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Wie man mit Menschen zusammenarbeitet, die man nicht ausstehen kann

Wenn die Beziehung zu einem Kollegen schwierig ist, ist das noch lange kein Grund für die Kündigung. In vielen Fällen lässt sich das Blatt sogar wenden. Wir verraten, wie das geht.

 

„Ich bin sicher, meine Kollegin hasst mich“

Ein cholerischer Chef, der herumbrüllt und niemanden wertschätzt, ist ein echter Grund für eine Kündigung. Manchmal sind es aber auch Leute aus dem eigenen Team oder Kollegen aus anderen Bereichen des Unternehmens, mit denen man immer wieder zu tun hat – und sie einfach nicht ab kann. Oder du hast das Gefühl, dass sie dich hassen und dir mit Absicht das Leben schwer machen. Zum Beispiel die IT, die dir die Arbeit erschwert, in dem sie dir einen extra langsamen Rechner auf den Schreibtisch gestellt hat, und nicht einmal zurückruft, wenn er wieder einmal abstürzt. Oder die Kollegin vom Hamburger Standort, die immer mies gelaunte Nachrichten auf deiner Mailbox hinterlässt, schroffe Mails schreibt, in denen sie weder bitte noch danke sagt und nicht grüßt, wenn sie einen Termin in eurem Büro hat.

Freundschaften im Büro machen produktiver

Diese Kollegen so gut es geht zu ignorieren und die Momente der Zusammenarbeit eben auszuhalten ist eine Strategie und lässt das eigene Fell ein wenig dicker werden, die beste Lösung ist es jedoch nicht. Forschungsergebnisse zeigen, dass gute Beziehungen zu Kollegen oder sogar Freundschaften nicht nur die Produktivität verbessern, weil zum Beispiel Wissen und Kontakte eher geteilt werden, sie sind vor allem eine wichtige emotionale Unterstützung, die insgesamt glücklicher macht. Da liegt der Schluss nahe, dass schlechte Beziehungen oder eine offene Feindschaft zu Kollegen exakt das Gegenteil bewirkt: Die Arbeit leidet und die Laune gleich mit.

Lea McLeod, Coach für Beziehungen unter Kollegen, hat sechs Tipps, wie sich die Zusammenarbeit und das Klima am Arbeitsplatz verbessern lassen.

1) Nimm dir Zeit, deinen Kollegen kennenzulernen

Menschen neigen dazu, sich mit anderen zu umgeben, die ihnen ähnlich sind. Wenn also die Kollegin, die dich vermeintlich nicht mag, anders ist als diejenigen, die du dir als Freunde bislang ausgesucht hast, kann das die erste Hürde sein, die eurer Beziehung im Weg steht. Vielleicht stehen sogar Vorurteile zwischen euch. Wenn ihr jedoch in der gleichen Firma arbeitet, ist es nicht unwahrscheinlich, dass ihr Dinge gemeinsam habt. Mach dir die Mühe, diese Dinge zu entdecken. Es kostet vielleicht ein wenig Überwindung, aber ein gemeinsames Mittagessen oder ein Gespräch am Kaffeeautomaten kann der erste Schritt sein, ein wenig mehr über den anderen herauszufinden. Je mehr Gemeinsamkeiten ihr entdeckt – und sei es, dass ihr gerade von der gleichen Baustelle auf der S-Bahn-Linie betroffen seid – desto eher wird es gelingen, den anderen in einem neuen Licht zu sehen und die Haltung gegenüber dem Kollegen zu ändern.

2) Nimm das Verhalten nicht persönlich

Erinnere dich daran, wie es dir geht, wenn du einen schlechten Tag hast. Deine mürrische Laune bekommt in deiner Familie oder im Büro dann die Person zu spüren, die als erste den Raum betritt – eher per Zufallsprinzip. Und bösartige Vorgesetzte behandeln meist alle Mitarbeiter wenig fair – nicht nur dich. Es hilft also, wenn du dir in Erinnerung rufst, dass das Verhalten, was du als ungerecht oder feindselig erlebst, nichts mit dir zu tun hat, sondern eher eine Selbstaussage des Kollegens ist.

