Foto: Stefan Kobe

Wo der Teufel wohnt: Eine Reportage über Exorzismus in Polen

Bei dem Wort „Exorzismus” denken die meisten von uns ans Mittelalter. In Polen gibt es aber tatsächlich auch heute noch praktizierende Teufelsaustreiber. Nadine Wojcik hat sie besucht und ihre Reportage in einem Buch veröffentlicht. Ein Auszug.

 

Exorzismus 2.0

Nadine Wojcik ist Kind polnischer Auswanderer und Journalistin. Für eine Reportage über Exorzisten reiste sie mehrere Monate durch Polen. Exorzismus? Ist das nicht ein Phänomen des Mittelalters, das wir längst überwunden haben? Anscheinend nicht. In Polen ist die Zahl der professionellen Exorzisten in den letzten Jahren auf 130 gestiegen. Aber was machen die offiziellen Teufelsaustreiber? Und was sagt das über die polnische Gesellschaft aus? Darum geht es in Nadine Wojciks Buch. Wir freuen uns sehr, einen Auszug veröffentlichen zu können.

Gespräch mit dem Teufelsaustreiber 

Es hat geklappt! Der Chef-Exorzist hat zugesagt. Andrzej Grefkowicz arbeitet bereits seit 1999 als Teufelsaustreiber in Warschau, zudem ist er Koordinator aller Exorzisten in Polen und organisiert deren jährliche Treffen. Wir sind im Ośrodek Pomocy Psychologicznej BEDNARSKA verabredet, einem christlichen Seelsorgezentrum. Von der Straße aus wirkt die Adresse unscheinbar, durch eine offene Toreinfahrt laufe ich auf Kopfsteinpflaster in einen großzügigen Hof mit Hauptund Seitengebäuden. Für Gläubige in Not gibt es hier alle Art von Beratungsangeboten. Und auch wer den etwas längeren Weg einer kirchlichen Eheannullierung durchmacht, wird hier in der „Bednarska“ von christlichen Seelsorgern befragt. Neben drei Exorzisten arbeiten hier eine Vielzahl an Psychologen und Psychiatern, darunter auch Pfarrer. Man tausche sich intensiv aus, daher bringt der Chef-Exorzist ungefragt Psychologen Andrzej Mielecki zum Gespräch. Die Herren empfangen mich im ersten Stock des niedrigen Gebäudes. Wir nehmen an einem Tischchen in einem der Beratungszimmer Platz. Die Einrichtung ist zwar in die Jahre gekommen aber gemütlich, an der Wand hängt ein Kruzifix. Überrascht vom neuen Gesprächspartner wende ich mich zunächst dem Psychologen zu. 


Wie kann ich mir Ihre Zusammenarbeit vorstellen? 

Psychologe Mielecki: Bevor ein Hilfesuchender einen Termin beim Exorzisten bekommt, muss er mit mir oder einem meiner Kollegen sprechen. Das ist bei uns obligatorisch. Exorzist Grefkowicz: Fast immer. Psychologe Mielecki: Ja, fast immer.

Das heißt, die Leute wissen zunächst noch nicht, welche Art von Hilfe sie suchen?

Psychologe Mielecki: Doch, in der Regel wollen sie zum Exorzisten. Ein Treffen mit mir wird eher als Hürde begriffen. Wir Psychologen schauen nämlich nicht aufs Spirituelle, sondern prüfen erst einmal, ob eine psychische oder physische Störung vorliegt.

Diese Erstkonsultation, so lese ich später auf der Internetseite, kostet je nach Dauer 60 bis 120 Złoty, etwa 15 bis 30 Euro. Gebete mit Exorzisten sind kostenfrei.

Und wenn Sie nichts diagnostizieren können?

Psychologe Mielecki: Ich erlebe immer wieder unerklärliche Dinge, die meine Kompetenz überschreiten. Das überlasse ich dann denjenigen, die dazu berufen sind. An Exorzismen selbst nehme ich nicht teil – zum Glück.

