Foto: Sandra Semburg

Ninon: „Wer als werdende Mutter nicht auf Durchzug schaltet, dreht durch“

Das Online-Magazin Très Click ist das Baby von Ninon Götz und Alexandra Springer – gut zwei Jahre nach der Gründung wird Ninon nun Mutter. Wir haben mit ihr über das Magazin und über das Abenteuer Mutter werden gesprochen.

 

„Wir waren zur rechten Zeit am richtigen Ort“

Im Jahr 2014 haben Ninon Götz und Alexandra Springer mit Très Click
ein Online-Magazin gegründet, das sich explizit an Millennials richtet – und
damit sind sie ziemlich erfolgreich. Was sie neben dem Launch zur rechten Zeit noch richtig gemacht haben, warum die Diskussion
um Native Ads einfach keinen Sinn macht, wenn man Inhalte umsonst
konsumieren will und wie sie ihre
Schwangerschaft als Teil eines Gründerduos organisiert hat, hat sie uns erzählt.

Du bist die Mitgründerin von Très Click. Bei euch läuft es ziemlich
gut. Was mögen eure Leser so an euch?

„Wir waren einfach zur rechten Zeit am richtigen Ort. Als wir gründeten,
wussten selbst viele Branchen-Insider noch nicht, was Millennials sind. In den
Monaten darauf hat das Thema dann aber so richtig Fahrt aufgenommen und immer
mehr Medien haben sich dem Thema gewidmet. Zudem gab es bei dem, was wir
bedienen – Mode, Beauty und Popkultur – online eine Lücke in Deutschland,
die wir eben füllten. Wir stehen zwischen den Online-Auftritte von Print-Magazinen,
die sowieso eher stiefmütterlich behandelt werden, und sehr persönliche Blogs, die nur
auf das Leben einzelner Personen abzielen. Zudem sind wir unabhängig, weil wir
nicht an große Verlage gebunden sind. Dadurch müssen wir nicht aus dem
Elfenbeinturm predigen, sondern können uns auch mal über uns selbst lustig
machen und über Mode oder eine blöde Kampagne lachen – wir können mit einem
Augenzwinkern arbeiten und das kommt einfach gut an.“

Sieht Très Click heute so eigentlich genauso aus, wie ihr euch das
zu Beginn vorgestellt habt, oder habt ihr euch von euren Anfangsplänen
wegentwickelt?

„Fast, zu etwa 80 Prozent ist das so. Was dazu gekommen ist, und das
hätten wir zu Beginn nie gedacht, ist der Bereich Beziehung, Sex und Liebe. Das
nahm bei uns anfangs keinen großen Raum ein, ist aber ein wichtiges Thema geworden –
auch wenn wir daran bei der Konzeption nie gedacht haben. Vielleicht liegt das
auch daran, dass Alex und ich glücklich verheiratet sind (lacht). Aber wir
hatten das gar nicht auf dem Schirm. Fast durch einen Zufall, einer Kooperation
mit einem Online-Sexshop, haben wir gemerkt, dass das Thema wahnsinnig gut
ankommt. Eigentlich keine Überraschung, denn natürlich ist der Bereich für junge
Frauen wichtig.“

„Es klingt immer
etwas größenwahnsinnig, wenn man sagt, man möchte europaweit expandieren.“

Und wenn du jetzt mal ein wenig in die Zukunft schaust, wo wollt ihr
mit Très Click noch hin?

„Es ist immer gut, Ziele und Träume zu haben und ich glaube, niemand
hat uns das zugetraut, was wir in kurzer Zeit erreicht haben. Es klingt immer
etwas größenwahnsinnig, wenn man sagt, man möchte europaweit expandieren oder
man möchte eine eigene Community, aber man muss natürlich auch bedenken, dass
das Online-Business ein anderes ist als ein „Brick-and-Mortar-Business“. Online
hat keine Grenzen außer die Sprache. Also sind das durchaus Gedanken, die wir
uns machen. Und eine eigene Community aufzubauen, hatten wir sowieso schon von
Beginn an geplant, aber da geht es um den richtigen Zeitpunkt. Denn es gibt
nichts Traurigeres als eine leere Community. Deshalb muss man ganz genau
schauen, wie und vor allem wann man das umsetzen will.“

Wie genau könnte denn das aussehen? Geht es um Content?

