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Think big: Wieso wir uns viel höhere Ziele setzen müssen

Für Frauen ist es immer noch deutlich schwerer, wirklich Karriere zu machen – wie soll sich das auch ändern, wenn wir selbst nicht daran glauben?

 

Der sichere Weg 

Nach dem Abitur war es mir überlassen, ob ich studiere oder eine Lehre mache. Allerdings sollte ich am liebsten „Zuhause” in der Heimatstadt studieren und vor allem einen mittelständigen „weiblichen” Beruf, wie Lehrerin, Bank- Versicherungs- oder Bürokauffrau, erlernen. Ich wollte nie den geradlinigen Weg zum Ziel, der hätte mich gelangweilt. Stattdessen wollte ich reisen und experimentieren. Im Ausland arbeiten und studieren, am besten in verschiedenen Ländern. Das tat ich auch, jedenfalls soweit es möglich war. 

Ich entschied mich vor meinem Studium für eine schulische Ausbildung, weit entfernt von meiner Heimatstadt, um anderen, aber vor allem mir selbst zu beweisen, dass ich es alleine schaffen kann. Und ich entschied mich, trotz einer festen Beziehung, für eine gewisse Zeit ins Ausland zu gehen, um dort zu arbeiten. 

Immer wieder Neues wagen

Zurück in Deutschland hatte ich einen sicheren Job in einem Konzern. Ich habe mich getraut, neue Herausforderungen und damit neue Rollen anzunehmen, denn etwas Neues beginnen bedeutet, dass man seine Komfortzone verlässt. Auch noch als ich Mutter wurde. Allerdings hatte ich nie einen Aufstiegsdrang in die Chefetage. Die meisten Frauen, die es vorher nicht gewesen sind, werden spätestens mit der Geburt des erstens Kindes als berufstätige Mutter zurückhaltender. Oder dieser neue Lebensabschnitt erweckt eine Chance und die Lust, etwas Anderes zu wagen. Ich habe die Festanstellung vor einigen Jahren aufgegeben und mich für die Selbständigkeit entschieden. Auch dies war einer meiner unverschämten Träume. 

Ich berate heute viele junge Frauen und Männer auf Ihrem Karriereweg. Was mir an jungen Frauen auffällt ist, dass es ihnen manchmal an Visionen, an langfristigen Zielen. Viele verlassen noch nicht mal beim Definieren von Zielen ihre Komfortzone. Frauen sollten unverschämt große Träume haben, das gibt ihnen Energie, trotz Ungleichheit in den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen, weiterzumachen und nicht aufzugeben. 

Hilfe zur Selbsthilfe

Folgende Tipps möchte ich jungen Frauen und Müttern mitgeben:

1. Nicht so zögern! 

Traut euch, Dinge zu wagen. Auch wenn sie vielleicht nicht auf Anhieb klappen, ist das kein Versagen. Zweifel und Ängste sind normal, darüber zu reden, hilft. Glaub an deine Träume und arbeite daraufhin, diese zu erreichen.

2. Nicht so bescheiden! 

Ihr wollt nach eurer Leistung bezahlt und bewertet werden? Dann zeigt eure Leistung und redet darüber! Es ist sicherlich gut für die eigene Reputation, die Leistung auch mal etwas unter eurem Wert anzubieten, sofern ihr noch nicht bekannt für euer Können seid. Allerdings sollte das nur zur Selbstpräsentation –was nicht bezahlt wird, ist wenig wert.

3. Nicht alleine Verantwortung für Familienaufgaben übernehmen! 

Genau wie zum Kinderkriegen, gehören auch beide Elternteile zur Erziehung der Kinder, also zu den Familienaufgaben, dazu. Auch wenn junge Paare schon vor dem Elternsein ihre Rollen definiert haben mögen, Karrieren entwickeln sich mit der Zeit. Es kann sein, dass einer von euch beiden ein lukrativeres Jobangebot bekommt, das man fürs Aufpolstern des Haushaltsbudgets vielleicht nicht abschlagen sollte. Derjenige, der das niedrigste Einkommen nach Hause bringt, übernimmt oft die Familienaufgabe. Und meistens ist das leider noch die Frau. Das muss aber nicht so sein. Hilfreich ist auch ein funktionierendes Netzwerk aus anderen Müttern, Babysittern und Familie. 

Diese drei Punkte gelten sowohl für berufstätige Frauen, die Karriere machen möchten, als auch jene, die nach der Geburt des Kindes mit ihrer Rolle als Familienmanagerin glücklich sind. Traut euch gegenüber eurem Partner zu sagen, was euch nicht passt, welche Leistungen ihr täglich bewältigt und gebt ihnen mehr Familienverantwortung. Lasst euch für eure Leistungen entlohnen. Auch nicht berufstätige Mütter haben Ansprüche – und dürfen diese auch formulieren! 

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