Foto: Kark Konrads Kindeskinder

Katharina: „Mir war es wichtig zu zeigen, dass ich nicht von Beruf Tochter bin“

Katharina Sauer ist nach einigem Zögern dann doch mit voller Leidenschaft in das Familienunternehmen ihrer Eltern eingestiegen. Wir haben mit ihr über ihren Weg gesprochen, was sie anders handhabt als ihr Vater und ihr Großvater sowie wie sich die Herausforderungen seit der Gründung in den 50er Jahren verändert haben.

 

„Ich wollte nicht das Gefühl haben, dass mein Lebensweg schon vorgezeichnet ist“

Kann mein berufliches Glück wirklich so nahe liegen? Nein, dachte sich Katharina Sauer und wollte als junge Frau nicht in die unternehmerischen Fußstapfen ihres Vaters und ihres Großvaters zu treten, der in den 50er Jahren das Gewürz-Unternehmen KKS gründete – sondern sie wollte gern alleine herausfinden, was sie beruflich glücklich macht. Während ihres Studiums änderte sie ihre Meinung dann doch, kehrte in ihre Heimat zurück und frischte mit ihrer eigenen Produktlinie sowie einer neuen Art zu führen, das Familienunternehmen auf. Uns hat die heute 32-Jährige von ihrem Weg und den Herausforderungen als junge Unternehmerin, für die die Tradition der Firma zeitgleich sehr wichtig ist, erzählt.

Es war nicht immer dein Plan, in das Familienunternehmen einzusteigen – wann und warum hat sich deine Meinung geändert? Gab es eine Art Schlüsselmoment?

„Da muss ich ein bisschen ausholen, denn das war weniger ein Schlüsselmoment als viel eher ein Entwicklungsprozess und die herzmäßig richtige Konsequenz aus verschiedenen Schlüsselmomenten: Ich komme aus Kirchheimbolanden, einer hübschen und idyllischen Kleinstadt in der Pfalz. Es war super hier aufzuwachsen, aber so im Teenageralter wurde mir irgendwann klar, dass ich mich unheimlich darauf freue, raus in die Welt zu ziehen und andere Dinge zu sehen und zu erleben. Obwohl ich mich als ältestes von drei Kindern von klein auf immer für unsere Firma, die Gewürze und die geschäftlichen Hintergründe interessiert habe, wollte ich nicht das Gefühl haben, dass mein Lebensweg schon vorgezeichnet ist und ich unweigerlich wieder in meiner Heimat landen ‚muss’. Dieses Gefühl haben mir meine Eltern zum Glück nie gegeben, aber ich hatte immer etwas Angst davor. So bin ich nach dem Abitur erstmal für einen Freiwilligendienst nach Chile und habe im Anschluss in Bonn Lebensmitteltechnologie studiert. Einfach weil mich dieses Feld, sicher auch durch die familiäre Vorprägung, wahnsinnig interessiert hat.

 „Warum sollte ich all mein Herzblut an Unternehmen verschenken, die meine Fähigkeiten und meinen Einsatz nicht zu schätzen wissen?“

Wie ging es dann für dich weiter?

„Nach ein paar Praktika, Auslandsaufenthalten und mit meinem Diplom in der Tasche, habe ich mich dann auf meine zweite Leidenschaft gestürzt: Die Passion dafür, die Begeisterung für ein Produkt oder eine Idee auf andere Menschen zu übertragen. Das praktische und fachliche Rüstzeug dazu habe ich dann im Masterstudiengang Marketingkommunikation an der Design Akademie Berlin erlernt. Das war eine super Zeit und ein guter Kontrast zu meinem naturwissenschaftlich geprägten Ingenieursstudium! Als es dann an die Masterarbeit ging, habe ich mich zunächst bei größeren Lebensmittelunternehmen beworben. Ich war nach kurzer Zeit allerdings ziemlich frustriert davon, wie weit die wohlklingenden Versprechungen auf den Karriereseiten der Unternehmen zum Thema Abschlussarbeiten und die tatsächliche Umsetzung bzw. Nichtumsetzung dieser Worthülsen auseinandergingen.