„Eigene Inhalte sehe ich für uns nicht wirklich, ebenso wenig wie
Foren. Es geht eher in die Richtung, dass wir uns ein Produkt überlegen, einen
Service und eine Plattform entwickeln. Es macht einfach Sinn, unsere Fanbase
auch mit anderen Services zu bespaßen als nur mit Artikeln.“

Du hast vorhin schon die Kooperationspartner angesprochen. Werbung
ist für euer Finanzierungsmodell schon essentiell, oder?

„Ja, das stimmt. Irgendeiner muss den ganzen Spaß ja auch bezahlen –
denn natürlich haben wir ein Business und wollen profitabel arbeiten und wachsen. Mittlerweile sind wir acht Leute, wollen Qualität und auch technische
Weiterentwicklung und dazu brauchen wir eben Geld.“

Wie läuft das bei euch konkret?

„Très Click ist von Beginn an wie ein D-Zug durchgestartet, an dem
ich und Alex uns irgendwie versuchen festzukrallen. Eigentlich war unser Plan,
ein Jahr lang den Traffic aufzubauen und dann mit der Vermarktung zu beginnen.
Aber am zweiten Tag nach dem Launch haben sich schon die ersten potentiellen
Kooperationspartner bei uns gemeldet. Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch gar
keine Ahnung, was das kosten soll und was wir überhaupt anbieten wollen.

Das musste dann fix gehen und seitdem läuft es für uns sehr gut,
wofür wir auch sehr dankbar sind – denn pitchen oder Akquise betreiben musste
wir bisher nie. Was von Beginn an klar war: Wir machen keine Banner, keine
Displays und wir binden auch keine Advertorials ein, bei denen Inhalte vom
Kunden kommen. Wir konzentrieren uns komplett auf Native Ads, bei denen wir die
Inhalte auf den Kunden zuschneiden. Wir sind für den Kunden also Agentur und
Plattform – und das ist auch die Leistung, die die Kunden bezahlen. Sie
bezahlen also nicht einfach nur dafür, dass sie auf unserer Seite stattfinden,
sondern auch dafür, dass wir uns mit dem Produkt auseinandersetzen und uns
überlegen, was die perfekte Story ist, wie das perfekte Bild aussieht und zu
welchem Zeitpunkt wir das spielen wollen. Das hat für uns super funktioniert
und deshalb werden wir das auch ausbauen.“

„Ich finde diese Online-Diskussion um Native Ads lächerlich.“

Bei Werbung ist die Kennzeichnung immer ein Riesenthema. Wie handhabt
ihr das?

„Bei uns ist alles mit ‚sponsored’ gekennzeichnet. Das stört den
User aber auch gar nicht. Im Gegenteil! Unserer ‚Sponsored Posts’ werden
mittlerweile sogar fast besser geklickt als unsere rein redaktionellen Inhalte.
Das liegt aber sicher auch daran, dass wir da wahnsinnig viel Hirnschmalz und
Herzblut reinstecken. Ich finde diese Online-Diskussion um Native Ads auch so
lächerlich. Denn die Menschen kaufen sich für vier bis sieben Euro eine
Zeitschrift, die zur Hälfte mit Werbung gefüllt ist und sehen da kein Problem.
Auf der anderen Seite wollen sie Online-Medien kostenlos konsumieren und
wundern sich dann, dass da gekennzeichnet Werbung stattfindet. Meiner Meinung
nach kommt diese Diskussion auch nicht von den Usern, sondern von
Branchen-Dinosauriern, die das Konzept noch nicht verstanden haben. Ich finde, wenn
die richtigen Inhalte auf den richtigen Seiten stattfinden, dann ist das keine
Werbung, sondern Information.“

Lass uns noch über ein anderes Thema sprechen. Du bist schwanger und gerade in Mutterschutz gegangen. Wie fühlt es sich an, wenn du auf den Geburtstermin
in rund zwei Wochen blickst?

„Total unwirklich. Ich kann es mir noch überhaupt nicht
vorstellen. Ich glaube aber, das geht jeder Frau so, die zum ersten Mal Mutter
wird, vor allem, wenn sie selbstständig ist. Ich freu mich total darauf und es
ist ein absolutes Wunschkind für mich und meinen Mann, aber es ist unwirklich.“

„Alex und ich haben einen eigenen Raum im Büro und
dann wird da eben auch mal gestillt.“

Wie hast du dich organisiert, dass du Muttersein und
Selbstständigkeit unter einen Hut bekommst?

