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Equal Care Day: damit noch mehr Männer auch sonntags gerne staubsaugen

Am 29. Februar ist Equal Care Day. Aber: Damit alle gemeinsam darüber nachdenken können, wie Fürsorgearbeit besser wertgeschätzt und verteilt werden kann, müsste erstmal dafür gesorgt werden, dass Menschen auf breiter Ebene überhaupt wissen, wo das Problem liegt, findet unsere Redakteurin Lisa Seelig.

Anders anstrengend

Neulich so, Small Talk mit der Gynäkologin während sie mit dem Ultraschall herumfuhrwerkt, das Übliche, wie läuft’s mit dem Beckenboden, wie läuft’s mit den Kindern, jaja, ist schon viel alles, Arbeit und Kinder, sie so: „Ja, da hatten unsere Mütter schon ein einfacheres Leben“, kurze Überlegung meinerseits, ob dieser Ultraschall nun lang genug dauern wird, um in die Debatte einzusteigen? Glücklicherweise nicht, aber während ich in die Umkleide schlurfe, wende ich noch schnell ein: „Naja, leichter vielleicht nicht, eher anders anstrengend …“

Warum ich das erzähle? Heute, am 29. Februar, ist Equal Care Day. Vielleicht meinte meine Gynäkologin mit „einfacher“ das: Damals, also vor ein paar Jahrzehnten, mussten sich Mütter in der Regel nicht mit der Frage herumschlagen, wie sie Kinder, Hausarbeit, Job und womöglich noch ein bisschen Selbstfürsorge miteinander kombinieren könnten. Sie waren mit den ersten beiden Punkten gut ausgelastet. Der Rest war nicht vorgesehen. Mit der Selbstfürsorge sieht es bei vielen Frauen auch heute noch mau aus, dafür haben sie den Punkt „Job“ dazubekommen.

Zwölf Milliarden unbezahlte Stunden

Am Equal Care Day soll auf die unfaire Verteilung von Care-Arbeit in unserer Gesellschaft aufmerksam gemacht werden. Und darauf, dass Fürsorgearbeit entweder gar nicht (zu Hause) oder sehr schlecht (wenn man das als Job macht) bezahlt wird. Die Zahlen einfach und bedrückend zusammengefasst: Laut einer aktuellen Studie von Oxfam leisten Frauen und Mädchen täglich weit über zwölf Milliarden Stunden unbezahlte Haus-, Pflege- und Fürsorgearbeit. Würde man ihnen nur einen Mindestlohn für diese Arbeit zahlen, wären das umgerechnet über elf Billionen US-Dollar pro Jahr. „Die bittere Wahrheit ist: So bereichernd Pflege- und Fürsorgearbeit für die Gesellschaft ist, so arm macht sie viele Frauen, die sie leisten“, heißt es in der Studie.

Die Rechnung ist einfach: Wenn Frauen sich um ihre Kinder oder den Haushalt kümmern, können sie in dieser Zeit keiner bezahlten Beschäftigung nachgehen. „Nicht arbeiten“, heißt es auch gern, dabei ignorierend, dass Hausarbeit, Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen natürlich nichts anderes ist als Arbeit – nur ohne Geld dafür zu kriegen.

Wo fängt Arbeit eigentlich an?

Die neusten Zahlen für Deutschland: Laut einer aktuellen Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung beträgt die Erwerbsquote von Frauen mittlerweile 72 Prozent und liegt damit nur noch acht Prozentpunkte niedriger als die der Männer. Vor 20 Jahren waren nur 57 Prozent der Frauen erwerbstätig. Großes Aber dabei: Frauen stellen zwei Drittel der Minijobber*innen und nur ein Drittel der Selbstständigen. 46 Prozent der Frauen arbeiten Teilzeit, aber nur elf Prozent der Männer. Wie wir wissen, kippt es besonders dramatisch, sobald Kinder ins Spiel kommen. Dann arbeiten fast alle Männer (95 Prozent) Vollzeit, aber nicht mal ein Drittel der Frauen.

