Foto: RF

Julia Kopper: „Die Idee zu gründen war mir zu Beginn unheimlich“

Supperclubs, ein E-Mail-Magazin und eine PR-und Event-Agentur: Julia Kopper scheint die Energie nicht auszugehen. Wann sie aber doch mal abschalten muss und warum Netzwerken ihre große Leidenschaft ist, hat sie uns erzählt.

 

„Man kann sich nur mit guten Leute an
Bord weiterentwickeln“

Manchmal passiert das (berufliche) Leben
einfach. Dann hat man zwei Möglichkeiten: mitgehen oder abbrechen. Julia Kopper
hatte immer viele Projekte, um die sie sich kümmerte, aber dass sich daraus einmal die PR-und
Eventagentur Muxmäuschenwild und die Verantwortung für aktuell elf Mitarbeiter entwickeln würde, das hat sie dann selbst
etwas überrascht.

Mit welchen Gefühlen geht man in eine eigentlich ungeplante Gründung, was macht ein gutes Event aus und welche
Eigenschaften braucht eine Unternehmerin um erfolgreich zu sein? Wir wollten Antworten –
und Julia hat sie uns gegeben.

Julia, du hast vor zwei Jahren Muxmäuschenwild gegründet. Ich würde sagen, eine PR- und Event-Agentur. Du
magst den Begriff aber nicht so gerne, nicht wahr?

„Ach doch, auch ich habe mich inzwischen an
das Wort Agentur gewöhnt. (lacht) Anfangs habe ich es eher als ‚Kreativbüro’
oder ‚Netzwerk’ bezeichnet, denn gerade unser starkes Netzwerk zeichnet uns
aus. Und generell war es mir immer wichtig, neben der reinen Dienstleistung
auch eigene Projekte voranzutreiben, wie unser wöchentliches E-Mail-Magazin,
das inzwischen eine richtige mediale Power entwickelt hat, oder auch unser Golden
Dinner, unsere Supperclubs und so weiter. Inzwischen würde ich aber der
Einfachheit halber auch das Kind beim Namen nennen – und PR- und Eventagentur
trifft es da schon ganz gut. Es gibt noch eine dritte Säule bei uns in der
Agentur, die Branding oder Markenstrategie beinhaltet, das schreiben wir uns
nicht so groß auf die Fahne, da viele Kunden damit nichts anfangen können, aber
tatsächlich wird dieser strategische Bereich auch immer wichtiger bei uns.“

Für deinen Job ist es wichtig, das
Stadtgeschehen nicht nur zu kennen, sondern eben auch mitzugestalten. Dafür
braucht es ein Netzwerk. Wie hast du dir das aufgebaut? Denn du bist
ursprünglich ja gar nicht aus Berlin.

„Das stimmt. Ich komme aus Nordrhein-Westfahlen, war danach länger im Ausland, und als es dann Zeit war zurück nach
Deutschland zu gehen, kam für mich nur Berlin in Frage. Das Netzwerk habe ich
mir über die Jahre aufgebaut. Ich war immer schon sehr kommunikativ und liebe
es, Menschen miteinander zu verknüpfen. Mit den Jahren und durch viele
spannende Projekte, die ich als Freelancerin betreuen durfte, sind dadurch
immer mehr tolle Kontakte entstanden, die ich gern pflege.“

Julia an der Gästeliste für das Golden Dinner. Foto: Muxmäuschenwild.

Was ist eigentlich das Wichtigste, wenn man
verschiedenen Menschen zusammenbringt, um einen guten Abend zu haben? Die
Mischung, der Ort oder das Thema?

