Foto: Leah Kunz

„Was hat die Wirtschaft von der Frauenquote?“ ist die falsche Frage

Was haben Menschen von der Wirtschaft? – diese Frage findet unsere Chefredakteurin relevanter. Ein Kommentar

Was hat die Wirtschaft von der Frauenquote? Diese Frage zu beantworten ist leicht. Teams, die aus Menschen verschiedener Geschlechter bestehen, sind erfolgreicher. Studien zeigen: Firmen, in denen Frauen führende Positionen innehaben, erwirtschaften mehr Gewinn. Ohne gesetzliche Quote, so haben die vergangenen Jahrzehnte gezeigt, klappt die Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit in Führungspositionen nicht.

Wer die besten Personen für Jobs will, braucht also die Frauenquote. Allerdings reicht sie noch lange nicht. Denn statt danach zu fragen, warum die Frauenquote für die Wirtschaft wichtig ist, ist doch die viel relevantere Frage: Was hat die Gesellschaft, was haben wir Menschen von der Wirtschaft?

„Was haben Menschen von der Wirtschaft?“

Mareice Kaiser

Diese Frage zu beantworten ist wesentlich komplexer – und wichtiger. Denn aktuell hat nur ein Teil der Gesellschaft etwas von unserem Wirtschaftssystem. Einen anderen Teil Menschen macht es psychisch und/oder körperlich kaputt. Die Profiteure unserer Wirtschaft sind vorwiegend weiße Männer in Führungspositionen. Und zwar häufig auf dem Rücken von Frauen, die mit ihrer (oft unsichtbaren, oft schlecht oder gar nicht bezahlten) Care-Arbeit für die Basis von Wirtschaft und Wohlstand sorgen. Um das zu ändern, braucht es mehr als eine gesetzliche Frauenquote für Vorstände.

Ein gutes Leben für alle

Es braucht eine Revolution des Wirtschaftssystems. Es kann und darf nicht mehr darum gehen, wer den höchsten Gewinn in kürzester Zeit macht. Stattdessen muss es darum gehen, dass Menschen ein gutes Leben führen können – und zwar alle und nicht nur ein privilegierter Teil. Unabhängig von Merkmalen wie Geschlecht, Herkunft, Bildung, Behinderung, sexueller Orientierung oder Alter.

Deshalb braucht es mehr als eine gesetzliche Frauenquote. Wir brauchen eine Vielfaltsquote, die über das Merkmal Geschlecht hinausgeht, und zwar bereits ab der Kita. Sonst wird es nie Chancengerechtigkeit für alle geben. Wir brauchen eine Quote, in der alle Merkmale Berücksichtigung finden, aufgrund derer Menschen strukturell benachteiligt werden (s.o.).

Wir brauchen gesetzliche Vorgaben für die soziale und ökologische Wirkung von Produkten und Unternehmen. Für die Bemessung des Erfolgs eines Unternehmens müssen diese Parameter mindestens so wichtig sein wie Umsatz und Gewinn.

Fragen, die wir uns stellen sollten: Geht es Menschen besser, wenn es dieses Produkt gibt? Welchen Menschen geht es dann besser? Wie geht es den Menschen, die für dieses Produkt arbeiten?

Wir sollten nicht fragen, was wir für die Wirtschaft tun können, sondern was die Wirtschaft für Menschen tun kann – und sollte.

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Die Frage „Was hat die Wirtschaft von der Frauenquote?“ wurde unserer Chefredakteurin von turi2 gestellt. Ihre Antwort erschien in turi2 edition #13.

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Mareice Kaiser setzt sich für einen Journalismus ein, an dem alle teilhaben können, an dem alle beteiligt sind und in dem alle vorkommen – seit März 2020 als Chefredakteurin bei EDITION F. Ihre Themen: Inklusion, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, Chancengerechtigkeit.

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