Laut diesen Zahlen von 2012/2013 verbringen Frauen durchschnittlich 45 Prozent ihrer täglichen Arbeitszeit mit unbezahlter Arbeit, Männer nur 28 Prozent (wobei man sich natürlich fragt, wie solche Zahlen genau erhoben werden, ist ja manchmal ein fließender Übergang: Wenn ich abends im Bett liege und dem dreijährigen Kind zum 576. Mal „Der Kackofant“ vorlesen muss, gilt das als Arbeit?)

Minderwertige „Frauenarbeit“

Nun gibt es unzählige Punkte, an denen man sich abarbeiten kann. Man muss sich bewusst machen: Männern zu verklickern, dass Kinderbetreuung und Wäschewaschen mindestens genauso wichtig und herausfordernd sind wie 40 oder mehr Stunden pro Woche im Job zu malochen, ist eine absolute Mammutaufgabe. Und warum sollten sie das glauben, wenn diese „häuslichen“ Aufgaben traditionell und bis vor kurzem sogar noch fast komplett (siehe Kommentar Gynäkologin) als „Frauensache“ und damit als minderwertig betrachtet wurden?

Wie soll in die Köpfe rein, dass es aus vielerlei Gründen wichtig ist, dass die Sorgearbeit für Kinder aufgeteilt wird? Weil es für Kinder wichtig ist, alle Elternteile in dieser häuslichen Sphäre zu erleben; weil Frauen in Abhängigkeit geraten, wenn sie sich selbst aus dem Berufsleben katapultieren oder gar nicht erst einsteigen, um sich um Haus- und Betreuungsarbeit zu kümmern. Und damit dem Partner erst ermöglichen, Geld verdienen zu können, aufsteigen zu können, um noch mehr Geld verdienen zu können.

Kein Begriff fürs Alltagsrepertoire

Ein Punkt, an dem wir dringend ansetzen müssen: Das Problem muss in der gesamten Gesellschaft ankommen, es muss auf breiter Ebene ein Bewusstsein dafür entstehen, welche Ungerechtigkeiten mit der ungleichen Verteilung von Care-Arbeit einhergehen.

In journalistischen, aktivistischen und wissenschaftlichen Filterblasen mag das eine Selbstverständlichkeit sein. Interessant wäre aber, sich mal in einem beliebigen Dorf, einer beliebigen Mittelstadt – der Begriff erlangte gerade durch Christian Barons tolles Buch „Ein Mann seiner Klasse“ Bekanntheit – oder auch in einem beliebigen Kiez einer Großstadt, in dem all diese Aktivist*innen, Journalist*innen und Wissenschaftler*innen nicht leben, umzuhören, was die Leute dort so für Ansichten zum Thema Care-Arbeit haben. Man darf davon ausgehen, dass allein der Begriff nicht zum Alltagsrepertoire zählt.

Jetzt bitte mal die Hälfte abgeben

Bestimmt wird es dort Menschen geben, die zufrieden sind mit ihren Lebensmodellen, mit ihren Rollenverteilungen; und solche, die sich gefangen fühlen; manchen wird die Problematik bewusst sein, vielen nicht; vor allem aber werden viele keine Ahnung davon haben, welche Instrumente es geben könnte, um etwas zu verändern. Man muss sich das wirklich mal bewusst machen, wie viele Frauen aus allen Wolken fallen würden, wenn man ihnen erzählen würde, dass sie jetzt mal bitte die Hälfte der Care-Arbeit an ihren Partner abgeben sollten.

Wo also fängt man am besten an? Es ist wie beim Klimawandel. Es ist toll, dass einige in einer meist privilegierten Blase so plastikfrei wie möglich leben und eine vegane Weihnachtsgans braten, Makkaroni statt Plastikstrohhalme benutzen; aber wie bringt man die Masse dazu, etwas, sich zu ändern?

Wie soll ein breiter Konsens darüber entstehen, dass der derzeitige Status Quo hochproblematisch ist, wenn ein Großteil der Menschen in der Debatte gar nicht drinsteckt? Wie soll sich etwas verändern, wenn zum Beispiel junge Männer Geschlechtergerechtigkeit und das ganze Gedöns angeblich total prima finden – aber trotzdem nicht willens sind, staubzusaugen?