„Gute Frage, ich glaube, es ist das richtige
Zusammenspiel von vielen Faktoren: die richtigen Personen, die sich etwas zu
erzählen haben, ein spannender Ort und/oder eine inspirierende Inszenierung. Im
Grunde habe ich immer wieder gemerkt, dass gerade wir in Berlin, die so viel
geboten kriegen und oft auch ‚satt’ sind durch das Überangebot an
Veranstaltungen, uns doch immer wieder nach echten und authentischen
Erlebnissen sehnen. Letzten Endes hatten wir doch einen schönen Abend, wenn
alles gestimmt hat, mit Herz und Leidenschaft etwas erschaffen wurde, wir gute
Gespräche geführt haben und spannende Menschen kennengelernt haben. Da
verzeihen die Gäste auch gerne mal, wenn man in der Location ein wenig
improvisieren musste oder auch mal etwas schief läuft.“

Hattest du denn schon einmal ein Event, das
einfach komplett schief lief?

„Nein, zum Glück nicht – ich klopfe mal
schnell auf Holz. Ich bin ein sehr durchgeplanter Mensch, meine Deadlines sind
meist zwei Tage vor allen anderen, und ich habe immer einen Plan B und meistens
auch noch einen Plan C in der Hinterhand. Aber ich weiß schon auch: ‚Geht
nicht’ gibt es eben doch. Es gibt nicht immer eine Lösung. Mir selbst ist das
noch nicht passiert, aber ich kenne Projekte, die komplett gescheitert sind.
Dennoch: mit einer guten Vorbereitung im Hinblick auf alles Plan- und
Erwartbare, hat man die besten Karten, wenn es dann darauf ankommt, das
Unerwartete zu managen. Und in Extremsituationen werde ich ganz ruhig und
konzentriere mich ausschließlich auf Problemlösungen.“

Regiebesprechung vor dem Event. Foto: Muxmäuschenwild.

Warum
warst du dir damals sicher, dass du in Berlin dein (berufliches) Glück finden
wirst? Hättest du die Agentur nicht auch in Köln oder München hochziehen
können?

„Die Frage hat sich für mich tatsächlich gar
nicht gestellt. Ich lebe seit neun Jahren in Berlin, habe mir hier mein
soziales und berufliches Umfeld aufgebaut, und die Agentur hat sich eher so ergeben. Durch das Secret-Dinner-Pop-Up-Konzept namens Golden Dinner, das
ich im August 2012 auf die Beine gestellt habe, gab es einfach immer mehr
Kundenanfragen im Event- und auch PR-Bereich, so dass ich diese nicht mehr
alleine stemmen konnte. Da wurde es Zeit, dem Ganzen einen Namen zu geben und
Strukturen zu schaffen. Die Gründung der Agentur war daher eher eine Folge von
glücklichen Umständen, kein lang gestrickter Masterplan. Und in Berlin fühle
ich mich zuhause, hier will ich bleiben.“

Erinnerst du dich an die Zeit, in der du
dich ernsthaft mit der Gründung einer eigenen Agentur beschäftigt hast? Ab wann
hast du deinen Wunsch das durchzuziehen selbst ernst genommen?

„Na klar erinnere ich mich! Anfangs war es
schon etwas unheimlich – plötzlich stand man vor Fragen wie: ‚Wie verbinde ich
all das, was ich gerne machen möchte, bloß miteinander?’ oder ‚Soll ich mir
wirklich die Fix-Kosten für ein kleines Büro ans Bein binden?’ Ich
bin nur bis zu einem gewissen Maß risikobereit und musste einen Schritt nach
dem anderen gehen. Schließlich wusste ich nicht, was passiert, wenn es nun
einen Namen, eine Website und sogar die erste Mitarbeiterin gibt. Doch diese
Zweifel haben sich sehr schnell gelegt und im Rückblick ist es Wahnsinn, wie
schnell sich alles entwickelt hat. Selbst vor einem Jahr war unsere Agentur
noch ganz anders aufgestellt als jetzt. Nicht nur räumlich und personell haben
wir uns stark vergrößert, auch die Kunden werden größer, die Projekte immer
umfassender. Es macht riesigen Spaß diesen Prozess bewusst mitzuerleben und
mitzugestalten! Und im Grunde gründen wir ja immer noch. Alles ist im Werden
und täglich komme neue Herausforderungen und Aufgaben auf uns zu.“

Julia mit Speakerin und Ausschwitz-Überlebenden Anita Lasker-Wallfisch. Foto: Muxmäuschenwild

Wie viele Mitarbeiter hast du nun und nach
welchen Kriterien suchst du dir deine Leute aus?