Aus ‚Wir sind ein Unternehmen, das Studenten auf dem Weg zu einem überdurchschnittlichen Studienabschluss intensiv fördert und unterstützt’ wurde auf einmal ‚Unsere Sorge ist ein wenig, dass der Aufwand auf unserer Seite recht groß wird. Es müsste also mit einem möglichst geringen zeitlichen Aufwand auf unserer Seite laufen.’ oder ‚Bewerben Sie sich bitte zunächst für ein sechsmonatiges Praktikum. Wenn Sie dieses erfolgreich abgeschlossen haben, sehen wir weiter.’ Das hat meiner großen Motivation einen ganz schönen Dämpfer verpasst und ich habe mir die Frage gestellt, warum ich all mein Herzblut an Unternehmen verschenken soll, die meine Fähigkeiten und meinen Einsatz offensichtlich nicht zu schätzen wissen. Gleichzeitig realisierte ich, dass wir zu Hause eine Firma haben, die mich mit offenen Armen und großer Freude empfangen würde und in der ich den Gestaltungsraum bekomme, den ich mir gewünscht hatte. Und ab da gab es für mich keinen Zweifel mehr, dass ich meine Masterarbeit darüber schreiben würde, wie wir unsere Würzungen aus dem professionellen B2B-Bereich auf die Teller der Endverbraucher bringen können.“

Das war dann der Startschuss?

„Fast. Der letzte Schlüsselmoment war dann, als ich in einer meiner vielen masterarbeitsbedingten Nachtschichten den Geistesblitz mit dem Namen Karl Konrad’s Kindeskinder für unsere Marke hatte und gemerkt habe, wie wichtig es mir ist, dieses ‚Baby’ nicht in einer Schublade verstauben zu lassen, sondern meine ganze Motivation und Begeisterung für unsere Familienfirma, die von meinem Uropa Karl gegründet wurde, einzusetzen. Es ist ja einfach ein wahnsinniges Geschenk, die Chance zu haben, in einem Unternehmen zu arbeiten, in dem so viel Familiengeschichte, Herzblut, Gestaltungsraum, Liebe zur Arbeit und Verantwortungsgefühl den Mitarbeitern gegenüber steckt. Das weiß ich jetzt zu schätzen und bin dafür sehr dankbar!“

„Wir müssen heute effizienter arbeiten als zu Zeiten von meinem Uropa.“

Dein Urgroßvater hat das Unternehmen 1952 gegründet. Ich könnte mir vorstellen, dass du anders an Arbeitsthemen herangehst als er das tat – hat sich in Sachen Unternehmensstruktur und auch Unternehmenskultur etwas bei euch verändert, seit du Teil des Unternehmens bist?

„Mein Urgroßvater war ein Multitalent: Metzgermeister, Gewerbeoberlehrer für Nahrungsmittel und Fotografie, Lebensmittelchemiker, Marketingass, Hobbyschriftsteller und Lehrfilmproduzent. Für ihn war seine Firma eine Spielwiese, auf der er sich in den verschiedensten Feldern, die ihn interessierten, austoben konnte. Ich weiß gar nicht, wo er die Zeit für all das hergenommen hat! Auch mein beruflicher Alltag ist sehr vielfältig und auch bei mir sind die Grenzen zwischen Beruflichem und Privatem, zwischen Job und Hobby ähnlich fließend wie bei meinem Uropa, meinem Opa und meinem Vater.

Allerdings haben sich die Zeiten geändert und leider fehlt heute zwischen überfälligen E-Mails, dringenden Produktentwicklungen, anstehenden Messeterminen und Listungsgesprächen manchmal die Muse, die man sich früher genommen hat und die für den Blick auf das große Ganze so wichtig ist. Wir müssen heute – um in einem zunehmend kompetitiven Markt auch als kleinere Firma wettbewerbsfähig zu sein – sowohl zeitlich als auch finanziell viel effizienter arbeiten, als zu Zeiten von meinem Uropa. Wir beschäftigen uns intensiv mit Qualitätssicherung, garantieren die stufenlose Rückverfolgbarkeit unserer Produkte und ihrer Rohstoffe über alle Verarbeitungsstufen hinweg, haben ein Exportgeschäft aufgebaut und betreten mit den Karl Konrad’s Kindeskinder Würzmischungen aus vertrieblicher Sicht jetzt noch mal ein ganz neues Terrain. Das sind alles Dinge, an die damals noch gar nicht zu denken war und die die Unternehmensstruktur und –kultur seit den 50er Jahren kontinuierlich verändert haben.“

Die Kindeskinder-Produkte sind Katharinas Baby. Bild: Karl Konrad’s Kindeskinder

Was ist konkret dein Anteil daran?

