematisch daran arbeite, Unsicherheiten zu überwinden, Menschen zu inspirieren, ihren Ideen Raum zu geben und damit Innovation entstehen zu lassen.

Im Mittelpunkt steht an diesen Tagen eine Aufgabe: möglichst viele Ideen auf den Tisch zu bringen. Gute, schlechte, praktische, unrealistische – egal. Zunächst geht es nur um die Menge. Zunächst geht es nur darum, die unterschiedlichen Standpunkte und Gedanken der einzelnen Teammitglieder zu nutzen. Denn eine Person alleine kann niemals so gute Konzepte und Ideen entwickeln wie eine Gruppe. Denn Ideen können einander ebenso inspirieren wie Menschen.

Alle in den Prozess einbinden

Kniffligste Aufgabe der Person, die moderiert? Wirklich alle im Raum dazu zu bringen, ihre Ideen zu teilen. Auch introvertierte Mitarbeiter*innen, auch schüchterne, auch solche, die verlernt haben, sich in Meetings zu äußern, auch solche, die meinen, gar nicht kreativ zu sein. (Und darin irren!)

Aber nicht nur die Moderator*innen ist gefordert. Auch die Teammitglieder sind es: Ihre Aufgabe ist es, eine Atmosphäre der Offenheit entstehen zu lassen. Diese Atmosphäre ist der Humus für Kreativität, sie ist damit die erste und wichtigste Voraussetzung für jede Innovation.

In den meisten Unternehmen fehlt es gerade an dieser Offenheit. Das führt dazu, dass Ideen zurückgehalten werden – aus Angst vor negativem Feedback, aus Angst davor, ausgelacht oder respektlos behandelt zu werden – und damit gehen die Ideen verloren. Das hemmt die Entwicklung des Unternehmens, das verhindert Innovation.

Warum unsere Ideen uns verletzbar machen

Was macht Ideen denn nun zu so etwas ganz Besonderem? Sie sind einzigartiger Ausdruck unserer Gedanken, unserer Erfahrungen und unserer Gefühle. Eine Idee ist daher viel mehr als ein Konzept oder ein Strategiepapier, sie ist etwas ganz Persönliches. Mit einer Idee geben wir uns als Mensch preis, nicht nur als Profi. Eine Idee macht uns verletzlich, negatives Feedback kann uns daher verunsichern, verängstigen – und weil wir Menschen als soziale Wesen von der Anerkennung anderer abhängig sind, halten wir lieber Ideen zurück, als uns einem herabwürdigenden Urteil auszusetzen.

Wie überwinden wir die Innovations-Killer Unsicherheit, Schüchternheit, Mutlosigkeit in unseren Workshops? Erstens, indem wir eine Atmosphäre erzeugen, die Fehler ausdrücklich zulässt – und nicht nur zulässt, sondern sogar begrüßt. Zweitens indem wir eine Feedback-Kultur implementieren, die Feedback zu einem wertvollen Geschenk macht statt zu einer gefürchteten Strafe. Feedback ist eine Chance der individuellen Entwicklung und der Verbesserung der Idee, ein wertvoller Input, ein Gedankenanstoß.

Unsere Erfahrung zeigt immer und immer wieder: Nur beim gemeinsamen Arbeiten können aus guten Ideen großartige werden.

4 Tipps, deine Ideen sichtbar zu machen

Wie du deine Unsicherheit überwinden und dich wieder trauen, deine Ideen einzubringen? Hier die vier wichtigsten Tipps:

1. Mach deine Hausaufgaben

Je besser du vorbereitet bist, desto aktiver wirst du dich ins Meeting einbringen, desto leichter wird es dir fallen, deine Ideen mit anderen zu teilen. Mache dir vorab eine – unbedingt schriftliche – Liste der wichtigsten Gedanken. Und das reicht dann auch als Vorbereitung. Den Spickzettel nimmst du gar nicht ins Meeting mit. Dort kannst du dann freier und selbstbewusster auftreten.

2. Sei Expert*in

Du hast deine eigene Perspektive – oft eine, an die du selbst gar nicht denkst. Bist du der*die Jüngste im Meeting? Sprich darüber, wie junge Menschen das Thema sehen. Verfolgst du Branchentrends? Her mit deiner Einschätzung, her mit deinem Wissen! Bist du die einzige Frau im Meeting (oder der einzige Mann)? Dein Standpunkt kann entscheidend für den Erfolg des Meetings sein.

3. Verbünde dich

Triff dich vorab mit jemandem, von dem du weißt, dass die Person beim Meeting anwesend sein wird. Dadurch machst du klar, dass dir das Thema des Meetings wichtig ist, dass du etwas zu sagen hast Und dein Gegenüber weiß bereits im Voraus, dass du etwas zu sagen haben wirst. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er oder sie dich während des Meetings aktiv um deine Meinung bitten wird.

4. Gehe ,all in‘

Vermeiden Worte und Redewendungen, die deine eigene Idee relativieren, klein oder schlecht machen: „Ich bin mir nicht sicher, aber…“ oder „Das ist jetzt vielleicht dumm, aber…“. So schwächst du deine Position, so schadest du deiner Idee. Und so bringst du andere ganz schnell auf den Gedanken, deine Idee unreflektiert abzulehnen. Denn wie soll jemand anderer von deiner Idee überzeugt sein, wenn du es selbst es nicht bist?

Jedes Meeting ist eine neue Chance, deine Kompetenz zu präsentieren, deinen Wert fürs Unternehmen unter Beweis zu stellen, deine Stimme hörbar zu machen. Nutze sie! Auch wenn du von Natur aus schüchtern bist, auch wenn du von einer Unternehmenskultur geprägt bist, in der es nicht gerne gesehen wurde, dass du deine Ideen aussprichst.

Nicht nur du selbst wirst davon profitieren – auch dein Unternehmen. Denn Studien zufolge sind es gerade die leisen, schüchternen Menschen, die die besten Ideen haben. Denn sie sind gute Beobachter*innen und präzise Zuhörer*innen. Trauen dich, mache dich selbst vom Mauerblümchen zur Innovationstreiber*in deines Unternehmens!

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