Foto: Maria Schiffer

Katharina Kurz: „In der Craft Beer-Szene gibt es super viele engagierte Frauen“

Katharina Kurz ist eine der wenigen Unternehmerinnen in Deutschland, die sich der Bier- und Braukunst verschrieben haben. Im Interview erzählt sie über ihren Quereinstieg in die Craft-Beer-Szene und von den Erfahrungen, die sie als Mitgründerin von BRLO gemacht hat.

 

Wie wird man zur Marke?

German Ipa, Brazilian Blowout, Berliner Weiße – Katharina Kurz braut mit ihrem Team im BRLO Brwhouse seit vier Jahren Jahren ausgefallene Biere, die Marke selbst gibt es schon seit Anfang 2014. Katharina ist Mitgründerin des jungen Craft Beer-Startups mit Sitz in Berlin. Im Interview erklärt sie, wie sie durch ihre Leidenschaft zu Bier auf Idee kam ein Unternehmen zu gründen und welche Skills wichtig sind, um eine Marke langfristig zu etablieren – übrigens auch Wissen, dass sie bei unserem FEMALE FUTURE FORCE DAY weitergibt. Zudem spricht sie über ihren beruflichen Alltag als Gründerin und wie es ist, sich als Frau in einer Männerdomäne zu behaupten und eine Branche zu bewegen.

Wie kamst du auf die Idee, deine eigene Biermarke zu gründen?

„Die Idee kam mir auf Reisen in Australien. Ich hatte dort riesigen Spaß an der Biervielfalt und der Kreativität der lokalen Craft Biere. Ich dachte mir: So etwas fehlt in Deutschland und das würde ich gerne mal als kleines Nebenprojekt machen. Wieder zurück habe ich Christian, einen Freund aus Studienzeiten getroffen. Er wollte sich eigentlich als Vater-Sohn-Hobby mit seinem Papa das Brauen beibringen. Zusammen sind wir einfach mal losgelaufen und haben kurze Zeit später Michael, unseren Braumeister kennen gelernt. Zu dritt haben wir dann gegründet. Aus ,wir schauen mal wie weit wir kommen‘ ist dann BRLO entstanden.“ 

Nimmst du die Branche noch als Männerdomäne wahr?

„Insgesamt ist die Bierbranche schon recht männlich geprägt. Das stört mich vor allem in der Werbung, das ist manchmal schon sehr sexistisch und belächelnd. Ich habe aber das Gefühl, dass sich das mit der Craft Beer-Szene ein wenig ändert. Dort gibt es viele super engagierte Frauen, ob als Brauerinnen, Journalistinnen, Barkeeperin oder eben als Bierfan. Für mich ist wichtig, dass BRLO eine Marke für alle ist. Weder zu weiblich noch zu männlich. Das spiegelt sich in unserem Design, in unserer Kommunikation und auch in der Zusammensetzung unseres Teams wider. Ich glaube nur so ändert sich etwas, wenn man mit gutem Beispiel selbstverständlich voran geht.“  

Inwiefern haben dir deine Erfahrungen im Bereich Marketing und Management als Quereinsteigerin geholfen, was die Gründung und Etablierung von BRLO anging?

„Diese Erfahrung hat mir schon sehr geholfen, muss ich sagen. Man hat einfach eine gewisse Herangehensweise an Dinge und ein Grundverständnis, auf welche Aspekte es neben der Produktion ankommt, wie etwa Packaging, Pricing und Operations. Und im Umkehrschluss vielleicht auch eine gewisse Ruhe, wenn mal etwas schief geht. Ich denke schon, dass wir durch unsere Komplementarität im Gründerteam einen großen Vorteil haben.“ 

Was war dein größtes Learning als Unternehmerin bisher?

„Ehrlich gesagt ist eines der größten Learnings, dass man sich mit Hingabe, Begeisterung und Durchhaltevermögen in alles einarbeiten kann und sich nicht vor Neuem scheuen muss. Wir waren komplette Quereinsteiger beim Bier brauen und hatten auch von Gastronomie keine Ahnung. Jetzt haben wir auch einen erfolgreichen Gastronomiebetrieb. Mal schauen, was uns als nächstes einfällt.“

Mochtest du Bier schon immer gerne?

„Schon immer! Ich komme schließlich aus Franken.“

Was kannst du jungen Gründerinnen und Gründern mitgeben, wenn es darum geht eine eigene Marke aufzubauen?

„Die Marke und das Storytelling muss wirklich authentisch sein, gerade bei einer B2C-Marke. Jeder von uns hat seine Ideen und seine Persönlichkeit mit in diese Marke eingebracht, wir Gründer*innen waren untrennbar mit BRLO verschmolzen. Irgendwann ist es aber auch wichtig, dass die Marke lernt, auf eigenen Füssen zu stehen. Daran muss man konsequent arbeiten.“


Die Frau und ihr Bier. Quelle: Seren Dal

Frauen gründen noch immer weniger als Männer. Kannst du aus deiner Erfahrung erzählen mit welchen Herausforderungen und Sorgen auch du konfrontiert wurdest? Welche haben sich vielleicht auch nicht bestätigt?

„Ich glaube, ich hatte am Anfang ganz normale Sorgen und eine gewisse Angst vor dem Scheitern. Aber das muss man schnell ablegen, sonst kommt man auch nicht weiter und trifft nicht die richtigen Entscheidungen. Ich weiß nicht genau, inwiefern sich da die Gründungssorgen bei Männern und Frauen unterscheiden. Am Ende stehen wohl alle vor ähnlichen Herausforderungen, aber ich hoffe natürlich sehr, dass mehr Frauen den Schritt in die Gründung wagen werden.“

Wer oder was motiviert dich jeden Tag zur Arbeit zu gehen?

„Mein Team und die Freude an Bier und BRLO. Als ich noch in einem Corporate-Job war, hab ich mich immer total auf das Wochenende gefreut. Seit der Gründung ist mir das eigentlich egal. Ich freue mich wirklich jeden Tag, in die Brauerei zu fahren.“ 

Warum ist es wichtig, nicht nur im Netz zu diskutieren, sondern auch im echten Leben zusammen zu kommen?

„Die Härte von Diskussionen im Netz erschreckt mich oft und lässt eine empathische Komponente oft vermissen, indem man sich hinter einem Bildschirm oder Smartphone versteckt. Im echten Leben ist man da doch nochmal bedachter. Ich glaube ja im Übrigen fest daran, dass Bier Menschen verbindet, genauso wie gutes Essen, und die Welt wirklich ein kleines Stück besser machen kann.“ 

Hast du eigentlich noch Lampenfieber, wenn du öffentlich sprichst? Und wenn ja, wie gehst du damit um?

„Ein bisschen Lampenfieber hat man ja immer und ich glaube, das ist auch gut so. Aber ich spreche gerne öffentlich. Ein bisschen vorbereiten und ein paar Mal tief durchatmen.“ 

Was sind deine Pläne mit BRLO in Zukunft?

„Wir haben noch viel vor und möchten mit BRLO weiterhin wachsen. Unter anderem könnten wir uns noch mehr Gastronomielocations vorstellen. Außerdem wollen wir uns weiterhin für die Biervielfalt in Deutschland einsetzen.“

In eigener Sache: Katharina Kurz wird auch als Speakerin beim FEMALE FUTURE FORCE DAY am 25. August dabei sein und eine Session zum Markenaufbau von BRLO machen. Für alle, die mit in Berlin dabei sein wollen: Mit dem Rabattcode WORDLOVE könnt ihr jetzt 111 Euro beim regulären Ticketpreis sparen! Hier findet ihr das gesamte Programm.

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