Foto: Tanja Heffner | Unsplash

Was Frauen ab 30 nicht mehr tragen dürfen

Was dürfen Frauen ab ihren 30ern überhaupt noch tragen? Geschweige denn in einem höheren Alter? Wie es scheint, ist das gar nicht so einfach – wir sagen euch, was noch geht und was nicht.

Entschuldigung, aber Tüll-Röcke und Shorts gehen mit 30 nun wirklich nicht mehr!

Kurze Shorts? Also die sind ab dem Alter von greisigen 30 Jahren ja nun wirklich nicht mehr erlaubt – schließlich wirkt das peinlich auf jung getrimmt und geht das überhaupt noch mit dem Zustand der Oberschenkel überein? Fragwürdig. Selbiges gilt auch für Frauen ab etwa 50 Jahren, die sich erlauben, ein ärmelloses Top zu tragen – die Oberarme weisen nämlich in diesem Alter häufig eine weiche Beschaffenheit auf, die nun wirklich lieber im Verborgenen sein sollte. Bitte belästigt uns nicht mit einem Körper, der nicht dem feuchten Traum eines 15-Jährigen entspricht, ja? Denn eine Frau hat sich so anzuziehen, dass sie durch ihr Äußeres angenehm auffällt. Ach ja, ab einem bestimmten Alter sollte es neben der Knappheitsfrage dann auch generell nicht mehr zu niedlich sein, Tüll-Röcke und Blümchen-Blusen wirken einfach zu mädchenhaft. Und von BH’s wollen wir hier gar nicht anfangen – die Schwerkraft können wir akzeptieren, sehen wollen wir die Ergebnisse davon aber nicht.

So, wem ist beim Lesen dieser Zeilen noch die Galle übergegangen? Tja, mir beim Schreiben auch – und doch wird hier nur wiederholt, was tatsächlich komplett ironiefrei so an Meinungen und Artikeln durch den Alltag wabern. Was Frauen dürfen und was nicht, dazu hat ja jeder eine (ungefragte) Meinung. Ganz besonders, wenn es um Kleidung im Zusammenhang zu Alter und Körperbild geht. Aber es geht nicht nur um die Frage, was man alles nicht mehr, sondern auch noch nicht darf.  So wurde mir, die ich mich ebenfalls in diesem „kritischen“ Alter der 30er befinde, neulich gesagt, der Ring, den ich trage (mit einem großen grünen Stein) sei viel zu madamig für mich, das sollte ich mir mal für spätere Lebensjahre aufheben. Ah, ha. Am besten geht man als Frau ab 30 Jahren (oder wahrscheinlich schon wesentlich früher) gar nicht mehr aus dem Haus, denn scheinbar kann man es ja nur falsch machen.

Und ja, das war ein Mann, aber derlei Expertenmeinung kommt auch von Frauen, das hat nichts mit dem Geschlecht, vielmehr aber mit der scheinbar allgemeinen Freude an der Beschneidung der Freiheit des anderen zu tun – die im Übrigen über kurz oder lang vor allem zu einem führt: sich damit auch selbst in seiner Freiheit zu beschneiden.

Hohes Gericht spielen – geht euch da einer ab?

Ja, vielen scheint tatsächlich bei der Feststellung „Das geht gar nicht, das darf die in dem Alter echt nicht mehr!“ einer abzugehen. Einmal am Tag das Hohe Gericht spielen tut dem Ego eben wahnsinnig gut und lenkt davon ab, dass man sich wahrscheinlich selbst Stunden zuvor schon darüber aufregen musste, dass jemand einem versucht hat zu sagen, was man als Frau, Mutter, Chefin, Schwester, Freundin und so weiter und so fort alles dürfe und was nicht.

Ich erinnere mich übrigens in dem Zusammenhang immer wieder liebevoll an den Moment zurück, als ich die Mutter einer Freundin von mir kennenlernte, die zu unserem Kaffee-Date am Nachmittag blauen Glitzer-Lidschatten und ein (je nach Bewegung) bauchfreies Mickey Maus-Shirt trug. Sie war zu dem Zeitpunkt 62 und es scherte sie einen feuchten Kehricht, ob sie deshalb schräg angeschaut wird. Ziemlich cool – aber ziemlich uncool, dass das überhaupt erwähnenswert ist. Sie erntete natürlich viele Blicke, aber keine abfälligen Kommentare – was daran liegen mag, dass sie eine sehr schlanke Frau ist. Denn man hätte sicher die Sekunden zählen können, bis dergleichen passiert wäre, wenn eine Frau jenseits einer Konfektionsgröße 40 das Outfit getragen hätte.

Kein Wunder, das ist nämlich gesellschaftlich total tragbar. Wie oft ist doch von Frauen zu lesen, die tollerweise alles tragen können, obwohl sie „schon“ über 60 sind, weil man ihnen weder ihr Alter an der Haut ablesen kann, noch sie uns mit Speckrollen belästigen. Es ist einfach nur zum kotzen, um es mal sehr deutlich zu formulieren.

Zieht an worauf ihr Lust habt!

Vielleicht überlassen wir die Entscheidung über das, was man sich anziehen will, mal wieder jedem selbst – im Privaten sowieso und warum sollten wir hier im Beruf nicht auch etwas lockerer werden? Wieso es nämlich überhaupt nicht von Interesse ist, ob etwa eine Geschäftsführerin oder eine Aufsichtsrätin, ein Kostüm oder eine Jeans mit Sneakers trägt, hat TLGG-Mitgründerin Fränzi Kühne (die auch jüngste Aufsichtsrätin Deutschlands ist) sehr schön in einem Interview mit der Zeit erklärt. Ist ja auch ganz simpel, schließlich zählen Fähigkeiten mehr als das richtige Outfit … ! Ah, mein Fehler, da sind wir ja noch nicht. Aber wir könnten es durchaus schaffen, da hin zu kommen, wenn denn alle mitziehen.

Also bitte: Egal wie alt ihr seid und egal welche Figur ihr habt: Zieht um Gotteswillen immer genau das an, auf das ihr Bock habt und „belästigt“ bitte unbedingt alle mit eurem Körper. Denn hierbei verhält es sich aller Wahrscheinlichkeit nach wie mit einem Trend: Wenn man es oft genug gesehen hat, wird es Mainstream und ist keine Erwähnung mehr wert. Und wie wundervoll wäre das denn? Aber selbst wenn nicht: Unser Outfit ist verdammt nochmal unser eigenes Business.

Quelle: Giphy

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