Die beiden Herren nicken sich zu und kichern. Sie sind ein eingespieltes Team. Im Laufe der Jahre haben sie ein Formular entwickelt, auf dem Psychologe Andrzej nach jedem Erstgespräch die wichtigsten Beobachtungen für Exorzist Andrzej festhält. Per E-Mail erhalte ich später vom Sekretariat die hausinterne Statistik: Im Jahr 2014 kamen 609 Menschen zur psychologischen Erstkonsultation in die Bednarska, 576 trafen sich anschließend mit einem Exorzisten. Das heißt, in nur 33 Fällen wurde aufgrund psychologischer Indikation davon abgeraten.

Pfarrer Andrzej, woran merken Sie, dass eine Person besessen ist?

Exorzist Grefkowicz: Besessene Menschen sind die Ausnahme. Die Mehrzahl sind von „zniewolenie“ betroffen (wörtlich: Versklavung, gemeint ist ein Belagerungszustand durch den Teufel, nicht aber dessen Herrschaft über die Person, Anm. d. A.). Das äußert sich zum Beispiel in Ängsten, Depressionen oder Albträumen. Diesen Menschen können aber auch äußerliche Dinge widerfahren: Das Licht geht plötzlich an und aus, Möbel verschieben sich, Uhren stellen sich um, jemand zieht nachts die Bettdecke weg. Grundsätzlich sind diese Menschen noch frei, Tätigkeiten auszuführen, selbst wenn sie Ängste davor haben. Bei Besessenheit geht das phasenweise nicht, man ist nicht mehr Herr im eigenen Körper.

Haben Sie so etwas schon erlebt?

Exorzist Grefkowicz: Ja, natürlich. Einmal habe ich zum Beispiel gemeinsam mit einer Person gebetet, von deren Besessenheit ich allerdings noch nicht wusste. Während des Gebets hob sie die Hand und stieß mich weg. Gleichzeitig rief sie: ‚Oje, was passiert hier? Das möchte ich doch gar nicht!’ Das war damals ein Schlüsselmoment für mich. Der böse Geist beeinflusst den Körper und man kann nichts dagegen tun.

Wie viele Besessene haben Sie mittlerweile exorziert?

Exorzist Grefkowicz: Oh, ich zähle nicht mehr. Es ist sicherlich keine astronomische Zahl. Ich empfange wöchentlich acht Menschen zum Gebet, von denen jeweils nur einer stark körperlich reagiert, also besessen ist. Bevor ich für die Menschen bete, spreche ich ausführlich mit ihnen. Mir ist es wichtig herauszufinden, ob ich der Person wirklich helfen kann. Oder ob ich ihr nicht eher schaden würde, weil ich sie von psychologischer oder psychiatrischer Versorgung abschneide.

Psychologe Mielecki: Viele Polen haben Angst davor, zum Psychologen oder Psychiater zu gehen, sie wollen nicht als verrückt abgestempelt werden. Selbst Menschen, die mit schweren Depressionen zu uns kommen, wollen in erster Linie einen Exorzisten sprechen. 

Sie möchten also lieber besessen als psychisch krank sein?

Exorzist Grefkowicz: Ja, genau.

Psychologe Mielecki: Das liegt wohl auch daran, dass eine Therapie Eigeninitiative verlangt und viel länger dauert. Die Menschen wollen aber schnelle Hilfe, da passt ein Besuch beim Exorzisten ganz gut.

Auch wenn Psychologe Andrzej sich nicht ums Spirituelle kümmert, so entdecke ich seinen Namen bei meiner monatlichen Lektüre des Egzorcysta. In der Ausgabe zu Hypnose führt er beispielsweise in einem Interview an, dass die meisten Hypnotherapeuten auch in okkultistischen Kreisen tätig sind. Auch Chef-Exorzist Andrzej ist beim Monatsmagazin kein Unbekannter: Er hat dort eine eigene Rubrik – und ist Vorsitzender des Redaktionsausschusses.

Pfarrer Andrzej, wie laufen exorzistische Gebete ab?

Exorzist Grefkowicz: In der Regel in einer Gruppe, idealerweise sind es außer mir noch sechs Helfer dabei. Drei Personen beten gemeinsam mit mir und der Person, drei weitere beten in einem Nebenraum um Gottes Unterstützung. Jede Sitzung dauert etwa eine Stunde.