„Du machst ja so viel“

Es ist ja schon viel dazu geschrieben worden, wie geradezu bizarr die Lobesstürme ausfallen, die „moderne Väter“ auslösen, die im Drogeriemarkt Windeln kaufen oder ihr Baby in einer Trage transportieren. Ein selbstkritischer moderner Vater (Journalist) beschrieb in der Süddeutschen Zeitung, wie seine Mutter ständig zu ihm sagt: „Du machst ja so viel“ – mag ja sein, dass das im Vergleich zu den Fünfzigerjahren korrekt ist – es mutet dennoch absurd an. Der Autor Tobias Moorstedt zitiert die amerikanische Psychologin Darcy Lockman, die in ihrem Buch „All the Rage“ schreibt: „Die Ideologie und die gesellschaftlichen Erwartungen haben sich schneller geändert als die Realität in den Familien.“

Lockman listet in ihrem Buch jede Menge (unterbewusster) Strategien von Männern auf, die Sphären weiterhin getrennt zu halten und Verantwortung abzuwehren. Texte wie dieser aus der Süddeutschen Zeitung werden wiederum auch aus einer Filterblase heraus geschrieben. Von der durchschnittlichen Realität von Paarbeziehungen in Deutschland ist die dort geschilderte Beziehung auf relativer Augenhöhe Lichtjahre entfernt.

Politische Stellschrauben

Das Blöde ist übrigens auch: Sogar Frauen, die entweder das Glück haben oder die strategische Weitsicht hatten, einen sogenannten „modernen Vater“ im Haushalt zu haben und Vollzeit arbeiten, erledigen in der Regel dennoch mehr unbezahlte Care-Arbeit zu Hause.

Welche politischen Stellschrauben könnte man sinnvollerweise drehen, um in der Breite etwas zu bewirken? Dazu habe ich mit Claire Samtleben gesprochen: Die Wissenschaftlerin arbeitet am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zu den Themen Familie, Gender und Ungleichheit und veröffentlichte im vergangenen Jahr ein Papier, das es bis die in die „Tagesschau“ schaffte. Sie hatte Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel verglichen, um herauszuarbeiten, welche Anteile an Care-Arbeit in Beziehungen jeweils von Männern und Frauen übernommen werden.

Sie fand heraus, dass auch am Sonntag die Frauen maßgeblich mehr Care-Arbeit übernahmen – eine Tatsache, die nicht mit dem üblichen „Der Mann arbeitet halt mehr“ unter der Woche erklärt werden kann. Dass Männer heute vergleichsweise mehr an der Hausarbeit beteiligt sind als in den 90er-Jahren, ist laut Samtleben übrigens nicht damit zu erklären, dass die Männer mehr anpacken; sondern damit, dass die Frauen weniger tun und die Care-Arbeit auslagern, um selbst mehr (bezahlt) arbeiten zu können.

Zementierte Rollenmuster

Claire Samtleben schlägt beispielsweise vor, die Dauer der Elternzeit für Väter zu verlängern, um diesen „Kultur- und Normenwandel“ anzugehen. Die derzeit immer noch eher traurigen Zahlen zur Elternzeit lassen sich hier nochmal nachlesen.

Samtleben sagt: „Es stimmt natürlich, dass es sich um tief verankerte Normen und Verhaltensweisen handelt, die nicht so wahnsinnig leicht durch politische Maßnahmen zu verändern sind. Aber es gibt mittlerweile relativ viel Forschung zur Wirkung der Elterngeldreform. Selbst die zwei sogenannten Vätermonate wirken sich positiv auf den Beitrag der Väter zur Kinderbetreuung und zur Hausarbeit aus, auch über diese zwei Monate hinaus. Das ist vor allem der Fall, wenn die Väter diese Elternzeit allein nehmen, also nicht parallel mit der Partnerin. Und mit steigender Dauer der Elternzeit wird auch der Effekt auf die Beteiligung im Haushalt größer, deshalb ist das eine naheliegende Forderung.“