3) Grenze dich ab

Kompliziert werden Beziehungen zwischen Kollegen, wenn Emotionen eine zu große Rolle bei der Zusammenarbeit spielen und Fehler zum Beispiel mit Wutausbrüchen quittiert werden. Du kannst dem Kollegen eine klare Grenze setzen, in dem du das ansprichst und gleichzeitig eine Lösung aufzeigst. Sage zum Beispiel etwas wie: „Mich frustriert es, dass du Probleme größer machst, als sie sind. Ich kann besser mit dir zusammenarbeiten, wenn wir fixe Termine vereinbaren und du mir klar sagst, welche Ergebnisse du brauchst.“

4) Gehe in kleinen Schritten vor

Verhärtete Fronten lassen sich am besten in kleinen Schritten aufweichen. Du kannst damit beginnen, der anderen Person mit kleinen Signalen zu zeigen, dass du gar nichts gegen sie hast und sie als Kollegin schätzt. Das fängt mit Dingen an, wie sich einen „Guten Morgen“ zu wünschen, sich zu verabschieden oder anzubieten, ihr einen Kaffee mit aus der Küche zu bringen. Oder nicke ihr zustimmend zu, wenn du eine Idee von ihr in einem Meeting unterstützen willst. Jeder sucht im Job auch nach Anerkennung und freut sich, wenn er nicht allein da steht. Lea McLeod sagt außerdem: „Man kann andere Menschen nicht ändern, aber man kann die Energie, die man auf sie verwendet ändern und negative Signale mit positiven ersetzen.“

5) Konzentriere dich auf die Dinge, die du ändern kannst

Großer Frust bei der Arbeit entsteht dann, wenn wir Dinge ändern wollen, die nicht in unserer Macht liegen. Viele denken, sie wüssten es besser als der Chef, hätten eigentlich die bessere Idee als der Kollege gehabt und wenn sie nur endlich so könnten, wie sie wollten, wäre alles besser. Der Coach Lea Vogel sagt dazu: „Wenn-Dann-Konstruktionen binden unser Lebensglück an ein Ultimatum. Und das macht uns ganz schön abhängig.“ Der Wunsch, die großen Dinge bei der Arbeit zu ändern – ohne wirkliche Aussicht auf Erfolg – macht unglücklich. Sich über Dinge aufzuregen ist eine Entscheidung. Wer sich das bewusst macht, kann auch das ändern und stattdessen etwas Produktives tun. Beim Kontakt mit Kollegen gilt es vor allem, keine Konflikte zu scheuen, wenn sie möglicherweise aus der Welt zu schaffen sind. Kommuniziere dem anderen also, was du brauchst, um deine Arbeit machen zu können. Das ist immer besser, als Frust herunterzuschlucken und auch besser, als mit anderen Kollegen zu lästern.

6) Mache Pausen

Wenn es dich viel Energie kostet, mit dem ungeliebten Kollegen zusammenzuarbeiten, ist es ein guter Tipp, sich um flexible Lösungen zu kümmern, damit du deine Batterien aufladen kannst. Vielleicht machst du einen Tag im Home-Office, nimmst dir frei oder organisierst deinen Terminkalender so, dass du mindestens einen Tag ohne ein gemeinsames Meeting hast. Auch das sind die kleinen Schritte, die sich auszahlen.

Es ist ganz normal, dass man nicht mit allen Leuten im Job gleich gut kann und sie zu besten Freunden werden. Freu dich über die, zu denen du mehr als eine berufliche Beziehung aufbauen kannst – und versuche die Beziehung zu den anderen auf eine gute, professionelle Ebene zu bringen so weit es eben geht. Es lohnt sich, über diesen Schatten zu springen, denn es wird dich insgesamt zufriedener machen.

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