Das heißt, die zweite Gruppe ist gar nicht dabei?

Exorzist Grefkowicz: Genau. Es ist immer ein besonderer Moment für mich, diese Gruppe zu befragen. Die Helfer wissen im Vorhinein nichts über die Person, decken dann aber verborgene Dinge auf. Lassen Sie mich ein Beispiel geben: Die Person hat in der Vergangenheit fernöstliche Götter verehrt, bioenergetische Heilverfahren probiert oder Wahrsager aufgesucht. Die Helfer aus dem Nebenraum konfrontieren sie dann damit und die Person bestätigt, ja, tatsächlich, so war das! Mittlerweile ist diese Ursachenforschung gar nicht mehr so notwendig, da wir ein Büchlein herausgegeben haben, das wir vorab verteilen. Es heißt Rachunek Sumienia, die Erforschung des Gewissens … 

Psychologe Mielecki: … und Pfarrer Andrzej ist einfach zu bescheiden, zu erwähnen, dass er maßgeblicher Autor dieses Büchleins ist. Pfarrer und Psychologe fallen wieder in ein kollegiales Kichern, Pfarrer Andrzej hält sich dabei schüchtern die Hand vor den Mund.

Exorzist Grefkowicz: Die Helfer erfahren dank ihrer Gebete auch Details aus der Kindheit. Sie konfrontieren die Person dann beispielsweise damit, dass sie von der Mutter vernachlässigt wurde oder der Vater nie zu Hause war.

Psychologe Mielecki: Das ist ein sehr wichtiger Aspekt, den Pfarrer Andrzej hier anspricht. Seelische Probleme sind oft die Ursache, warum Menschen auf der Suche nach Lösungen bei alternativer Medizin oder Okkultismus landen. 

Exorzist Grefkowicz: Niemand, der mit beiden Beinen fest im Leben steht, würde doch auf solch verrückte Ideen kommen. (lacht)

Psychologe Mielecki blickt auf die Uhr, eine Patientin warte bereits. „Pfarrer Andrzej weiß ja eh alles“, verabschiedet er sich, abschließendes Kichern. Jetzt bin ich allein mit dem Chef-Exorzisten, dessen bescheidene Art mich einschüchtert. Etwa 50 Jahre alt, schlanke Statur, Beine unter dem schwarzen Talar übereinander geschlagen. Er spricht langsam und gütig.

Besessene kommen über einen Zeitraum von zwei Jahren oder länger zu Ihnen. Warum dauert das so lange?

Exorzist Grefkowicz: Lassen Sie mich das bildlich erklären. Wenn Sie ein Hund anfällt und Ihnen an die Kehle springt, dann sind wir Exorzisten diejenigen, die den Hund festhalten. Wenn Sie keinen Weg aus der Besessenheit finden, wird Sie der Hund immer wieder anfallen – wir Exorzisten können ihn nur festhalten. Konkret meine ich: Die Person muss sich ausdrücklich für unsere Art der Hilfe entscheiden. Und dann müssen wir sie davon überzeugen, dass es jemanden gibt, der sich um sie sorgt – und zwar Gott. Und dass Gott mehr als den bösen Geist anzubieten hat. Dafür muss man aber seine Lebensgewohnheiten ändern – und das dauert.

Aber warum sollte man hier unnötig Zeit verstreichen lassen?

Exorzist Grefkowicz: Lassen Sie mich von einer Frau berichten, die schon lange zu mir kam und bereits auf gutem Weg war. Nach dem Gebet redeten wir noch ein Weilchen und sie sagte spontan: ‚Satan ist so konkret.’ Ich beendete den Satz: ‚Und Gott ist so ungreifbar.’ Sie nickte. Warum erzähle ich Ihnen das? In der engen Verbindung, in der sie mit dem bösen Geist stand, reichte es, mit den Fingern zu schnipsen, und schon bekam sie eine Antwort. Bei Gott ist es anders. Es kann sicherlich vorkommen, dass er konkret in Erscheinung tritt. Das ist aber nicht seine hauptsächliche Intention. Er will, dass wir glauben. Auf diesem Weg gibt es keine schnellen Antworten wie etwa bei einer Wahrsagerin.