„Mein Vater sagt immer, dass ich die Firma in den letzten Jahren ‚bunter’ gemacht habe – sowohl im wörtlichen als auch im übergeordneten Sinn – und das Leben für ihn ‚unbequemer’, was er gar nicht so schlecht findet und ich auch nicht. Dieses ‚Buntmachen’ zeigt sich nicht nur in meinem Hang zu kräftigen Farben, sondern vor allem dadurch, dass ich mich in den letzten Jahren stark dafür eingesetzt habe, jungen Menschen aus verschiedensten Ländern (Indonesien, Spanien, Frankreich, Syrien, Polen, Deutschland,…) die Möglichkeit zu geben, bei uns zu arbeiten, Praktika zu absolvieren oder hier ihre Abschlussarbeiten zu schreiben. Ich sehe das als unsere gesellschaftliche Verpflichtung und außerdem als eine riesen Bereicherung für unsere Firma! Das mag für Startups und Unternehmen in Großstädten eine Selbstverständlichkeit sein, aber hier auf dem Land finde ich das immer noch besonders und mir geht jedes Mal das Herz auf, wenn sich die indonesischen Lebensmitteltechnologiestudenten mit dem spanischen Ingenieur und der französischen Praktikantin darüber austauschen, welche pfälzischen Ausdrücke sie jüngst gelernt haben und am Wochenende dann gemeinsam Paella gekocht wird.

„Ich sehe ein diverses Team als unsere gesellschaftliche Verpflichtung und außerdem als eine riesen Bereicherung für unsere Firma!“

Dieses positive, internationale Miteinander sorgt einfach auch für eine sehr fröhliche, familiäre und konstruktive Grundstimmung bei uns und dazu trage ich gerne bei! Auf Produktebene haben unsere Kindeskinder-Würzungen hier natürlich auch einiges bunter gemacht: Design- und Gourmetmärkte, der Vertrieb über den Einzelhandel, verschiedene Kooperationen und meine Auftritte als ‚Gewürzexpertin‘ im Fernsehen und Radio. Das alles hätte es ohne meine Entscheidung, in unsere Firma zu kommen, nicht gegeben. Auch in unserem traditionellen Geschäftsfeld, der Zusammenarbeit mit den lebensmittelverarbeitenden Firmen, spürt man die positiven Effekte, die von den Aktivitäten der letzten Jahre abstrahlen.“

„Ich weiß, dass ich noch von meinem Vater und lernen kann und er weiß, dass ich meine Arbeit und unsere Firma sehr ernst nehme und wichtige Impulse einbringe.“

Was bedeutet deine Rolle als Nachfolgerin noch für die Zukunft des Unternehmens?

„Die familiäre Firmennachfolge ist nun geregelt – ein ganz entscheidender und oftmals kritischer Faktor in Bezug auf das Weiterbestehen eines Familienunternehmens. Meine Eltern sind sich zum Glück bewusst, wie wichtig die Herstellung einer zukunftsorientierten und ausgewogenen Altersstruktur in der eigenen Firma ist und auch, dass ein Generationswechsel in Führungspositionen rechtzeitig vorbereitet werden muss. Der Wille alleine reicht da nicht aus, ein solcher Prozess muss von beiden Seiten mit der Bereitschaft einhergehen, Verantwortung abzugeben oder zu übernehmen und Neues zu akzeptieren sowie nicht alles Alte in Frage zu stellen. Und ich denke, das bekommen wir bisher ganz gut hin: Ich weiß, dass ich noch einiges von meinem Vater und unseren langjährigen Mitarbeitern lernen kann und er weiß, dass ich meine Arbeit und unsere Firma 100 Prozent ernst nehme und wichtige Impulse einbringe und Projekte umsetze, die in der heutigen Zeit notwendig sind. Ich denke, dass diese gute generationsübergreifende Zusammenarbeit ein wichtiges Signal an unsere Mitarbeiter und auch an unsere Kunden ist, die sich alle darauf verlassen wollen und nun können, dass wir familienseitig die Verpflichtung sehr ernst nehmen, unsere Firma langfristig und nachhaltig mit der nötigen Stabilität und Unabhängigkeit weiterzuführen.“

Waren eigentlich alle gleich von deiner Idee zu einer neuen Produktlinie begeistert oder musstest du deine Familie davon erst noch überzeugen?

„Dass ich mich nach dem Studium dazu entscheiden würde, in unserer Firma zu arbeiten, kam für meine Familie überraschend und hätte selbst ich ein halbes Jahr vorher nicht gedacht! Umso größer war allerdings die Freude meiner Eltern über diesen Entschluss. Wir haben uns im Rahmen der Masterarbeit bereits intensiv über die neue Kindeskinder-Produktlinie ausgetauscht und sie waren Feuer und Flamme dafür. Im Prinzip hatten wir das meiste, das man für die Umsetzung dieser Idee brauchte, bereits hier vor Ort: Die maschinelle und personelle Infrastruktur, die Rohstoffe, das Know-How und die Qualitätssicherung – es fehlte ‚nur’ noch der Aufbau der Marke sowie die Erschließung der neuen Vertriebswege. Nicht so begeistert waren meine Eltern allerdings von meinem anfänglichen Vorschlag, zunächst von Berlin aus zu arbeiten und mich nur um die eigene Produktlinie zu kümmern.