„Ich habe meinen Mutterschutz auf vier Wochen runtergedrosselt und
werde auch kein Jahr Auszeit nehmen – das will ich gar nicht. Auf der anderen
Seite ist mir schon bewusst: Ich werde jetzt Mutter. Da freu ich mich auch sehr
drauf, ich will die Zeit mit meinem Baby genießen und will auch nicht, dass das
zu kurz kommt. Wie ich das genau regele, kann ich jetzt noch nicht so genau
sagen. Aber so weit es geht, plane ich natürlich. Erstmal habe ich ein
Online-Business, bin meine eigene Chefin und kann mir die Zeit selber einplanen. 

Zudem ist unser Büro nur zwei Minuten von unserer Wohnung entfernt und meine
Schwiegereltern ziehen für ein Jahr nach Hamburg, um uns zu helfen, weil mein
Mann auch selbstständig ist. Das ist der absolute Luxus, ich habe wahnsinniges
Glück, so eine Unterstützung zu haben. Meine Familie lebt ihn Wien und meine
Mutter ist leider Ende letztens Jahres gestorben und so hätten wir sonst
niemanden gehabt, der uns in der Form unterstützen könnte. Für den Einsatz
meiner Schwiegereltern bin ich sehr dankbar. Und die freuen sich auch sehr
darauf, haben einen Großeltern-Kurs gemacht und stehen total in den
Startlöchern. Ansonsten haben Alex und ich auch einen eigenen Raum im Büro und
dann wird da eben auch mal gestillt.“

„Wir haben uns immer gesagt, wenn es soweit
ist, dann werden wir einen Weg dafür finden.“

Ihr seid ein Gründerteam von zwei Frauen. Haben du und Alexandra
euch eigentlich schon einmal vor deiner Schwangerschaft besprochen, wie es
aussehen könnte, wenn eine von euch schwanger wird?

„Wahrscheinlich hätten wir das mal machen sollen (lacht), wir haben
das aber nie konkret besprochen. Wir waren ja vor unserer Gründung befreundet,
wurden dann Kolleginnen und haben anschließend gemeinsam gegründet. Und da wir
eben auch schon befreundet waren, wussten wir natürlich voneinander, dass wir
uns irgendwann Familie wünschen. Wir haben uns immer gesagt, wenn es soweit
ist, dann werden wir einen Weg dafür finden. Und so war es dann auch. Alex wird
nicht nur die Patentante des Babys, sie freut sich, glaube ich, fast genauso wie
ich auf dieses Kind. Und sollte es mal umgekehrt sein, dann wird es mir ebenso
gehen.“

„Man muss sich von diesem Größenwahnsinn befreien, dass man denkt: Wenn ich nicht da bin, geht alles den Bach runter.“

Und wie sieht dieser Weg aus, den ihr für euch gefunden habt?

„Man sollte nicht unrealistisch an die Sache rangehen und sagen, ich
arbeite genauso weiter wie zuvor und nichts wird sich ändern. Das wäre
sicherlich eine Anleitung zur Katastrophe. Aber wir haben zu zweit am
Küchentisch mit Très Click angefangen, heute haben wir ein ganzes Team und
müssen Aufgaben einfach abgeben – und das geht mit unserem tollen Team auch.
Ich würde sagen, uns dieses Team aufgebaut zu haben, ist unser größter Erfolg.
Denn auch das hätte ich nie gedacht: Das Thema Recruitung habe ich total
unterschätzt. Doch jetzt haben wir dieses wahnsinnig tolle Team und das ist
auch ein ganz maßgeblicher Punkt, warum ich mich jetzt so entspannen kann. Denn
ich weiß einfach, dass mein erstes Baby Très 
Click in guten Händen ist.

Man muss sich auch von diesem Größenwahnsinn befreien, dass man denkt: Wenn ich nicht da bin, geht alles den Bach runter. Klar gibt es Dinge, die
ich anders sehe und anders mache, weil ich mir das Konzept einfach ausgedacht
habe. Aber da gibt es auch andere gute Köpfe, die sehr gute Ideen haben und das
wuppen. Alex und ich sagen uns immer gegenseitig: Wir machen hier keine OP am
offenen Herzen, hier stirbt keiner, wenn Kylie Jenners neuer Lipkit fünf Minuten
später online geht.“

Es ist super wichtig, jemanden an seiner Seite zu haben, dem man
vertraut und der einen im Zweifel auch mal runterholen kann.

„Absolut. Es ist meiner Meinung nach auch unser Erfolgsgeheimnis
beziehungsweise vielleicht auch einfach nur wahnsinniges Glück, dass wir zwei
Gründerinnen
sind, die sich nicht nur kennen sondern auch unfassbar gut
ergänzen.“

Gibt es für dich eigentlich eine Art Schwangerschaftsvertretung?