Mehr Elterngeld für Menschen im Niedriglohnsektor

Ein anderer Punkt, an dem man nach Ansicht der Wissenschaftlerin ansetzen müsste: Mehr Elterngeld für Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten. „In einer Studie im vergangenen Jahr, in der wir gefragt haben, warum Väter keine Elternzeit genommen haben, wurden am häufigsten finanzielle Gründe genannt – der Punkt ist besonders für Paare, die im Niedriglohnsektor arbeiten relevant. Meistens ist ja nach wie vor der Mann Hauptverdiener, und die Familien können sich nicht leisten, über mehrere Monate auf 35 Prozent des Haupteinkommens zu verzichten. Das Elterngeld beträgt ja 65 Prozent des Nettoeinkommens, gedeckelt bei 1800 Euro. Und gerade mit Blick auf die Frage, wie man einen Wandel bei der Aufteilung von Care-Arbeit schaffen könnte, auch auf breiter Ebene, halte ich es für einen sinnvollen Ansatz, die Lohnersatzrate beim Elterngeld für niedrige Gehälter zu erhöhen“, sagt Samtleben.

Zwölf zu zwei: nicht in Stein gemeißelt

Ein weiteres Problem aus ihrer Sicht: In vielen Köpfen sei bis heute nicht angekommen, dass die Aufteilung der Elternzeit im Verhältnis 12 Monate (Mutter): 2 Monate (Vater) nicht in Stein gemeißelt ist. „Für ein anderes Projekt haben Kolleg*innen Interviews mit Paaren geführt, und waren erstaunt, wie viele dieser Paare diese vermeintliche Norm zwölf plus zwei, also die Frau bezieht ein Jahr Elterngeld und der Mann zwei, ganz selbstverständlich gewählt haben. Diese Paare hatten das nicht nur gemacht, weil sie dachten, dass das ,üblich‘ sei, sondern weil sie wirklich glaubten, das wäre die vorgesehene Aufteilung und anders ginge es gar nicht. Denen war gar nicht bewusst, dass jede andere Aufteilung rechtlich auch möglich gewesen wäre. Dass Väter dieselben Rechte haben wie Frauen, wird also teilweise überhaupt noch nicht wahrgenommen.“

Außerhalb bestimmter Blasen und Milieus kommen viele Leute also gar nicht auf die Idee, diese unglückliche Prägung zu hinterfragen – was wiederum zeigt, dass es kaum Zäheres gibt als eingeübte Rollenmuster.

Radikalere Forderungen

Jenseits solcher eher sanften Eingriffe in den Status Quo gibt es auch radikalere Ideen: Schon seit den 70er-Jahren fordern Aktivistinnen wie die italienische Feministin Silvia Federici, Care-Arbeit zu entlohnen. Ist das realistisch, oder einfach eine schöne Utopie? Claire Samtleben sagt: „Ich denke, etwas dazwischen: Es gibt volkswirtschaftliche Rechnungen, die versuchen, die unbezahlte Arbeit zumindest sichtbar zu machen und einen monetären Gegenwert darzustellen, also zu vermitteln, was Care-Arbeit volkswirtschaftlich bedeutet, welche Leistung da erbracht wird. Eine konkrete Vergütung dieser Arbeit kann ich mir aber nicht vorstellen.“

Sie habe bisher noch kein überzeugendes Modell dafür gesehen. Und: „Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, wo das Geld herkommen soll – soll das von den Partnern kommen, quasi eine Verpflichtung, das Gehalt des Partners gerecht aufzuteilen? Oder wäre das eine Transferleistung vom Staat? Ich hätte dann die Befürchtung, dass das eine gegensätzliche Wirkung haben könnte, in etwa wie die ,Herdprämie‘ damals: Wenn es eine Incentivierung gibt, also diese unbezahlte Arbeit auf einmal bezahlt wird, dann könnte man auch schnell wieder hineinrutschen in das Denken: ,Naja, dann ist ja die klassische Rollenaufteilung gar nicht so schlecht‘ – dann gäbe es quasi ein Argument weniger dafür, dass die gerechte Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit erstrebenswert ist.“

Frauenfeindliche Führungskulturen

Tatsächlich ist es gut vorstellbar, dass viele Frauen erleichtert den geplanten Rückzug antreten würden – weil die Arbeits- und Führungskulturen dieser Welt in der Regel weiterhin männlich geprägt und frauenfeindlich sind. Solange also die Arbeitswelt nicht frauenfreundlicher wird, würde man mit der Bezahlung von Care-Arbeit womöglich momentan noch das Gegenteil von dem bewirken, was man sich erhofft.

