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Pamela Reif:„Man könnte denken, ich sei langweilig – ich nenne es zielstrebig“

Instagram ist nur ein Hobby? Nicht für Pamela. Die 19-jährige hat sich mit ihren zwei Millionen Followern ihr eigenes Fitness-Business erschaffen. Im Interview erzählt sie, wie man es als junge Frau schafft, seine Ziele zu erreichen, egal was andere von einem erwarten.

 

Als Vorbild für andere junge Frauen trägt man eine große Verantwortung!

Eine richtige Bezeichnung für das, was sie ist, kennt die 19-jährige Pamela selbst nicht. Manche nennen sie Fitness-Model, andere würden sie als
„Social-Media-Influencerin“ bezeichnen. Mit ihren zwei Millionen Instagram-Followern hat sie es geschafft, sich ihr eigenes erfolgreiches Business aufzubauen und die Idee, nach dem Abitur ein Studium zu beginnen, vorerst auf Eis gelegt.

In einem gemeinsamen Gespräch erzählt sie uns, wieso sie glaubt, dass andere junge Frauen gern so wären, wie sie und erklärt, weshalb es wichtig ist, dass man sich in dem Bereich verwirklicht, der einem am meisten Spaß bereitet.

Deinen Instagram-Account gibt es schon seit drei Jahren, jetzt sind auch die Medien verstärkt auf dich aufmerksam geworden. Was hat sich dadurch für dich verändert?

„Als ich vor ein paar Jahren mit Instagram angefangen habe, war es zunächst bloß ein Hobby, Videos und Fotos von mir und meinem Fitness-Programm zu posten. Als ich gemerkt habe, dass sich sehr viele junge Frauen dadurch angesprochen fühlen, bin ich die Sache professioneller angegangen. Dass die Medien derzeit ein großes Interesse an mir zeigen, ist sehr schön, aber die zwei Millionen Follower hatte ich mir bereits selbst erarbeitet.

Was in der letzten Zeit aber verstärkt dazu gekommen ist, sind die vielen Reisen und Events, auf denen ich unterwegs bin. Bis gestern war ich zum Beispiel gemeinsam mit National Geographic für eine gemeinsame Kampagne in San Diego und in L.A., bei der es darum ging, wie man die Weltmeere schützen und den Plastikkonsum reduzieren kann. Erfahrungen wie diese sind super, weil ich mich so als Instagrammerin auch für tiefgründigere Themen einsetzen kann.“

Wenn man dich googelt, erscheinen als erstes Schlagzeilen wie: „Diese 19-jährige macht trotz ihres Einser-Abis Karriere als Fitness-Model.“ Wie stehst du dazu, dass viele einen Widerspruch in deinem Lifestyle erkennen?

„Ich denke, dass sehr viele Menschen meine derzeitige Karriere als eine Art Widerspruch sehen, weil ich mich nicht für den klassischen Weg entschieden habe, den andere mit einem Einser-Abi einschlagen würden. Anstatt mich an einer Uni einzuschreiben, habe ich meine Hobbys zum Beruf gemacht. Ich denke einfach, dass man als Frau heutzutage die Möglichkeiten nutzen sollte, das zu machen, was man gerne macht und nicht das, was andere von einem erwarten.“

Warum sehen so viele andere junge Frauen ein Vorbild in dir?

„Auf meinem Blog sind 90 Prozent meiner Leser weiblich. Wie ich an ihrem Feedback erkenne, interessieren sich die meisten davon für Themen, bei denen es um die eigene Motivation geht: Wie hält man sich im Alltag fit, wie kann man sich als junge Frau gesund ernähren? Darüber hinaus bekomme ich aber auch häufig Fragen, die sich auf das Thema Schule beziehen, weil viele wissen möchten, wie ich es geschafft habe, Schule und Fitness unter einen Hut zu bekommen und in beiden Bereichen Bestleistungen zu erbringen. Ich glaube, das hat viele in meinem Fall beeindruckt.“

Vor kurzem habe ich ein Fernsehinterview mit dir gesehen, in dem du gesagt hast, dass man dich vielleicht als „langweilig“ bezeichnen könnte. Wieso denkst du das?

„Ich würde nicht sagen, dass ich von meiner Persönlichkeit her langweilig bin. Ich wollte damit nur sagen, dass ich im Gegensatz zu vielen anderen in meinem Alter, die gerne feiern gehen und mal einen draufmachen, sehr vernünftig bin. Ich gehe nie feiern, ernähre mich gesund, trinke keinen Alkohol, mache viel Sport und rauche nicht. Man könnte das langweilig nennen, ich finde, dass ich zielstrebig bin. So war ich schon immer. Damals in der Schule und heute auf Instagram.“

Wie waren die Reaktionen deiner Freunde und Familie, als du gesagt hast, dass du nach dem Abi erst einmal kein Studium anfängst?

„Die Entscheidung, nach dem Abi nicht gleich mit einem Studium zu beginnen, hatte eigentlich nichts mit Instagram zu tun. Das kam vor allem daher, dass ich nicht wusste, was ich studieren sollte. Ich habe mich an verschiedenen Unis umgesehen, aber keinen Studiengang gefunden, von dem ich so richtig überzeugt war. Deshalb habe ich mir überlegt, ein halbes Jahr Pause zu machen, um mir in meiner Entscheidung sicherer zu werden. Aus dem halben Jahr wurde dann aber ein Jahr, in dem ich mich stark auf Instagram konzentrieren, häufiger zum Sport gehen und mich noch intensiver über das Thema Fitness und Ernährung informieren konnte und mir meine Community aus tollen Frauen aufgebaut habe.“

Ist dein Instagram-Account inzwischen zu einem richtigen Job geworden oder siehst du es noch immer als ein Hobby?