Mein Vater war da ganz konsequent: ‚Wenn du in unserer Firma anfängst, dann ohne Extrawürste, sondern vor Ort in der Pfalz und mit dem Ziel, dich in alle geschäftlichen Prozesse, die unsere Firma ausmachen, einzuarbeiten.‘ Anfangs war das für mich ein leichter Schock. Im Nachhinein bin ich ihm aber sehr dankbar für seine klaren Worte. Auf der einen Seite war es sehr wichtig für mich, unsere Firma von innen heraus zu verstehen und zu sehen, dass meine Talente hier einen sinnvollen Einsatz finden. Auf der anderen Seite war es essentiell, den Mitarbeitern zu zeigen, dass ich nicht von Beruf Tochter bin, sondern die Ärmel hochkrempele und arbeite – gerade in Hinblick auf meine spätere Rolle.“

Hattest du je Sorge, ob die Idee aufgeht?

„Ich glaube diese Sorge werde ich nie loswerden, auch wenn es super läuft! Ein Freund aus Unizeiten hat mich mal so beschrieben ‚Mit einem vor Begeisterung schillernden und einem vor Skepsis zuckenden Auge nähert sie sich Themen, die zu bearbeiten sind.’ Das trifft es glaube ich ziemlich gut. Wenn man viel Leidenschaft in etwas steckt und man so viel Freude aus dem zieht, was man tut, stellt man sich immer die Frage ‚Was ist, wenn da irgendwann doch mal was schief läuft?’. Aber das ist eben auch ein guter Ansporn dafür, sein Bestes zu geben. Und das Schöne an unserer Firma und meinem Job ist ja auch, dass es hier auch außerhalb der Kindeskinder-Welt noch viele spannende Dinge zu tun gibt!“

„Es wird positiv wahrgenommen, dass in unserer männerdominierten Branche auch mal eine jüngere Frau unterwegs ist.“

Du bist mit 32 Jahren eine noch relativ junge Unternehmerin. Hattest du Probleme damit, von Partner und Kunden ernstgenommen zu werden?

„Ehrlich gesagt (und zum Glück) fällt mir da kein konkretes Beispiel ein – im Gegenteil. Im Bereich unseres B2B-Geschäftes findet gerade ein starker Umbruch statt: Viele ehemalige Familienfirmen wurden in den letzten Jahren von internationalen Großkonzernen aufgekauft, was Kunden und Partner verunsichert. Im Gegensatz dazu sehen sie an meinem ‚Mitmischen’, dass es in unserer Firma weiter- und vorangeht und freuen sich darüber. Sowohl unsere als auch die Branche unserer Kunden ist außerdem relativ männerdominiert und ich habe das Gefühl, dass es positiv aufgenommen wird, wenn zwischen all den älteren Herren auch mal ein jüngere Frau unterwegs ist und Dinge anders macht. Einzig im Exportgeschäft, das bei uns etwa die Hälfte des Umsatzes ausmacht, kann es in Ländern wie Kuwait oder Marokko mal vorkommen, dass mir als Frau nicht die Hand gegeben wird oder man vermeidet, mit mir zu sprechen. Aber das sind selbst dort absolute Ausnahmefälle. Die Akzeptanz meiner Person liegt zum einen sicher auch an meinem fachlichen Hintergrund als Lebensmitteltechnologin und zum anderen daran, dass ich ja nicht als Einzelkämpfer auftrete, sondern mit dem Background einer gewachsenen Firma mit kompetenten Mitarbeitern und hochwertigen Produkten.“

Mit jeder neuen Herausforderung lernen wir. Welche drei Dinge, die du seit 2012 gelernt hast, haben dich als Unternehmerin ganz besonders geprägt?

