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Ich will nicht mehr zur Arbeit!

Wenn der Job zum Albtraum wird: Jeder Morgen ist ein Graus, das Bett verlässt man nur höchst widerwillig und dann sitzt man mit Bauchschmerzen in der Bahn und will eigentlich nur, dass schon wieder Feierabend ist? Dann muss jetzt gehandelt werden.

Alles, nur nicht arbeiten gehen müssen!

Ich kann einfach nicht mehr. Wenn der Wecker klingelt, fängt das Herz an zu rasen, auf dem Weg zur Arbeit gehen die Bauchschmerzen los und wenn ich dann im Büro ankomme, wird alles noch schlimmer. Darin erkennt ihr euch wieder? Damit seid ihr nicht alleine. Viele von uns kommen früher oder später in die unangenehme Situation, dass ihr Job sie wahnsinnig unglücklich macht – im schlimmsten Falle sogar krank. Und wer hier zu lange die Augen verschließt und die Zähne zusammenbeißt, macht die Sache noch schlimmer. Denn nein, viele, die im Job leiden „stellen sich nicht an“, sind faule Menschen oder haben einfach keinen Drive – das Gefühl seine Arbeit nicht mehr machen zu können, hat meist wirklich ernste Hintergründe.

Um aus der Spirale rauszukommen und eine Entscheidung zu treffen, die wieder zu einem glücklichen Dasein führen, müssen die nun herausgefunden werden. Welche Faktoren für den inneren Widerstand gegen den Job verantwortlich sein können, haben wir für euch aufgelistet.

7 Gründe, die das Jobleben zur Hölle machen können

1. Wenn uns Versagensängste plagen

Manchmal stehen wir vor einem Projekt und wissen einfach nicht, wie wir es anpacken sollen. Und das ist genau der Moment, in dem nicht nur die Angst zu scheitern in uns aufglimmt, sondern auch das Gefühl, es einfach nicht drauf zu haben. War der Job doch eine Nummer zu groß für mich? Nun heißt es, die Ruhe zu bewahren. Besprich dich mit jemandem aus deinem Team oder mit Freunden, die sich mit dieser Art Projekte auskennen und finde heraus, was genau daran dich so überfordert. Brauchst du Unterstützung, weil es wirklich nicht alleine zu machen ist? Geht es eher um eine zündende Idee für die Umsetzung oder ist dir etwas Strukturelles unklar? Wer weiß, welchem Problem er gegenübersteht, kann handeln. Und nur weil du einmal nicht weiter weißt, heißt das noch lange nicht, dass du unfähig bist! Gut in seinem Job sein bedeutet auch, dass man weiß, wann man sich Hilfe holen muss.

2. Ständig Probleme mit Kollegen oder Vorgesetzten

Wir kommen wohl alle nicht mit jedem aus unserem Team aus – und das ist auch gar nicht tragisch. Problematisch wird es erst dann, wenn aus einer Genervtheit oder ein wenig Antipathie wirklich Psycho-Spielchen werden. Sei es nun, dass man ständig vorgeführt wird, die eigene Leistung aberkannt oder wir gegen andere ausgespielt werden. Und auch das geschieht leider häufiger, als man denkt. Handelt es sich bei unserem Gegenspieler nicht um Kollegen, was schon unangenehm genug ist, sondern gar um Chefin oder Chef, dann wird es wirklich heikel. Denn hier kommt ein Machtgefälle dazu, dass hilflos macht. In beiden Fällen ist es aber wichtig, das Gespräch zu suchen – von alleine wird sich nichts ändern. Wenn die Gespräche nichts bringen, dann zieh im Zweifel die Reißleine und such dir einen neuen Job. Das ist keine Kapitulation, sondern ein selbstverantwortlicher Schritt.

3. Es wird nur gefordert und nicht gefördert

Die Aufgaben stapeln sich und bevor man ein Häkchen hinter ein To-Do gesetzt hat, kommt schon längst die nächste Aufgabe um die Ecke? Diese Phasen gibt es überall, wenn es aber zum Dauerzustand wird, das Arbeitstier zu sein, das eigentlich nur dafür da ist, allen anderen den Weg freizuschaufeln, dann ist das nicht in Ordnung. Wenn der Job der richtige für dich ist, dann wirst du in regelmäßigen Abständen Herausforderungen gegenüberstehen, die dich reizen, die zu meistern dich stolz machen und die dich im Job weiterbringen – dafür sollte auch dein Arbeitgeber aktiv sorgen. Ist das nicht so, dann bist du vermutlich nicht an der richtigen Stellen und zu recht frustriert. Such dir einen Job, in dem du nicht nur gefordert, sondern auch gefördert wirst!