„Im Augenblick sind wir elf Personen im Team – und ein großes Netzwerk an Freelancern, die projektweise eingebunden werden.
Tatsächlich ist die Suche nach guten Leuten eine meiner Hauptaufgaben. Ich
hätte nicht gedacht, dass es in Berlin so schwer ist gute Leute zu finden! Das
liegt vielleicht auch daran, dass mein Anspruch ziemlich hoch ist, aber das
gilt auch generell für uns. Wir haben als Agentur einfach einen sehr hohen
Anspruch an die Qualität unserer Arbeit und das muss jedes Teammitglied
mittragen und mitleben. Es kommt schon vor, dass sich Menschen bei uns aufgrund
des lustigen Agenturnamens oder wegen unseres lockeren Auftritts bewerben und
dann überrascht sind, dass es bei uns bei allem Spaß auch um anspruchsvolle und
auch mal harte Arbeit geht. Ich bin wahnsinnig dankbar dafür, ein so tolles
Team beisammen zu haben, und halte trotzdem immer weiter die Augen offen, wer
uns noch über den Weg läuft und zu uns passen könnte. Denn mit den richtigen
Leuten an Bord entwickelt man sich ja auch als Agentur weiter.“

Foto: Paul Aidan Perry

Was ist eigentlich eine Eigenschaft, die man
als Unternehmerin braucht, die man vorher nicht auf dem Schirm hat
beziehungsweise, die du vorher nicht auf dem Schirm hattest?

„Ich glaube, die meisten Eigenschaften, die
man als Unternehmerin braucht, waren mir schon bewusst, wie Managementfähigkeiten,
Mut und so etwas. Aber es gibt einige Aufgaben, die mich immer wieder
verzweifeln lassen. Themen, mit denen ich mich beschäftigen muss, obwohl ich doch
viel lieber inhaltlich arbeite. So was wie Buchhaltung, Steuern, all diese
langweiligen Dinge. Da muss ich mich schon oft überwinden, mich auch damit
auseinanderzusetzen. Wenn ich eine Eigenschaft benennen muss, dann ist es
vielleicht das ‚Abgeben’. Verantwortung zu delegieren, auch wenn das unter
Umständen bedeutet mit dem zweitbesten Ergebnis leben zu müssen. Das ist sicher
etwas, das vielen schwer fällt.“

Ich glaube, eine der wichtigsten
Eigenschaften, die man sich aneignen sollte, ist auch mal abschalten zu können.
Kannst du das? Gibt es eine Uhrzeit, zu der einfach nichts Geschäftliches mehr
geregelt wird? Oder bist du jemand, der 24/7 die Arbeit an erste Stelle
stellt?

„Oh je, ertappt. Das ist sozusagen ein
Langzeitprojekt, an dem ich arbeite und immer weiter übe. Ich versuche bewusst
abzuschalten – beim Yoga oder Sport klappt das tatsächlich auch ganz gut – aber
natürlich ausgerechnet in Stressphasen, wenn es am nötigsten wäre, nehme ich
mir nicht genügend Zeit dafür. Ich bin schon ein Mensch, der mehr oder weniger
24/7 mit halbem Kopf auch beim Job ist, aber ich habe auch Spaß daran und komme
nebenbei auf Ideen. Ich kenne meine Grenzen relativ gut und weiß, wann auch bei
mir mal genug ist. Aber ich muss mich weiter darin üben, auch mal ein paar
Stunden abzuschalten und nicht ständig meine E-Mails zu checken …“

Welchen Rat würdest du deinem Ich von 2013,
kurz vor der Gründung, heute geben?

„Nicht zögern: Trau dich und leg los!“


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