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Selbstmarketing ist nichts für dich? Warum du dich von dieser Ansicht verabschieden solltest

Viele sagen über sich, dass Selbstmarketing nichts für sie ist – weil sie zu schüchtern sind oder weil es ihnen blöd vorkommt. Warum man sich diese Haltung abtrainieren sollte und welchen Mehrwert das hat.

 

Ich und Selbstmarketing? Keine gute Kombi.

„Mich die ganze Zeit selbst in den Himmel loben und mit meinen Joberfolgen prahlen, nur um mich selbst als Marke aufzubauen? Personal Branding ist gar nichts für mich!“ Kennt ihr diesen Gedanken? Damit seid ihr nicht alleine, denn viele verbinden mit dem Begriff des Selbstmarketings etwas Unangenehmes: sich selbst in den Vordergrund stellen, hausieren gehen, Menschen mit seinem Dasein zu belästigen – nur, um daraus einen eigenen Vorteil zu ziehen. Aber ist das wirklich so?

Ganz klar: Nein – auch wenn diese Gefühle nachvollziehbar sind. Denn wer Gutes tut und leistet, sollte einfach darüber reden. Erstens ist das meist für andere viel spannender, als du zunächst vermutest, und zudem können sich dadurch ganz neue Netzwerke aufbauen, die am Ende allen Beteiligten nützen. Zurückhaltung ist sicher noch heute eine Tugend – aber man kann es auch übertreiben. Denn wir dürfen im Leben eben nicht immer erwarten, abgeholt zu werden, sondern müssen selbst loslaufen, um unsere Ziele zu erreichen.

Aber welche sind die Glaubenssätze, mit denen wir uns selbst belügen und die uns von einem gelungenen Selbstmarketing abhalten? Und warum sollte man sie streichen? Erica Breuer ist Personal Branding Coach und hat genau diese Fragen bei The Muse beantwortet.

1. „Ich bin nicht der Typ für eine Website, einen Blog oder ausufernde Social-Media-Präsenz“

„Ich bin einfach nicht der Typ dafür“: Das ist der Satz, den Breuer bei ihrer Arbeit als Coach am häufigsten zu hören bekommt. Meist gefolgt von Aussagen wie: „Ich habe keine Lust, meine privaten Dinge in die Welt zu blasen“ oder „Ich kann mit den typischen Social-Media-Kanälen einfach nichts anfangen“. Und das sagen beileibe nicht nur Leute, die in ihrem Berufsalltag nicht so viel im Netz unterwegs sind – nein, das rutscht auch ganz gerne mal jenen raus, die sich hauptberuflich mit Themen wie digitalem Marketing beschäftigen.

Aber sind das nicht ziemlich gute Gründe, um im Netz kein Selbstmarketing betreiben zu wollen? Ja, natürlich. Aber niemand muss sein Privatestes nach außen kehren, Ausflugsbilder posten oder sich nach der Arbeit regelmäßig hinsetzen, um überlange Blogposts runterzuschreiben, um eine Web-Präsenz zu haben, die für einen aufgeht. Und es geht auch nicht darum, sich panisch überall anzumelden und dann (verständlicherweise) alles auch nur halbherzig zu betreiben. Sucht euch zwei Kanäle, von Xing über Twitter bis zur eigenen Website, die euch Spaß machen und für euch sinnvoll sind – mehr muss es gar nicht sein, um stärker auf sich aufmerksam zu machen!

2. „Man hat mich schon als XY verbucht – jetzt muss ich gar nicht mehr anfangen, mich auf andere Weise zu positionieren“

Ja, sich selbst neu zu positionieren, wenn man sich schon in einer Sache oder Branche einen Namen gemacht hat, ist keine ganz einfache Aufgabe. Und kann man das ab einem bestimmten Alter überhaupt noch, ohne sich lächerlich zu machen? Natürlich kann man das! Wer sich neu aufstellen will, weil man sich neue Interessen und Expertisen angeeignet hat, oder schlicht im aktuellen Job nicht mehr glücklich ist, sollte das auf jeden Fall tun – und es sich schleunigst abgewöhnen, sich selbst vorzubeten, dass es für irgendetwas zu spät sein könnte.