4. Das Burnout

Du fühlst dich ständig überlastet, die kleinsten Hindernisse überfordern dich und nachts bekommst du kein Auge zu? Dann kann es sein, dass du kurz davor bist, dich gefährlich zu überlasten. Natürlich kann man keine eindeutige Aussage darüber machen, wann jemand mental und körperlich seine Belastungsgrenze übersteigt, denn das lässt sich tatsächlich nur sehr individuell beantworten. Aber wenn sich die Anzeichen bei dir häufen, dann musst du etwas ändern, um nicht in Gefahr zu laufen, ernsthaft krank zu werden. Und ganz wichtig: Das hat nichts damit zu tun, dass schwach zu sein oder grundsätzlich kein belastbarer Mitarbeiter zu sein! Das solltet weder ihr euch einreden, noch euch von jemand anderem sagen lassen. Mehr Anzeichen für eine drohende Überlastung findet ihr hier.

5. Das Boreout

Tja, neben der Gefahr sich zu überlasten, kann auch das genaue Gegenteil die (mentale) Gesundheit gefährden: nämlich die permanente Unterforderung. Die Symptome sind dem des Burnouts ziemlich ähnlich und zeigt sich etwa in extremer Müdig- und Antriebslosigkeit oder darin, sich die Nächte schlaflos um die Ohren zu hauen. Das Boreout wird häufig nicht so ernst genommen, denn wie soll man sein Leid erklären? Mir ist langweilig? Nun ja, am Ende ist es eben das – nur in extremer Form. Wir Menschen brauchen Herausforderungen und haben doch alle gerne abends mal einen Grund, um richtig stolz zu sein – oder wollen unseren Freunden von tollen Projekten erzählen können. Wer hier immer nur stumm bleibt und die Schultern zucken muss, der sollte sich überlegen, ob es nicht die bessere Wahl wäre, zu gehen. Denn woanders wartet vielleicht mehr Stress, aber der kann in Maßen auch ziemlich guttun.

6. Die Sinnfrage kann nicht beantwortet werden

Was mache ich eigentlich hier? Und was hat es für einen Sinn, sich für diese Sache jeden Tag krumm zu arbeiten? Es kann ziemlich zermürben, wenn diese Fragen zu oft aufkommen und sie sind ein wichtiger Indikator, dass du gerade nicht in dem Job bist, der dich glücklich machen wird. Denn ja, manche von uns machen den Job vor allem des Geldes wegen – da ist man aber ganz bewusst einen Kompromiss eingegangen. Für alle, die in ihrem Job Selbstverwirklichung suchen, sind diese Fragen schwerwiegend. Wenn dich also der Sinn in deinem Job antreibt, dann such dir eine Arbeit, in der das gegeben ist und sitz die Sache nicht länger aus.

7. Die Wertschätzung fehlt

Ein Lob hörst du nie? Deine Arbeit ist immer selbstverständlich, aber nie gewertschätzt? Wenn das so ist, oder sich zumindest so anfühlt, dann ist das ein ernstzunehmendes Problem. Wer sich in seinem Job engagiert und gerne auch mal mehr gibt, als eigentlich verlangt wird, doch dafür nicht wahrgenommen wird, wird sich über kurz oder lang damit ausbrennen. Wir alle brauchen die Anerkennung von außen, oder in diesem Fall: von oben. Wer das seine Mitarbeiter nicht spüren lässt, hat schlicht einen Teil seiner Führungsaufgabe nicht verstanden. In dieser Situation hilft oft schon ein Gespräch weiter, in dem man das offen angeht. Doch wenn sich dann nichts ändert, such dir einen Ort, an dem du für das wahrgenommen wirst, was du leistet.

Ganz gleich, ob es sich um ein temporäres Problem handelt oder es um Grundsätzliches geht: Nehmt euer Unglücklichsein im Job und damit euch selbst ernst – es bringt langfristig einfach nichts, das abzuwinken. Denn eure (mentale) Gesundheit ist wichtiger als jeder Job und jede tolle Karrierechance. Natürlich braucht es Mut zu kündigen und sein Glück woanders zu suchen – denn was ist, wenn man vom Regen in die Traufe kommt? Na klar, das kann passieren. Aber da wo ihr jetzt seid, wartet das sichere Unglück. Ist das attraktiver? Wohl kaum. Also vertraut in euch, eure Fähigkeiten und darauf, dass es irgendwo da draußen die richtige Aufgabe für euch gibt. Denn genau so ist es auch. Und dann, kann man auch morgens wieder ohne Bauchschmerzen aufstehen und zur Arbeit gehen.

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Silvia hat von 2014 bis zum Herbst 2019 für EDITION F gearbeitet, zunächst als freie Journalistin, dann als Redakteurin und seit dem Jahr 2017 als Redaktionsleiterin. Seit Oktober ist sie freie Autorin und Kolumnistin und schreibt auf EDITION F weiterhin ihre Kolumne „Thirtysomething“. Im März 2019 erschien im Goldmann-Verlag ihr erstes Buch: „A Single Woman: Ein Plädoyer für Selbstbestimmung und neue Glückskonzepte“. Foto: Jennifer Fey

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