Ein Punkt, der Samtleben wichtig ist und immer wieder debattiert wird: Eine Abkehr von der Vollzeitnorm. Neulich kochte die Meldung hoch, die neue finnische Premierministerin Sanna Marin wollte die Vier-Tage-Woche einführen, bis sich herausstellte, dass die Aussage Marins schon ein Jahr alt war und so nicht im aktuellen Regierungsprogramm vorkommt. Die Arbeitsrechtforscherin Johanna Wenckebach griff das in einem Text auf: „Gerade die Entwicklung der Nachricht um die Aussage von Marin zeigt aber, dass es nicht um die Idee an sich geht. Es geht vielmehr darum, dass eine Person mit Macht und Verantwortung das übrigens nachgewiesene Bedürfnis der Menschen für legitim erklärt, neben ihrer Erwerbsarbeit auch Zeit für Familie (Sorgearbeit) und Eigensorge, sowie für gesellschaftliches Engagement zu haben.“

Die Vollzeitnorm benachteiligt Frauen

Ein solcher Kulturwandel, so Wenckebach, sei nötig, aber nicht nur, um die Gesundheit der Arbeitnehmer*innen zu erhalten, sondern um die beruflichen Nachteile von Frauen zu verringern – denn besonders sie geraten durch die aktuelle Vollzeitnorm ins Hintertreffen. Ganz nebenbei: Auch Frauen können sich dieser Vollzeitnorm nur dann unterordnen, wenn sie weniger Privilegierte engagieren, die für sie die Care-Arbeit, sprich Putzen und Kinderbetreuung, übernehmen. Unser aktuelles Wirtschaftssystem funktioniert nur, weil es auf Ausbeutung und Ungerechtigkeit basiert.

Auch Claire Samtleben plädiert für eine Familienarbeitszeit, um Vätern und Müttern mehr Raum für Sorgearbeit zu geben: „Voller Lohnausgleich wäre unrealistisch und eine nicht finanzierbare Option. Aber beide Elternteile könnten reduziert arbeiten und einen Teil dieses Stundenausfalls würde subventioniert werden.“

Die Kinder fragt niemand

Wenckebach wiederum schreibt: „Wollen wir wirklich in einer Gesellschaft leben, in der bestens ausgebildete, womöglich bereits beruflich erfolgreiche Frauen gefragt werden: ,Du willst Kinder? Warum willst du dir das antun?‘ Damit meine ich nicht nur, dass Sorgearbeit viel anstrengende Arbeit ist […]. Ich meine auch ganz persönlich mein Herz als Mutter, an dem es schmerzhaft zerrt. Denn die Kinder können sich in der Debatte um die Wochenarbeitszeit auf der großen Bühne leider nicht einbringen. Uns fragen sie aber am Abendbrottisch, ob sie auch mal zur Mittagszeit aus Hort und Kita abgeholt werden. Wer trägt die Kosten der Arbeitszeit, die ausfällt, wenn wir den Kindern diesen Wunsch erfüllen? Mal einen Nachmittag haben, um in Ruhe bei den Hausaufgaben zu helfen?“

Arbeitgeber*innen hätten natürlich theoretisch die Möglichkeit, ihren Arbeitnehmer*innen menschen- und familienfreundlichere Modelle anzubieten, auch ohne dass sie durch politische Maßnahmen dazu „gezwungen“ werden. Aber solange das nicht passiert, und damit ist in der Breite nicht zu rechnen, ist die Politik gefragt. Sie muss dafür sorgen, dass nicht so viele individuelle Lebensentscheidungen in eine Richtung führen, die Frauen benachteiligt. Und ganz nebenbei das Leben von ziemlich vielen Männern auch nicht gerade schöner macht.

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