Foto: Flickr | Nessie Spencer | CC BY-SA 2.0

Warum wir politisch aktiv werden müssen – und wie das funktionieren kann

Junge Frauen sind unpolitisch? Wer erzählt denn so einen Mist?! Frausein ist immer politisch. Punkt.

 

Politik betrifft uns 

Uns jungen Frauen wird aus mir unerfindlichen Gründen gern nachgesagt, unpolitisch zu sein. Dass dem nicht so ist, haben wir vom 5. bis 7. Mai 2017 in Halle (Saale) deutlich unter Beweis gestellt. Dort fand nämlich die Konferenz junger politischer Frauen statt. Frausein heißt politisch sein. Denn noch sind die Kämpfe um Gleichstellung und Gerechtigkeit nicht vorbei und meine Generation kämpft sie immer wieder von Neuem. 

Junge Frauen haben großes Interesse an der Politik und Gesellschaft, doch sind sie hier noch immer unterbesetzt und wenig sichtbar. Woran liegt das? Zum einen werden uns immer noch Steine in den Weg gelegt. Wer beispielsweise eine Familie gründen will, muss sich heute nach wie vor oft zwischen ihr und der Karriere entscheiden und zurückstecken. Bei weitem nicht alle schaffen es, genügend Kräfte und Ressourcen für beides aufzubringen, vor allem wenn die Unterstützung vom Staat fehlt; in Form von ausreichenden Kita-Plätzen etc. Zum anderen ist Politik noch immer eine Männerdomäne. Es braucht Durchhaltevermögen und Selbstvertrauen, um gegen ein männlich-dominantes Gebaren anzukommen und produktiv zu arbeiten.

Wie wird man politisch aktiv?

Um sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren, ist Zielorientiertheit, Spaß, jede Menge Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz nötig. Vorbilder können helfen und anspornen. Man sollte sich immer vor Augen halten, warum man etwas machen will, was das Ziel des eigenen Handelns ist. Es ist wichtig, sich Dinge und Tätigkeiten zu suchen, die einen motivieren oder um sich Ruhephasen zu gönnen. Sei es Sport zum Ausgleich oder ein starker Rückhalt im Freundes- und Familienkreis. Auch die gezielte Arbeit mit anderen Ehrenamtlichen hilft, sich selbst zu stärken. Immer wieder wir hier deutlich, wie wichtig es ist, sich gegenseitig zu unterstützen.

Am besten ist es, sich ein Thema zu suchen, für das man brennt und dann Verbündete zu sammeln, die dabei helfen, dieses Thema zu bearbeiten. Eine Mentorin oder ein Mentor kann unterstützen, vor unnötigen Fehlern bewahren und Türen öffnen. Aber Achtung! Wer sich engagiert, kann Gefahr laufen, sich selbst damit zu schaden. Denn die Umgebung wird froh sein, dass es euch gibt und euch immer mehr Verantwortung geben wollen. Und auch ihr selbst könnt euch zu viel zumuten. Darum ist es wichtig, die eigenen Grenzen rechtzeitig zu erkennen und für sie einzustehen. Ein Nein ist erlaubt. Kein Amt, kein Mandat und kein Projekt dieser Welt ist es wert, eure eigene Gesundheit dafür massiv aufs Spiel zu setzen. Zieht die Reißleine rechtzeitig und macht lieber langsamer. Auch kleine Schritte führen dabei zu großem Erfolg und nicht jede muss gleich ins höchste politische Amt streben. Manche fühlen sich auch im Hintergrund wohl.

Frauenrechte sind Menschenrechte. Habt Mut eure Ideen umzusetzen und sucht euch Verbündete, die euch dabei helfen. Bleibt an euren Träumen und Zielen dran, werdet laut und sichtbar und tretet für eure und die Rechte anderer ein. Keine Angst vor dem Politischsein.

Und wie ging es mit der Konferenz aus? Die Resonanz war großartig, der Saal voll, die Menschen begeistert und inspiriert. Auf der Konferenz kamen wir mit erfahrenen Frauen zusammen, tauschten uns aus, inspirierten uns gegenseitig und machten uns stärker. Vielleicht gibt es eine zweite Konferenz in ein bis zwei Jahren. Vielleicht gründet sich ein Netzwerk junger politischer Frauen, welches dann deutschlandweit für ihre Themen eintritt und der Gesellschaft mit weiteren Konferenzen und Veranstaltungen, mit Aktionen und Statements beweist, dass junge Frauen sehr wohl politisch sind.

Dieser Text erschien zuerst auf Sarahs Blog Pallathena Vita. Wir freuen uns, dass sie ihn auch hier veröffentlicht.

Titelbild: Flickr | Nessie Spencer | CC BY-SA 2.0

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