„Im Prinzip nicht. Wir haben jetzt zwar eine neue Redakteurin
eingestellt, aber es gibt für mich eigentlich keine Vertretung. Ich bin für
Kooperationen und alles, was businessgebunden nach außen geht, zuständig und das
ist sehr schwer weiterzugeben. Also verlagern sich die Aufgaben, und Alex, die bisher
sehr viel inhaltlich gemacht hat, kann sich dank der neuen Redakteurin mehr auf
meine Aufgaben konzentrieren, so lange ich weg bin.“

Wann willst du wieder zurück in den Job? Oder lässt du das auf dich
zukommen?

„Ich würde gerne zwei Monate nach der Geburt ganz reduziert wieder
anfangen und mal eine Mail oder ein Konzept schreiben. Aber ich will mich da
jetzt noch nicht festlegen, weil ich mir dann gleich von allen Seiten anhören
muss: ‚Jaja, das habe ich auch gedacht. Warte mal ab. Dein Business wird dir
egal sein, sobald dein Baby da ist.’  Ich
finde es nicht so positiv, wenn Leute so reagieren. Denn natürlich kann das
sein, aber das ist jetzt nicht wirklich bestärkend. Ich würde mich so freuen,
wenn Frauen sagen würden: ‚Weißt du was, das klappt schon!’ Leider höre ich bei
mir immer Ersteres, aber das kann ich mir bei mir nur schwer vorstellen. Aber
ich wie gesagt: Mit allem Konkreten halte ich mich lieber zurück.“

„Ein
schlechtes Gewissen wäre nun einfach nur wahnsinnig unproduktiv, das bringt jetzt
wirklich gar keinem etwas.“

Hattest du zwischendurch eigentlich mit einem schlechten Gewissen zu
kämpfen, weil du nun erst einmal weg bist?

„Klar, man hat schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Aber das
ist ja rein emotional. Rational gesehen weiß ich ganz genau, dass, wenn es
umgekehrt wäre, ich niemals wollen würde, dass Alex ein schlechtes Gewissen hat
und ich weiß auch, dass sie die Letzte ist, die das will. Wenn etwas Wichtiges
ist, bin ich ja da. Ich werde schließlich ‘nur’ Mutter und verschwinde jetzt
nicht einfach von der Bildfläche. Ich versuche also, mich zu disziplinieren, weil ein
schlechtes Gewissen einfach so wahnsinnig unproduktiv wäre, denn das bringt jetzt
wirklich gar keinem etwas (lacht).“

„Schaltet bei allem
anderen auf Durchzug, denn sonst hält man die neun Monate echt nicht durch!“

Und zu guter Letzt: Was ist dein bester Tipp, um entspannt durch die
Schwangerschaft zu kommen?

„Mein ultimativer Tipp ist: Auf Durchzug schalten. Von der Sekunde
an, als meine Schwangerschaft öffentlich war, kamen sowohl bekannte als auch
wildfremde Menschen auf mich zu, die mir gesagt haben, wie das jetzt sein wird,
was ich machen soll, was man auf gar keinen Fall machen darf und so weiter. Das
ist so krass. Dass du schwanger bist und ein Kind bekommst, ist auf einmal nicht
mehr deine Sache, sondern ein Politikum, zu dem jeder sich äußern kann und
darf. Und klar weiß ich, dass das in 99,9 Prozent der Fälle von den Menschen
ganz lieb gemeint ist, aber wenn du anfängst, dir das Ganze zu Herzen zu nehmen,
dann wirst du wahnsinnig. Für mich fühlt sich das an, wie wenn jemand zu mir
kommen würde und mich fragt: Ey, warum trägst du denn deine Haare so?
Eigentlich ist es lustig, aber andererseits ist es wahnsinnig übergriffig und
viele kennen da gar keine Grenzen. Du weißt vor einer Schwangerschaft ungefähr
was körperlich auf dich zukommt, aber darüber, wie diskussionswürdig deine
Schwangerschaft sein wird, darüber redet niemand.

Deswegen kann ich jeder
Mutter nur sagen: Ihr wisst schon, was das Beste für euch und euer Kind ist.
Klar braucht man mal Hilfe, aber dann fragt man danach. Schaltet bei allem
anderen auf Durchzug, denn sonst hält man die neun Monate echt nicht durch!“


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