Foto: Elif Kücük

Kübra Gümüşay: „Ich will junge Menschen ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen“

Wir alle können etwas bewegen – die Frage ist nur, welche Richtung wir dabei einschlagen. Die Journalistin und Aktivistin Kübra Gümüşay hat uns im Interview erzählt, was Netzwerke wirklich stark macht und warum wir alle mehr Verantwortung übernehmen müssen.

 

„Netzwerke funktionieren nicht einfach, indem man sie als Netzwerke bezeichnet“

Es ist leicht, sich derzeit gegenüber den vielen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen machtlos zu fühlen – und doch können wir eben alle etwas bewegen, etwas tun, um die Gegenwart und auch die Zukunft zu ändern. Was es dafür im ersten Schritt braucht, sagt Kübra Gümüşay ist, dass wir uns unserer Kraft und auch unserer Verantwortung, bewusst werden.

Wir haben mit der Journalistin und Aktivistin, die sich vielfältig engagiert und Themen wie Rassismus, Feminismus oder Islamfeindlichkeit, aber auch Hass im Netz angeht, über Mut und die Notwendigkeit gesprochen, dass wir alle an besseren Morgen mitarbeiten. Dazu gehört auch, dass wir uns selbst und andere stark machen – ein Grundaspekt der Female Future Force Academy, die Kübra unterstützt. Auch hat sie uns erzählt, wer sie täglich inspiriert und warum man für starke Vorbilder meist gar nicht so weit blicken muss.

Wann hast du zuletzt einen anderen Menschen dazu bewegt, mutig zu sein?

„Zuletzt womöglich am Wochenende, eine Gruppe engagierter Jugendlicher, viele mit Migrationshintergrund. Ich hoffe, dass ich sie dazu ermutigt habe, ihren eigenen, individuellen Weg zu gehen – und nicht nur zu Info-Säulen ihrer jeweiligen Identitätsgruppen werden wie Homosexuelle, Muslime, Migranten.“

Welche Erkenntnis hat dich im Leben entscheidend weitergebracht?

„Im letzten Jahr war es unter anderem das Zitat von Toni Morrison, das ich zwar kannte, aber nie wirklich begriffen, verstanden hatte. Sie sagt darin, dass Rassismus nur eine Form von Ablenkung ist, dass sie einen davon abhält, das Leben zu leben. Und ich erkannte, es ist nicht nur Rassismus, sondern das geschieht auch bei anderen Diskriminierungsformen – und ganz aktuell mit dem Rechtspopulismus. Die kalkulierten Provokationen aus rechtspopulistischen Reihen lenken uns als Gesamtgesellschaft ab. Seither suche ich nach Wegen, wie ich mich, wie wir uns von diesen destruktiven Debatten emanzipieren können.“

Hast du dich schon einmal komplett neu erfunden?

„Bin mittendrin. Ich lege derzeit meinen Job als intellektuelle Putzfrau ab.“

Der vielbeachtete Ted-Talk von Kübra zum Thema „Organisierte Liebe“. Quelle: Youtube

Was ist deine Super-Power?

„Mir der Macht der Worte, der Begegnungen, der Menschlichkeit bewusst sein.“

Was ist entscheidend dafür, dass Netzwerke gut funktionieren und etwas bewegen können?

„Entscheidend ist es, die Erwartungen, Ansprüche und Beziehungen auszusprechen, das heißt beispielsweis explizit zu sagen, dass man einander das Beste wünscht, sich mit dem Erfolg der anderen freut und mit ihren Niederlagen leidet. Netzwerke funktionieren nicht einfach, indem man sie als Netzwerke bezeichnet.“

Was müssen wir jetzt bewegen, damit die Zukunft sich für alle in eine positive Richtung wendet?

„Wir können den Status Quo, die Zukunft verändern – das ist die wichtigste Erkenntnis. Dann weiß man, dass es ziemlich schlimm oder auch richtig gut ausgehen kann. Wir alle sind für unsere Zukunft mitverantwortlich. Ich wünschte mir, mehr Menschen wären sich dessen bewusst und würden dementsprechend Verantwortung übernehmen, für Demokratie, für Pluralität, für Toleranz, für das friedliche Miteinander.“

Danke für den Support, liebe Kübra! Quelle: Privat.                    

Welcher Mann und welche Frau haben dich in deinem Leben besonders inspiriert und wieso?


„Ganz viele haben mich auf meinem Weg inspiriert, tun es noch immer und werden es auch künftig tun – die Menschen, mit denen ich zusammen arbeite, Kampagnen starte, durch die ich jeden Tag lerne. Die gesamte #ausnahmslos-Crew, #schauhin-Crew, die Organisator_innen des Sisters’ March in Hamburg, des Feministischen Netzwerks. Es sind nicht irgendwelche Idole, Menschen, die scheinbar übermenschlich und unerreichbar erscheinen, sondern viele meiner Peers, die mich inspirieren, jeden Tag. Ihr Erfolg erfüllt mich, ihre Niederlagen fühlen sich an wie meine eigenen. Ihre Arbeit treibt mich an.“

Welchen Rat würdest du heute deinem jüngeren Ich geben?

„Don’t ask for permission.“

Mehr bei EDITION F

#OrganisierteLiebe: Wieso wir Menschen im Netz sagen sollten, wenn wir sie gut finden. Weiterlesen

Als Aktivistin muss man kein wissenschaftlich-feministisches Studium absolviert haben“ Weiterlesen

„Ich habe Angst“ – wie Rassismus den Alltag junger Menschen verändert. Weiterlesen

Anzeige

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.