Wer sucht bei Ihnen Hilfe?

Exorzist Grefkowicz: Eigentlich alle Altersklassen. Aber in erster Linie Frauen. Wir haben uns gefragt, warum das so ist. Zum einen suchen Frauen häufiger Hilfe, Männer machen das mit sich alleine aus. Zum anderen gelten Männer als rationaler, Frauen hingegen als emotionaler. Daher könnte ich mir vorstellen, dass sich Männer seltener auf so zweifelhafte Geschichten einlassen, die dem Satan die Pforten öffnen.

Spüren Sie die Anwesenheit des Teufels während der Großen Exorzismen?

Exorzist Grefkowicz: Ich spüre wenig bis gar nichts. Gott redet anders mit mir: Er erscheint mir in Gedanken oder wenn mir plötzlich ein Licht aufgeht. Allerdings spüren meine Helfer häufig etwas. Wenn wir bereits eine Zeitlang gebetet haben, frage ich: Reicht es oder machen wir weiter? Dann kann es vorkommen, dass ein Helfer sagt: Ich spüre den bösen Geist noch. Wir sollten weiterbeten.

Wie geht es danach weiter?

Exorzist Grefkowicz: Nach so einem Gebet lassen wir niemanden allein, sondern verweisen an christliche Gemeinden. Grundsätzlich geht es um Evangelisierung. Am häufigsten betrifft es ja Menschen, die Gott verloren haben.

Warum sind Sie Exorzist geworden?

Exorzist Grefkowicz: Das hat der Bischof entschieden. 1999 hat er mich gefragt, ob ich diesen Dienst machen will, und ich habe den Vorschlag angenommen. Ich komme aus dem „Ruch Charyzmatyczny“, der charismatischen Bewegung. Dadurch waren mir solche Gebete bereits bekannt.

Die charismatische Bewegung kam erstmals in den 1960er Jahren in den USA auf, meist in Freikirchen und Pfingstgemeinden. Seitdem verbreitet sie sich mit erstaunlichem Tempo in allen Konfessionen. Die größten Verbreitungen finden sich in Afrika, Asien und Lateinamerika. Doch auch in Polen ist der Verbreitungsgrad beachtlich. Innerhalb der katholischen Kirche gibt es in einer Vielzahl von Gemeinden Gebetsgruppen des „Odnowa w Duchu Świętym“, der Charismatischen Erneuerung des Heiligen Geistes. Im Zentrum stehen spontane, freie Gebete mit erhobenen Händen und Handauflegung oder Segnung durch Mitbetende. Die Gläubigen berichten häufig, Gottes Liebe körperlich zu spüren. Pfarrer Andrzej ist mit der Bewegung nicht nur lose verbunden, er ist deren Verantwortlicher in der Erzdiözese Warschau.

Mussten Sie eine Schulung zum Exorzisten durchlaufen?

Exorzist Grefkowicz: Nein. Dafür gibt es ja die vatikanische Anleitung zum Großen Exorzismus, als ich anfing jedoch nur auf Latein. Mittlerweile haben wir sie ins Polnische übersetzt. Meine erste wirkliche Schule war die Charismatische Erneuerung, weil mich die spontanen Gebete für die göttliche Führung öffneten. Das ist sehr kompatibel mit den Bedürfnissen, die exorzistische Gebete erfordern.

Auf einer Überblicksseite der Charismatischen Erneuerung im Internet finden sich mit nur einem Klick Gebete zur Befreiung und zur Genesung. In meinen späteren Gesprächen mit Kultur- und Religionswissenschaftlern werde ich erfahren, dass es einen Zusammenhang zwischen der Verbreitung der Charismatischen Erneuerung und dem Zuwachs an Exorzisten gibt.

Hat sich der Exorzismus in Ihren 27 Dienstjahren verändert?