„Oh, da gibt es natürlich sehr viele Dinge, die ich seitdem gelernt habe! Das ist ja auch ein ständiger Prozess. Eine wichtige Eigenschaft, die vor allem mein Vater mir vorlebt, ist die Konsequenz das eigene Handeln betreffend. Für mich ist es stellenweise noch schwierig, ‚hart, aber herzlich’ zu sein, da ich eher zu letzter Eigenschaft tendiere. Ich muss mich daran gewöhnen, dass nicht jeder Mitarbeiter oder Geschäftspartner alle Entscheidungen, die ich als Geschäftsführerin treffe, gut finden muss. Es ist nicht meine Aufgabe, es jedem recht zu machen, sondern im Sinne unserer Firma so zu agieren, dass diese auch in Zukunft bestehen kann und insgesamt ein Ort ist, in dem sich das Gros der Mitarbeiter wohlfühlt. Eine zweite wichtige Erkenntnis war, dass eine Prise Gelassenheit nie schaden kann. Ich gerate gerne mal in den Strudel des ‚Gehetztseins’. Im Laufe der Zeit habe ich aber gelernt, dass man sich nicht vor jeden Karren spannen lassen oder auf jeden Zug aufspringen muss –meine zeitlichen Ressourcen sind ja begrenzt.

Manchmal arbeitet die Zeit für einen und Dinge fügen sich zu einem späteren Zeitpunkt prima und wie von selbst. Unser Prokurist nennt das immer ‚Das Glück des Tüchtigen’. Solche Dinge lassen sich im Vorhinein leider schwer voraussehen – sonst hätte ich mir schon so einiges Hadern sparen können! Der dritte Punkt, den ich lernen musste und an dessen Umsetzung ich immer noch arbeite ist, eine gesunde Balance zwischen bedingungsloser Einsatzbereitschaft für die Firma auf der einen und persönlichem, privatem Freiraum auf der anderen Seite zu finden. Gerade im eigenen Familienunternehmen, mit dem man auf so vielen Ebenen verbunden ist, ist das eine fortwährende Herausforderung im positiven Sinne! Zu guter Letzt und gerade in unserer heutigen Zeit noch ein Punkt: Die direkte zwischenmenschliche Kommunikation und das Pflegen von Beziehungen – egal ob im geschäftlichen oder privaten Bereich – ist durch nichts zu ersetzen, auch nicht durch die geschliffenste E-Mail.“

Welche Herausforderungen entstehen, wenn man mit der eigenen Familie arbeitet?

„Auf der einen Seite ist die Arbeit mit der Familie ein großer Luxus, auf der anderen Seite ist sie in der Tat eine ganz schöne Herausforderung! Die Art und Weise, wie man mit seinem Chef kommuniziert, unterscheidet sich in den meisten Fällen deutlich von der Art, wie man mit seinem Vater spricht. Doch wie diskutiert man mit seinem Vater, wenn er der eigene Chef ist? Das ist gerade in Situationen, in denen man nicht unter vier Augen ist und zu einem geschäftlichen Thema verschiedene Meinungen hat eine richtige Gratwanderung! Besonders wenn er einem fünf Minuten vorher noch eine lustige Familienanekdote erzählt hat! Mein Vater und ich sind uns in vielen Punkten sehr ähnlich, aber, überspitzt gesagt, schlagen wir uns dreimal am Tag die Köpfe ein, vertragen uns dreimal wieder und sitzen dann abends bei einem Bier zusammen und schmieden begeistert Pläne. Und das finde ich lustigerweise auch gut so. Wichtig für mich ist allerdings, dass ich für bestimmte Themen auch Sparringspartner habe, mit denen ich emotionsloser bzw. rationaler diskutieren kann. Und die gibt es in unserer Firma zum Glück!“

Lass uns noch über Gewürze sprechen: mit welchem verbindest du eine ganz besonders schöne Erinnerung?

„Da Gewürzmischungen meine Passion sind, ist es auch eine Mischung und kein Einzelgewürz, mit der ich ganz besondere Erinnerungen verbinde: Crusty Dust – mit Curry, Paprika, Zwiebel, Knoblauch, einem Hauch Kümmel, grobem Pfeffer, Fenchel und – ganz wichtig – ordentlich Salz und einer Prise Zucker! Diese Mischung begleitet mich schon seit Kindertagen und schmeckt für mich nach Zuhause. Ich habe immer ein Zigarrenröhrchen gefüllt mit der Mischung dabei und wenn ich daran schnuppere, wird ein Potpourri an Erinnerungen wach: Die brutzelnde Weihnachtsgans an Heilig Abend, Familienurlaube in der Bretagne, mit ausgiebigen Kochsessions und knoblauchbutterüberbackenen Palourdes (Teppichmuscheln), Festival-Grillabende und Segeltörns mit Freunden, bei denen man schnell und mit wenigen Mittel etwas Leckeres und Einfaches kocht und das Käsegebäck meiner Mama. Eine wilde Mischung aus Erinnerungen und Düften! Und weil im Familien- und Freundeskreis alle diesen Allrounder seit jeher so lieben, war er auch der Initialzünder für unsere Kindeskinder-Linie. So schließt sich der Kreis!“

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