Wir ändern uns alle mit den Jahren und so ist es auch nicht ungewöhnlich, dass wir mit 40 vielleicht einen anderen Job machen wollen als mit 20. Also sprecht mit möglichst vielen Menschen darüber, besucht Panels, twittert zu dem Bereich oder oder oder. Hier gilt es, loszulegen – denn natürlich wird das einige Zeit dauern, aber es ist alles andere als unmöglich. Und der wichtigste Grund: Wir alle sollten mehr von dem tun, was wir lieben.

3. „Web-Präsenz? Ach was, Hauptsache keine negativen Ergebnisse bei der Google-Suche“

Man stelle sich vor, man gibt ein Jobgesuch auf den üblichen Plattformen auf und googelt sich dann selbst, um herauszufinden, was die Personaler wohl sehen werden. Und es passiert so rein gar nichts – außer, dass das Xing- oder Linkedin-Profil aufpoppt. Jetzt sagst du dir, dass das zwar nicht aufregend ist, aber wenigstens auch nichts Schlimmes. Geht doch! Ja, das ist schon ganz OK. Aber was erzählt das über dich? Richtig, nichts. Und wieso sollten sie dann dich und nicht die anderen Bewerber einladen?

Aber wie kann man das ändern? Ganz einfach: Schreibt Beiträge für Seiten, die gut besucht werden. Zieht einen Blog hoch oder beteiligt euch in relevanten Foren an Diskussionen – es gibt einiges, das man tun kann, um die Suchergebnisse positiv zu beeinflussen und das muss noch nicht mal deine komplette Freizeit in Anspruch nehmen. Also: Auch, wenn deine Webpräsenz nicht negativ ausfällt, ist eine quasi nicht vorhandene Präsenz auch nicht wirklich positiv.

4. „Meine Skills stehen für sich – da brauche ich nicht noch extra die Werbetrommel rühren“

Na klar werden deine Erfahrung, deine Fähigkeiten und alles, was du im Job erreicht hast, für sich sprechen – aber auch das läuft eben nicht von ganz alleine. Und vor allem läuft das nicht von alleine, wenn du nicht ganz klar für dich formulieren kannst, welchen Mehrwert deine Skills außerhalb deines aktuellen Jobs haben. Wie man das herausbekommt?

Etwa im Austausch mit anderen – also wenn du über dich und deinen Job sprichst! Oder aber, indem du dich mal wirklich mit deinen erworbenen Fähigkeiten auseinandersetzt. Statt also „nur“ Führungsskills im Lebenslauf anzugeben, wie wäre es, über gute Führung einen Blogeintrag zu schreiben oder darüber mit anderen zu diskutieren? So kann man seine Erfahrungen teilen, dadurch sein Wissen erweitern und erfährt, wo man selbst steht. Denn am Ende zählen im Job die richtigen Netzwerke mindestens genauso viel wie die Fähigkeiten, die man mitbringt. Also lass raus, was du zu bieten hast!

Am Ende geht es doch darum: Macht euch nicht verrückt, aber nutzt die Möglichkeiten, die euch das Netz bietet – und die sind unfassbar vielseitig. Also haltet euch selbst nicht mit falschen Glaubenssätzen zurück, sondern zeigt euch der Welt.

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Silvia hat von 2014 bis zum Herbst 2019 für EDITION F gearbeitet, zunächst als freie Journalistin, dann als Redakteurin und seit dem Jahr 2017 als Redaktionsleiterin. Seit Oktober ist sie freie Autorin und Kolumnistin und schreibt auf EDITION F weiterhin ihre Kolumne „Thirtysomething“. Im März 2019 erschien im Goldmann-Verlag ihr erstes Buch: „A Single Woman: Ein Plädoyer für Selbstbestimmung und neue Glückskonzepte“. Foto: Jennifer Fey

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