Exorzist Grefkowicz: Die Menschen sind vor allem aufgeklärter, erkennen heute böse Geister schneller als früher. Und weisen sich auch gegenseitig darauf hin. Wenn beispielsweise ein Arbeitskollege erzählt, er fühle sich so depressiv und kein Psychologe könne helfen, da geben Kollegen mittlerweile gekonnten Rat: Ja, aber warst du nicht letztens bei einer Wahrsagerin? Und hast du nicht bioenergetische Therapien in Anspruch genommen? Du solltest lieber einen Exorzisten aufsuchen!

Allerdings ist ja auch die Anzahl der Exorzisten dramatisch gestiegen.

Exorzist Grefkowicz: Ja, aber mittlerweile hat sich das stabilisiert. Vor einigen Jahren gab es so einen Moment, wo die Bedürftigkeit der Gemeindemitglieder sichtbar wurde und wo so manche Diözese erkennen musste, dass dies ein dauerhafter und kein vorübergehender Zustand ist. Außerdem ist niemand von uns Vollzeit-Exorzist, wir alle haben noch andere Aufgaben. Deswegen gibt es dann in jeder Diözese mehrere Exorzisten.

In Deutschland spielt der Teufel keine bedeutende Rolle, hier in Polen werde ich stetig mit ihm konfrontiert. Dabei kam mir die Frage: Warum sollte Gott so eine Kreatur überhaupt tolerieren?

Exorzist Grefkowicz: Alle spirituellen Wesen sind göttlich, das heißt, Gott hat sie geschaffen. Sie alle sind seine Kinder. Manche Kinder sind artig, manche lehnen sich gegen ihn auf. Das ist das eine. Das andere ist aber die große Klugheit Gottes. Er nutzt die bösen Geister, um damit noch Größeres zu schaffen.

In Polen wenden sich derzeit immer mehr Menschen von Gott ab. Aber wenn sie dann vom bösen Geist befallen werden und spirituelle Hilfe suchen, ist ihre Rückkehr zum Glauben um ein Vielfaches größer. Der Teufel sorgt also faktisch dafür, die Menschen zu evangelisieren, sie zu Gott zurückzubringen.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist das katholische Polen doch sehr gut dran. Warum treibt der Teufel dann gerade hier sein Unwesen?

Exorzist Grefkowicz: Der Unterschied liegt darin: Die einen wissen Bescheid und die anderen nicht. Vielen Menschen, die in Psychiatrien festsitzen, könnte eher ein Exorzist helfen, nicht wahr? Außerdem macht sich der Teufel erst bemerkbar, wenn man versucht, ihm zu entkommen.

Unsere Zeit ist um. Nun wartet auch auf den Exorzisten eine vom Teufel Gequälte zum Erstgespräch im Nebenzimmer. Pfarrer Andrzej steht abrupt auf und reicht mir die Hand, er habe heute noch einen vollen Terminkalender. Schnell schieße ich meine wichtigsten Anliegen ab: „Könnte ich Sie bei einem Ihrer Exorzismen begleiten?“ „Nein, das geht leider nicht.“ „Dürfte ich den Raum sehen, in dem die Exorzismen gebetet werden?“ „Auch das geht leider nicht. Diese Dinge sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.“ „Es wäre zumindest wichtig, dass ich nicht nur über Besessene sondern auch mit ihnen rede. Könnten Sie mir jemanden vermitteln?“ „Bis wann bräuchten Sie den Kontakt?“ „Ich habe Zeit. Es kann auch jemand sein, der bereits nicht mehr auf ihre Dienste angewiesen ist.“ „Nein, das geht nicht. Ich habe zu diesen Personen keinen Kontakt mehr.“ Ich bin verwundert. Bindungen zu Pfarrern sind in Polen oft recht eng. Ich dachte, mein Angebot käme gelegen, da ich es mir einfacher vorgestellt hatte, befreite Personen für ein Interview zu gewinnen. Aber natürlich sage ich nicht nein, als der Exorzist mir schließlich zusagt, jemanden zu organisieren, der aktuell an seinen Gebeten teilnimmt. Wie naiv.

Nadine Wojcik: „Wo der Teufel wohnt: Besessene und Exorzisten in Polen”, mikrotext, November 2016, 132 Seiten, 10,99 Euro. 

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