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Wieso eine hohe Stimme dir deine Karriere vermasseln kann

Unsere Stimme ist einer der wichtigsten Faktoren gelingender Kommunikation. Und trotzdem einer, der oft unterschätzt wird.

 

Die Stimme macht´s 

Die amerikanische Journalistin und Autorin Jessica Grose hat einmal für das
Wirtschafts-magazin BusinessWeek den CEO eines Unternehmens interviewt. Noch bevor das Interview startete, sprach der ältere Herr die junge Journalistin auf ihre vergleichsweise hohe Stimme an. Sie klinge ja wie seine Enkeltochter, entfuhr es ihm. Soviel war Jessica Grose klar: Das war nicht als Kompliment gemeint.

Unsere Stimme hat einen enormen Einfluss darauf, wie wir von anderen Menschen wahrgenommen werden. Es gibt sechs Faktoren, die unsere nonverbale Kommunikation bestimmen: Stimme, Körperhaltung, Gestik, Mimik, Atmung und Rhythmus. Die Stimmlage ist einer der wichtigsten Faktoren – und einer, der oft unterschätzt wird.

Ungerechte Verteilung der Stimmlage

Hohe Stimmen stehen für Unsicherheit und Inkompetenz. Und da Frauen in der Regel eine höhere Stimme haben als Männer, haben wir es hier mit einer kommunikativen Ungerechtigkeit erstes Ranges zu tun. Als Coach von weiblichen Führungskräften kann ich ein Lied davon singen.

Das Thema spielt vor allem in kommunikativen Stresssituationen eine Rolle. Und davon gibt es in der Arbeitswelt ja nicht wenige: Vorstellungsgespräche, Präsentationen und Vorträge, interne Meetings, Gehaltsverhandlungen, Mitarbeitergespräche usw. Frauen neigen in solchen Stresssituationen erfahrungsgemäß dazu, schneller zu sprechen. Vor allem aber neigen viele dazu, mit der Stimme noch weiter nach oben zu gehen.

Männer dagegen – das haben mir zahlreiche weibliche Führungskräfte berichtet – machen es sich in kommunikativen Stresssituationen oft sehr einfach: Sie schweigen! Das mag stumpf sein, ist aber höchst effektiv. Denn Schweigen gilt, richtig dosiert, als Kompetenzbeweis. Man denkt: Da grübelt jemand, er wägt ab, er überlegt sich ganz genau, was er als nächstes sagt. Vielleicht schweigt da also zwar jemand aus Inkompetenz, aber es fällt gar nicht auf.

Auch die Kommunikation hat sich gewandelt 

Diese Erkenntnisse sind nicht neu (auch wenn sie von vielen zu wenig beachtet
werden). Neu dagegen ist, dass sich die Kompetenzen in der persönlichen
Kommunikation in einer immer digitaler werdenden Arbeitswelt zurückentwickeln. 

Meetings via Skype, Abstimmungen per Mail, Feedback im roten Korrekturmodus, Terminabsprachen im elektronischen Kalender usw.: Ein großer Teil dessen, was früher persönlich besprochen wurde, wird heute zunehmend digital geregelt. Tendenz steigend. Keine Frage, viele digitale Tools haben unseren Arbeitsalltag in den letzten Jahren erheblich erleichtert und manche von uns können sich gar nicht mehr vorstellen, dass Büros im analogen Zeitalter auch irgendwie organisiert wurden. Aber klar ist auch, dass der permanente Gebrauch von Smartphones und Tablets im Job auf Kosten der Fähigkeit zu guter und überzeugender nonverbaler Kommunikation gehen kann.

Was bringt es, wenn man tagelang am Layout seiner Bewerbung sitzt und die Homepage des Unternehmens auswendig lernt, dann aber im Bewerbungsgespräch nicht weiß, wohin mit den Augen, den Händen und dem restlichen Körper? Was sagt das über eine Führungskraft, die zwar präzises Feedback per E-Mail sendet, aber im persönlichen Gespräch im Team niemanden zu überzeugen weiß? Und was bringt mir die perfekte inhaltliche Vorbereitung einer Präsentation, wenn in der stressigen Vortragssituation die Stimme um eine halbe Oktave nach oben geht und mir die Zuhörer – ob sie wollen oder nicht – einen Teil meiner Kompetenz absprechen?

Die Stimme lässt sich trainieren

Da wären wir wieder beim Thema Stimme. Jessica Grose hat nach ihrem Interview tatsächlich professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Sie hatte nicht nur von dem eingangs erwähnten Geschäftsmann, sondern auch von anderer Seite kritisches Feedback zu ihrer vermeintlich hohen Stimme gehört.

Und die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher soll ihre Stimme mit professioneller Hilfe sogar dauerhaft um mehr als eine halbe Oktave gesenkt haben, um kompetenter zu wirken. Das aber ist auf Dauer sicher keine Lösung. Denn das A und O der richtigen Körpersprache ist Authentizität. Ja, auch die muss man trainieren – aber es lohnt sich.


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