„Im Prinzip ist Instagram inzwischen ein echter Vollzeitjob. Ich arbeite sieben Tage die Woche an meinem Account. Einen freien Tag gibt es nicht, auch wenn ich ihn mir natürlich nehmen könnte. Da es sich bei all dem, was ich dort mache, aber gleichzeitig um die Dinge handelt, für die ich mich schon immer interessiert habe, fühlt es sich nie wirklich nach Arbeit an. Fitness und Ernährung waren schon immer meine Hauptinteressen und ich liebe es, Bilder zu machen und Styling- Tipps an andere weiterzugeben. Natürlich steckt hinter all dem ein Businessmodell, aber ich habe auch eine Menge Spaß.“

Schaffst du es, auf alle Kommentare unter deinen Fotos und Videos einzugehen und Fragen zu beantworten?

„Ich lese immer alles durch, was unter meinen Beiträgen gepostet wird, weil ich es total wichtig finde zu erfahren, was meine Follower über mich und meine Arbeit denken. Auf alles zu antworten, schaffe ich allerdings meistens nicht, daher versuche ich die am häufigsten gestellten Fragen zu sammeln und diese anschließend in einem Blog-Post zu beantworten.“

Was sind die am häufigsten gestellten Fragen, die du von anderen jungen Frauen gestellt bekommst?

„Zum einen bekomme ich viele Fragen, die sich auf mein Aussehen beziehen, wie zum Beispiel: Welche Wimperntusche benutzt du? Oder: Woher ist das Top, das du da anhast? Dazu kommen auch einige sehr konkrete Fragen, wie: Wie sieht dein Trainingsplan aus? Wie ernährst du dich? Wie viele Kalorien isst du am Tag? Zum Teil bekomme ich auch sehr lange Mails von Mädchen zugeschickt, die mir von ihren Gewichtsproblemen erzählen und wissen möchten, wie sie ihren Körper wieder in den Griff bekommen.“

Bist du dir deiner Vorbildfunktion immer bewusst, wenn du Fotos und Videos von dir postest oder ist es manchmal ein komisches Gefühl, dass andere so sein möchten, wie du?

„Den Auswirkungen, die meine eigenen Bilder in der Öffentlichkeit haben, bin ich mir auf jeden Fall bewusst. Ich würde nie irgendetwas auf Instagram posten, das ich im Nachhinein bereuen würde. Ein komisches Gefühl ist es nicht, dass sich so viele junge Mädchen ein Vorbild an mir nehmen, aber es ist schon eine große Verantwortung, wenn man die vielen Mails mit den persönlichen Geschichten anderer erhält. Oft musste ich in meinen Antworten erklären, dass ich kein Arzt bin und anderen nicht aus ihrer Magersucht heraushelfen kann. Ich kann lediglich Tipps geben, die auf meinen eigenen Erfahrungen beruhen und hoffe, dass sie der ein oder anderen helfen.“

Die Medien vergleichen dich gerne mit dem US-Star Kendall Jenner, die ebenfalls sehr erfolgreich mit ihrem Instagram-Account ist. Freust du dich über solche Vergleiche oder siehst du selbst keine großen Parallelen?

„Der Vergleich freut mich total, weil ich ehrlich gesagt ein großer Fan von den Kardashians bin. Ich finde es beeindruckend, was sie sich mit der Zeit selber aufgebaut haben. Allerdings glaube ich nicht, dass Kendall und ich eins zu eins miteinander vergleichbar sind, weil wir in unterschiedlichen Bereichen aktiv sind. Kendall ist außerdem ein Model und das bin ich nicht.“

Als was siehst du dich selbst, wenn nicht als Model?

„Viele meiner Fans und die Medien bezeichnen mich als Fitness-Model 
das stimmt auch irgendwo, allerdings würde ich mich selbst nicht als solches bezeichnen. Ich weiß selbst nicht so recht, wie man das nennen kann, was ich mache. In Amerika würde man sagen, dass ich eine Social Media-Influencerin bin, aber einen richtigen Begriff gibt es meiner Meinung nach nicht.“

Oder noch nicht. Der Fitness-Trend auf Instagram hat in letzter Zeit ja ziemlichen Zuwachs bekommen. Hast du dennoch manchmal Angst, dass der Erfolg mit einem Mal abklingen könnte, weil etwas anderes angesagter ist?

„Es kann natürlich immer passieren, dass der Fitness-Hype auf Instagram vorbei oder Instagram selbst plötzlich out ist. Es wäre naiv von mir zu denken, dass es für immer so weitergeht, wie es bisher läuft. Man sollte immer zusehen, dass man sich parallel noch andere Standbeine aufbaut oder irgendwann sein eigenes Business mit eigenen Produkten gründet, die auch ohne den Einfluss von Social Media bestehen können. Ich persönlich finde es total wichtig, diese Dinge gleich am Anfang mit zu bedenken.“

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